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Sport

03.05.2020

Wann kann man trotz Corona wieder Tennis spielen?

Fabian Mehring mit Maske vor gesperrter Tennisanlage.
Bild: Wolfgang Prokoph

Plus Wie sich der Landtagsabgeordnete Fabian Mehring die Öffnung der Sportstätten vorstellt. Für jede Sportart muss eine andere Strategie her.

Als Vorsitzender und Aktiver des Tennis-Clubs (TC) Westendorf hat Landtagsabgeordneter Fabian Mehring ein großes Herz für den Sport. Als Mitglied im Koalitionsausschuss der Staatsregierung kümmert er sich aktuell um die Coronastrategie seiner Regierungsfraktion für den Sport und weiß deshalb genau, was den Sportlerinnen und Sportlern abseits der Profis in den vielen großen und kleinen Vereinen auf den Nägeln brennt. „Wenn es in der Bundesliga Geisterspiele geben sollte, dann muss es auch Konzepte für den Amateursport geben“, fordert der Parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, der momentan selbst den Schläger nicht schwingen kann, sondern sich mit Jogging fit hält.

„Mir fällt kein kluges Argument ein, um zu erklären, weshalb die Fußballer des FC Bayern bereits wieder trainieren, während dies den Tischtennisspielerinnen aus Langweid oder den Turnern aus Buttenwiesen, die ebenfalls in der Bundesliga antreten, verboten bleibt“, spricht sich Mehring, der auch im Kreistag und im Meitinger Gemeinderat sitzt, gegen ein Privileg des Profifußballs aus. Wenn „Geisterspiele“ im Fußball ermöglicht werden, bedarf es auch für andere Sportarten vergleichbarer Konzepte. „Zudem leidet die Wettbewerbsfähigkeit unserer bayerischen Spitzensportler, wenn ihre Konkurrenz in anderen Bundesländern im Training steht, während dies hierzulande verboten bleibt.“ Diesbezügliche sollte in der Ministerpräsidentenkonferenz auf eine Homogenisierung hingearbeitet werden.

"Neue Normalität" soll auch für den Sport her

Insgesamt gehe es der Regierungsfraktion der Freien Wähler um Rahmenbedingungen für eine „neue Normalität“ im Amateur- und Profisport für die Phase, bis ein Impfstoff oder Medikament zur Verfügung steht, die eine finale Überwindung der Corona-Pandemie mitsamt einer Rückkehr zur gewohnten Lebenswirklichkeit zulassen. Bis dahin bedürfe es einer veränderten Denkweise, so der promovierte Politikwissenschaftler: „Ausgangssperre halte ich für einen problematischen Begriff“, so Mehring über die Psychologie während der Pandemie: „Es geht es nicht darum, Menschen einzusperren, sondern darum, die Ausbreitung des Virus zu verhindern“, deshalb verwende er lieber den Ausdruck „Infektionsminimierung“.

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Die Disziplin der Bürgerinnen und Bürger, aktiv an der Infektionseindämmung mitzuwirken, könne nur aufrechterhalten werden, wenn die Anordnungen schlüssig seien. Ob die Menschen sich dauerhaft diszipliniert an Beschränkungen halten, hängt davon ab, ob die Maßnahmen nachvollziehbar und konsistent sind. Für die Zeit mit Corona gelte nach seinem Dafürhalten das Credo: So viele Einschränkungen wie nötig, so wenige wie möglich.

Noch sind die Tennisanlagen in Bayern geschlossen. Doch der BTV hat einen Notfallplan für die Punktspiele erarbeitet. 
Bild: Ulrich Wagner

Regeln für den Sport müssen fortlaufend abgeglichen werden

Die aktuellen Regeln für den Breitensport müssten fortlaufend mit der schrittweisen Rücknahme der allgemeinen Ausgangsbeschränkungen abgeglichen und in Einklang gebracht werden. „Ein erster Schritt könnte die zeitnahe Aufhebung des Betretungsverbotes von Sportstätten ohne Körperkontakt sein“, nennt der 31-Jährige ein Beispiel aus eigener Erfahrung beim Tennis: „Hier agieren zwei Sportler auf einer Fläche von mehr als 160 Quadratmetern und mit 20 Metern Abstand. So viel Infektionsschutz gibt es auf keiner Kiesbank am Lech, die man – anders als Tennisplätze – aber betreten darf. Weshalb man nunmehr mit 1,5 Meter Abstand mit einer haushaltsfremden Person spazieren gehen darf, es aber verboten bleibt, sich alleine über einen Golfplatz zu bewegen oder an einem Schießstand zu trainieren, ist ebenfalls schwer zu vermitteln.“ Tennis mit Maske kann sich der 31-Jährige, der mehrfacher Vereinsmeister des TC Westendorf ist, nicht vorstellen: „Das wäre absurd.“

 

Da das Coronavirus die Lebenswirklichkeit vermutlich noch für lange Zeit begleiten wird, bedürfe es laut Mehring mittelfristig für jede Sportart einer Strategie. Sämtliche Öffnungen müssten dabei mit cleveren Hygiene- und Schutzkonzepten flankiert werden. „Der Bayerischen Tennisverband hat hierfür bereits überzeugende Konzepte vorgelegt“, berichtet Mehring von einem Gespräch mit dessen Präsidenten Helmut Schmidbauer. Durch die Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen in Bayern wird sich die zunächst für den 4. Mai ersehnte Öffnung der Anlagen allerdings bis mindestens 11. Mai hinziehen.

Karate und Judo müssen sicher noch länger warten

Für Sportarten mit Körperkontakt wie Karate oder Judo könnte es noch länger dauern. Mehring: „Das könnte etwa dann funktionieren, wenn es Schnelltests zur Coronainfektion und -immunisierung gibt, die kurz vor Wettkampfbeginn durchgeführt werden können.“ Eine Öffnung von Sport- und Fitnessstudios könnte er sich hingegen durchaus vorstellen, wenn demnächst erste Lockerungen im Bereich der Gastronomie erfolgen. Natürlich mit entsprechenden Auflagen. „Dann würden dort vorerst weniger Leute mit größerem Abstand trainieren. Das wird nicht sofort den vollen Umsatz zurückbringen. Aber es bedeutet eben auch nicht die baldige Insolvenz“, blickt Fabian Mehring in die Zukunft. „Auch ein dauerhaftes Sportverbot wirkt sich schließlich negativ auf das im Kampf gegen Corona in den Blick genommene Schutzgut der Gesundheit unserer Gesellschaft aus.“

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03.05.2020

Kommentar Susanne S. M. d. Santos:
Richtig! Es dreht sich immer alles nur um Fußball.
Entweder Alle oder Keiner. Ob Profi oder Amateur.
Meine Tochter macht Leistungssport Schwimmen.
Das alles haltet nun bald länger keiner mehr aus.

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