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Stadtbergen-Leitershofen

06.08.2019

Warum Garteln gut für die Nerven ist

Feierten 100 Jahre Kleingartenanlage am Nervenheil (von links) Uwe Matthieu, Roland Hahn, Waltraud Meuter, Stefanie Rißler-Steinauer und Holger Kaczun. 
Bild: Ingrid Strohmayer

Die Kleingärten am Nervenheil in Leitershofen hat den 100. Geburtstag gefeiert. Die Gärtner haben einen ganz besonderen Blick und für die Zukunft tolle Pläne.

Die Vögel zwitschern, Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte, die unterschiedlichsten Sommerblumen leuchten fast schon verschwenderisch in einer prächtigen Farbenvielfalt, die Brombeeren glänzen in der Sonne, das Gemüse gedeiht, Kräuterschnecken duften, in Hochbeeten wachsen Salat und Freilandgurken, knallrote Freilandtomaten stechen heraus. Vor allem empfängt den Besucher am Nervenheil eine himmlische Ruhe, das Nervenheil eben. Die 26 Gärten mit ihren gepflegten Gartenhäuschen und hübsch dekorierten Freisitzen zeigen sich im „Festtagsgewand“. Die Kleingärtner feierten das 100-jährige Bestehen ihrer Anlage.

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Vor 100 Jahren wurde auf Initiative des Leitershofer Arbeiterrates der damalige „Gartenbauverein, Sektion Leitershofen“ gegründet. Basis waren die Vorstellungen des Leipziger Arztes Dr. Moritz Schreber, dass zu einem Bürgern eine naturnahe und nützliche Freizeitgestaltung ermöglicht und zum anderen in Eigeninitiative die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln sichergestellt werden sollte. „Heute überwiegt sicher der Freizeitwert, die Liebe zur Natur und der gemeinsame Spaß am Garteln. Nicht nur Senioren bewirtschaften ihren Garten, sondern auch junge Familien“, sagt erster Vorsitzender Uwe Matthieu.

Von jedem nur ein Drittel

Die Satzung des Vereins muss allerdings eingehalten werden: ein Drittel Gemüse, ein Drittel Obst und ein Drittel Grünfläche samt Schreberhäuschen, dessen Dachfläche maximal 24 Quadratmeter haben darf. Die Gärten haben unterschiedliche Größen zwischen 150 und 300 Quadratmeter, die Kosten belaufen sich auf etwa 200 Euro pro Jahr mit Pacht, Strom und Wasser. Besonders freut sich der Vorsitzende über einen einst „verwilderten“ Garten, den jetzt ein junges Paar gepachtet hat. „Sie haben ihn gerodet, mit viel Spaß, Hingabe und Liebe bepflanzt, er ist wunderschön geworden“, so das Lob des Chefs. Er weiß auch, dass es gerade älteren Menschen, die ihr Gärtchen jahrzehntelang gehegt und gepflegt haben, meist sehr schwer fällt, ihn aus Alters- und Gesundheitsgründen abzugeben.

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Oft übernimmt auch die nächste Generation den lieb gewonnen Garten der Eltern, wie Stefanie Rißler-Steinauer. „Wir haben lediglich eine Wohnung, da genießen wir jetzt im Sommer den Garten mit dem Kinderplanschbecken in vollen Zügen.“ Auch der Hund kann mit, und das gemeinsame Grillen mit Nachbarn macht Spaß. Stefanie Rißler-Steinauer findet den Garten ihrer Nachbarin Waltraud Meuter „gschleckter“ als ihren eigenen. „Da spielt halt auch der Zeitfaktor mit, es gibt schließlich auch ein schönes Unkraut, das blüht“, lacht die junge Frau. Aber für die Seniorin aus Pfersee ist der Garten ihr eigenes, kleines Paradies. Sie zeigt stolz ihr selbst gezogenes Gemüse und die Blumen. „Wir haben auch Strom, so ist unser Kühlschrank in der kleinen Laube bestens gefüllt“. Beide Damen schätzen die Gemeinschaft, Gartentipps werden ebenso wie übrige Pflanzen ausgetauscht.

Der schönste Blick auf ganz Augsburg

Der Dreh- und Angelpunkt der 6000 Quadratmeter großen Anlage, die auf Augsburger Grund liegt und von der Stadt Stadtbergen gepachtet wurde, ist das eigene Vereinsheim, direkt an der Bergstraße, das in den 80-er-Jahren in Eigenregie erbaut wurde. Auch im Winter treffen sich die Kleingärtner dort zum geselligen Miteinander, zum „Hardliner-Stammtisch“ am Sonntagnachmittag. Auf eines ist der Kleingartenverein ganz besonders stolz: „Wir haben am höchsten Punkt der Anlage im Westen, vor allem wenn das Laub der Bäume fällt, wahrlich den schönsten Blick auf ganz Augsburg, einfach traumhaft….“, schwärmt Matthieu.

Pläne für die Zukunft hat der kleine Verein auch, so wird derzeit rege diskutiert, unter die Hobby-Imker zu gehen. Mit einigen Bienenstöcken könnte dann der eigene „Nervenheil-Honig“ geerntet und verarbeitet werden.

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