Newsticker
EU und Astrazeneca streiten um Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Warum Diedorfer Abiturienten einen imaginären Preis erhalten

Diedorf

19.07.2020

Warum Diedorfer Abiturienten einen imaginären Preis erhalten

Die besten Absolventen: (von links, sitzend) Andreas Wagner (1,5), Magnus Kühne (1,1), Jonas Sandner (1,3), Konstantin Müller (1,4). (V. l. stehend): Schulleiter Günter Manhardt, Lena Angerer (1,1), Tom Finke (1,3), Amelie Mandel (1,4), Julius Gerheuser (1,3), Sarah Friedrich (1,0), Michel Grumbrecht (1,4)
Bild: Andreas Lode

Plus Das Schmuttertal-Gymnasium Diedorf verabschiedet seine Absolventen an die Corona-Pandemie angepasst. Der Schnitt war trotz widriger Umstände der gut.

Eigentlich stehen bei der Übergabe der Abiturzeugnisse die Absolventen im Mittelpunkt. Doch auch der Schulleiter spielt eine wichtige Rolle. In Diedorf noch mehr als in anderen Gymnasien.

Eine Plexiglasscheibe kommt bei der Zeugnisverleihung zum Einsatz

Mit der Abendsonne im Gesicht erklärte der Schulleiter des Schmuttertal-Gymnasiums in Diedorf (SGD), Günter Manhardt, bei der Verleihung der Abiturzeugnisse: „Das könnte der Beginn einer schönen neuen Tradition sein.“ Das Schulhaus hatte sich Richtung Westen geöffnet. Eine Schiebetür in der Außenwand erlaubte es, die Veranstaltungsbühne des Gymnasiums im Freien zu nutzen.

Auch die Bühne war coronasicher gestaltet. Eine Plexiglasscheibe trennte den Schulleiter und die Absolventen. Dass der Schulleiter auch ohne Umarmung einen bleibenden Eindruck bei seinen Schülern hinterlassen hat, zeigt auch das Abimotto des Jahrgangs „Abitur 2020 – Man war das Hardt“ und das Logo, auf dem der Schulleiter als Karikatur mit dem Körper eines Bodybuilders zu sehen ist. Nicolas Monfé, der die Rede aus Sicht der Schüler hielt, dankte aber nicht nur Manhardt, sondern allen Lehrern und Angestellten der Schule namentlich.

Schüler verleiht in Neusäß imaginären Preis „WÜRG“

In seiner Rede wollte Monfé einen imaginären Preis verleihen, den WÜRG oder die „Würdigung übermenschlich rationaler Genialität“. Da er zum Schluss gekommen war, dass den Preis eigentlich jedes einzelne Mitglied der Schulgemeinschaft verdient hätte, widmete er den Preis einfach allen Absolventen. „Es wäre nicht das Gleiche gewesen, wenn nicht jeder Einzelne von Euch dabei gewesen wäre.“

Während die Rede der Schüler unterhaltsam ausfiel, richtete Günter Manhardt ernste Worte an seine Absolventen. Zur Covid-19-Epidemie sagt er: „Erst konnte ich es nicht glauben. Ich habe mich gefragt, wie das alles funktionieren soll.“ Jetzt sei er positiv überrascht, dass es funktioniert habe. „Ihr haltet ein ganz normales Abitur ohne jegliche Sonderbedingungen in der Hand.“ Die insgesamt 80 Abiturienten erreichten eine Durchschnittsnote von 2,33. Eine Schülerin schaffte die Punktlandung auf der Note 1,0, weitere zehn blieben unter 1,5 und insgesamt haben 20 Absolventen eine Eins vor dem Komma stehen. Ein gutes Ergebnis, wie Manhardt betonte: „Das war bei mir vor 37 Jahren noch nicht so.“

Neusässer Abiturienten haben mit guten Ideen und Mut viel erreicht

Die Corona-Krise habe gezeigt, dass man „mit guten Ideen, Einsatzbereitschaft und Mut“ viel erreichen könne. Zudem habe das Virus der Welt vor Augen geführt, dass Maß und Mitte in den vergangenen 30 Jahren verloren gegangen sind. Er forderte seine Schüler auf, sich für eine solidarischere Gesellschaft einzusetzen, auch wenn dafür „Beamtengehälter wie mein eigenes gekürzt und Steuern und Sozialabgaben erhöht werden müssen“. Er appellierte: „Beendet die Übertreibungen unserer Generation.“

Für die Schüler beginnt ein neuer Lebensabschnitt und sie haben die unterschiedlichsten Pläne. Magnus Kühne zum Beispiel weiß genau, wie es weitergeht: „Ich will nach München an die TU und dort Wirtschaftsinformatik studieren.“ Die Tatsache, dass auch große Teile der Lehre an der Uni aktuell online stattfinden, schreckt ihn nicht ab. Julius Gerheusers Pläne sind weniger konkret: „Ich würde gerne ein halbes Jahr arbeiten und dann ein halbes Jahr reisen. Ob das dann geht, werde ich sehen.“ Sarah Friedrich hat die Note 1,0 geschafft und weiß auch schon genau, was sie damit anfangen will. „Ich habe einen Platz für ein freiwilliges soziales Jahr beim Bayerischen Roten Kreuz, und danach will ich in Augsburg oder Ulm Medizin studieren“, erklärte sie.

Am Ende der Veranstaltung wurde die Fahne mit den Namen aller Absolventen an den Stangen vor der Schule gehisst – sie soll dort auch noch ein Weilchen wehen.

Die Liste der Diedorfer Absolventen finden Sie hier: Die Diedorfer Absolvia 2020

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren