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Margertshausen

27.01.2021

Warum der Margertshauser Raphael Sirch gerne auf 2020 zurückblickt

Der Musiker Raphael Sirch wurde, wie alle Kunstschaffenden, von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Trotzdem blickt er aus einem besonderen Grund gerne auf 2020 zurück.
Foto: Sirch

Plus Raphael Sirch aus Margertshausen hat sich mit dem Fagott einen Namen gemacht. Als Kunstschaffender ist er aber von der Pandemie besonders betroffen.

Die Kirche St. Adelgundis in Anhausen ist bekannt für ein interessantes Angebot verschiedener Kirchenkonzerte. Auch im vergangenen Herbst waren verschiedene Konzerte geplant, fielen aber weitgehend dem Lockdown zum Opfer. Wann es wieder grünes Licht für die Konzerte geben wird, steht momentan in den Sternen. Umso schöner, dass ein Konzert im Oktober mit tollen, begabten Musikern noch zu einem vollen Erfolg wurde. Zu ihnen gehörte der aus Margertshausen stammende Fagottist Raphael Sirch.

Die Musik begleitet Sirch bereits seit seiner Kindheit. Im Grundschulalter hat er das Blockflötenspiel gelernt. Mehr Spaß machte ihm dann das Erlernen des Euphoniums. "Ein Instrument ähnlich einer Tuba, nur etwas kleiner", erklärt er. Sein Lehrer führte ihn schließlich im Alter von 14 Jahren an das Fagott heran. "Er hat mir das Instrument gezeigt, und ich fand es echt klasse", erinnert er sich. 2007 begann er als Jungstudent im Fach Fagott bei Professor Karsten Nagel am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Nach und nach wurde er mit seinen verschiedenen Kammermusikensembles als Stipendiat bei Yehudi Menuhin Live Music Now in Augsburg, Salzburg und München aufgenommen und gewann mit seinem Fagott-Trio verschiedene Wettbewerbe.

Raphael Sirch ist Lehrbeauftragter am Leopold-Mozart-Zentrum

2019 schloss er den Master of Music mit Hauptfach Fagott, Nebeninstrument Kontrafagott, sowie Kammermusik mit der Note 1,0 ab. Anschließend wurde er Lehrbeauftragter für Kontrafagott am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Als Assistent von Nagel in der Fagott- und Kammermusikklasse gibt er Technikstudien und unterrichtet Kammermusik. "Es ist der Klang des Instruments, der mich so fasziniert", erklärt Sirch, der vor allem Spaß am gemeinsamen Musizieren hat. Als ehemaliges Mitglied im Bayerischen Landesjugendorchester spielt der junge Fagottist mit großer Leidenschaft in verschiedenen Ensembles und ist immer wieder gern gesehener Gast verschiedener Orchester. Besonders am Herzen liegt ihm das Ensemble Fagotti Parlandi, welches um das Jahr 2000 von seinem ehemaligen Professor Nagel gegründet worden ist.

Aus diesem Ensemble erwuchs innerhalb weniger Jahre ein respektables und hoch professionelles Bläserensemble, das mit mehreren Preisen und Auszeichnungen geehrt wurde und inzwischen ein Aushängeschild für Bläser- und Kammermusik ist. Es ist stets Sirchs Wunsch, seinem Publikum seine Kammermusik verständlich zu machen, sie ihm näherzubringen und ihm mit seinen Auftritten Freude zu bereiten. Schon während seines Studiums unterrichtete er auch erfolgreich Privatschüler. "Allerdings ist das Fagott kein Instrument, das unbedingt jedes Kind erlernen möchte", sagt er. Er bezeichnet es als "Orchideen-Instrument", das so einiges fordere. Mit einer täglichen Übungszeit von mindestens vier Stunden, Proben- und Konzerttätigkeit mit den verschiedenen Ensembles sowie seinen Unterrichtszeiten am Leopold-Mozart-Zentrum ist er normalerweise gut beschäftigt. Darüber hinaus benötigt er auch Zeit für die Herstellung neuer Mundstücke. "Diese verschleißen schnell und sind teuer", erklärt Sirch, weshalb er sie in Eigenregie baut.

Sein Berufsbild erfordert viel Flexibilität

Auf seinem beruflichen Weg der letzten Jahre hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass er vor allem als freischaffender Musiker unterwegs ist. Als Aushilfe spielt er regelmäßig in verschiedenen Orchestern, etwa bei den Augsburger Philharmonikern, dem Orchester der Klangverwaltung, dem Münchner Rundfunkorchester, dem Münchener Kammerorchester, der Bayerischen Kammerphilharmonie, beim Philharmonischen Orchester Würzburg und den Nürnberger Symphonikern. Dabei spielte er bereits unter der Leitung verschiedener namhafter Dirigenten wie Roberto Abbado, Enoch zu Guttenberg, Kent Nagano oder Ivan Repusic. Sein Berufsbild Fagottist/Kontrafagottist erfordert viel Flexibilität. "Man muss sich immer wieder auf etwas Neues einlassen", erklärt Sirch. Aber aufgrund der Corona-Pandemie sind dem Künstler in all seinem Tun inzwischen nur noch Grenzen gesetzt.

Um nicht ganz frustriert zu werden, hatte Sirch im vergangenen Herbst vor dem Lockdown mit seinem Ensemble im Bruder-Klaus-Heim in Violau geprobt und das neue Programm "Lieder der Welt" zusammengestellt. Dies sollte im Bürgersaal Stadtbergen vorgestellt werden, fiel aber ebenfalls Corona zum Opfer. Da gerade die Kunstschaffenden von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind, blickt Sirch auf ein wenig gutes Arbeitsjahr zurück. "Man verdient mit Musik ja nicht nur aus Spaß Geld", erklärt er. So musste er auf sein Erspartes und die Unterstützung seiner Frau zurückgreifen. "Von den Politikern kommen zwar große Worte, es vergeht aber lange Zeit, in der nicht sehr viel geschieht", klagt er. Und dennoch wird er auf 2020 immer mit einem guten Gefühl zurückblicken. Denn: Es war auch das Jahr, in dem er seiner jungen Frau im August das Jawort gab.

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