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Alltagstipps

23.05.2019

Warum Werteerziehung so wichtig ist

Birgit Sölch

Sozialpädagogin Birgit Sölch erklärt in ihrem Vortrag, was das mit Warten und Ehrlichkeit zu tun hat

Für den vierjährigen Hannes ist der Start im Kindergarten wie ein Ausflug in eine andere Welt, und aktuell gefällt es ihm in dieser Welt absolut nicht. Wenn er seine Kindergärtnerin etwas fragen möchte, muss er warten, bis sie aufgehört hat, mit einem anderen Kind zu sprechen. Es gibt keine Selbstbedienungsecke für Süßigkeiten, die immer offensteht, und wenn der vierjährige Gregor Hannes’ Lieblingsspielzeug hat, dann darf er es ihm nicht wegnehmen.

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Was sich für den Vierjährigen „blöd“ anfühlt, ist Erziehung, oder um genauer zu sein: Werteerziehung. Doch gerade der Begriff „Werteerziehung“ scheint beinahe verpönt zu sein. Wie viel „Einschränkung“ wirklich hinter einer modernen Form der Werteerziehung steckt, verrät Birgit Sölch, Diplom-Sozialpädagogin der St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, in einem Vortrag, der am 5. Juni stattfindet. Entstanden ist dieses Vortragskonzept aus der Beobachtung heraus, dass Unsicherheit darüber besteht, was Kinder eigentlich brauchen, um im Alltag gut klarzukommen.

Und gerade an diesem Punkt zeige sich: Um klarzukommen, seien Werte nötig und wichtig, sagt Sölch. Wer „Respekt“ als Wert vermittelt bekommt, der wisse auch: Sich mit der Faust das Spielzeug zu holen ist der falsche Weg. In der gleichen Situation werde deutlich, wie wichtig es ist, abwarten zu können.

Warum Werteerziehung so wichtig ist

Auch das sei ein „Wert“, der nicht überholt, sondern präsenter denn je ist. Dabei komme es nicht von ungefähr, dass Kinder immer seltener wissen, was Warten oder gar Verzicht bedeutet, denn aus der heutigen Gesellschaft werde vornehmlich suggeriert: Hier gibt es immer alles. Jederzeit. Und im Überfluss.

Da Werte als wichtiger Teil der Erziehungsarbeit und als Teil des täglichen Lebens mit Kindern weder überholt seien noch einengen, sondern vielmehr als wichtige Stützpfeiler fungieren, plädiert die Diplom-Sozialpädagogin dafür, dass in Familien wieder mehr Werte vermittelt werden. Wie das passieren könne, muss dabei keineswegs altbacken und antiquiert sein, sondern bietet sich in vielerlei Alltagssituationen an. „Die Freude auf frische Erdbeeren ist für jene umso größer, die die Früchte dann essen, wenn sie Saison haben“, erklärt Birgit Sölch und zeigt damit ein Beispiel auf, wie ein saisonaler Einkauf bereits eine gute Trainingsmethode ist, um das Verzichten-Können einzuüben. Für den Wert „Ehrlichkeit“ fungieren Eltern als die besten Vorbilder. Dann heißt es übrigens aufgepasst, denn wenn der Nachwuchs die Eltern beim Schwindeln am Telefon erwischt, ist das natürlich eher kontraproduktiv.

Dass sich Werte nicht nur im Umgang mit Kindern zeigen, sondern in der Kinderzeit angelegt werden wollen, damit sie ein Leben lang davon profitieren, zeigt ein Beispiel, das in der Praxis deutlich weniger griffig ist. Es geht um das große Wort der Empathie. Doch was steckt eigentlich dahinter? Im Alltag ist Empathie etwas, das Kinder lernen und trainieren müssen, um empathisch durchs Erwachsenenleben gehen zu können. Was einfach klingt, ist für Kinder ein hartes Stück Arbeit, denn sie müssen abrücken von der Idee, dass ihr eigenes Ich immer im Fokus steht und sie ausschließlich ihre eigenen Ziele verfolgen können.

„Kleinkinder wollen, haben und nehmen, doch so kann kein Mensch im Alltag bestehen“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Was nun nötig ist, um sich empathisch auf Dritte einzulassen, ist ein Reifeprozess, der große Herausforderungen an das Selbststeuerungsvermögen von Kindern stellt. In diesem Prozess lernen Kinder, die Perspektive zu wechseln. Bleibt ein Bedürfnis in dieser Trainingsphase unbefriedigt, ist das eine wichtige Erfahrung fürs Leben, birgt aber auch ein großes Frustpotenzial, das Kinder lernen müssen auszuhalten – auch dass es beim Spielen nicht nur Gewinner geben kann. (Foto: Birgit Sölch)

Birgit Sölch hält am Mittwoch, 5. Juni, von 19.30 bis 21 Uhr im St.-Gregor-Familienzentrum (Donauwörtherstraße 9c, Meitingen) im Rahmen des Bildungsprogrammes „Kunststück Familie“ einen Vortrag zum Thema „Werteerziehung im Wandel“. Eine telefonische Anmeldung unter 08271/813340 ist nötig.

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