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Landkreis Augsburg

18.11.2019

Warum der SSV Anhausen der SpVgg Lagerlechfeld ein Tor spendiert

Was hätte ich denn machen sollen? Anhausens Martin Wenni wollte nach einem Foul den Ball nur zurück zum Gegner spielen, doch der ging ins Tor. Was dann passierte nennt man Fairplay.
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Was hätte ich denn machen sollen? Anhausens Martin Wenni wollte nach einem Foul den Ball nur zurück zum Gegner spielen, doch der ging ins Tor. Was dann passierte nennt man Fairplay.
Bild: Oliver Reiser

Plus Fußball-Nachlese: Im Anhauser Waldstadion gibt eine spektakuläre Fairplay-Aktion. Und in Möttingen wird ein Spiel wegen Rassismus-Vorwürfen angebrochen.

„Fairplay gehört zum Fußball – sonst würde es auch nur halb soviel Spaß machen.“ So lautet zumindest der Slogan des Bayerischen Fußball-Verbandes. Erst am vergangenen Samstag war es so - auch wenn es in den vergangenen Wochen mit Angriffen auf Schiedsrichter ganz anders ausgesehen hatte.

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Maurice Strobel vom FV Illertissen, der bayerischen „Fair ist mehr“-Landessieger, war nun zur DFB-Fair Play-Gala nach Düsseldorf eingeladen. Der 23-Jährige hatte freiwillig auf einen Elfmeter verzichtet. Vielleicht folgt im im nächsten Jahr ja Kilian Kustermann vom SC Ichenhausen? Beim Stand von 0:0 war der nach einem Zweikampf im Strafraum des FC Gundelfingen zu Fall gekommen und Schiedsrichter Rico Spyra hatte auf Elfmeter entschieden. Da griff Kustermann ein und erklärte, dass er nicht durch ein Foul ins Straucheln gekommen war. Konsequenz: kein Strafstoß für den SCI, stattdessen Abstoß für den FCG, der am Ende mit 2:0 gewann.

Torhüter Mario Pachera rutschte aus

„Ganz großer Sport, ein Riesenkompliment an Kilian Kustermann“, urteilte etwa Gundelfingens Trainer Martin Weng. Vielleicht bekommen aber auch seine ehemaligen Schützlinge vom SSV Anhausen diesen Fairplay-Preis? Im Waldstadion hatte sich im Spiel gegen die SpVgg Lagerlechfeld eine kuriose Szene zugetragen. „Ein Anhauser Spieler lag am Boden, Lagerlechfeld hat den Ball ins Aus gespielt und wir wollten ihn klassisch zurückspielen“, berichtet SSV-Spielertrainer Benedikt Schmid. Doch da ging einiges schief. Martin Wenni schlug den Ball in Richtung Gästestrafraum. An der Sechzehner-Linie hüpfte er auf, Lagerlechfelds Torhüter Mario Pachera rutschte aus und die Kugel landete über ihn hinweg zum 2:0 im Netz.

Warum der SSV Anhausen der SpVgg Lagerlechfeld ein Tor spendiert

„Vielleicht ist er die Platzgröße noch nicht so gewohnt“, mutmaßte SSV-Abteilungsleiter Günther Frank. Wenni hatte noch im vergangenen Jahr mit Schwaben Augsburg in der Bayernliga auf größeren Plätzen gespielt. „Die Situation war mega unangenehm“, konstatierte Schmid. Zusammen mit dem Schiedsrichter sei man Richtung Anstoßpunkt gelaufen. „Wir haben eine flache Hierarchie im Team. Deshalb habe ich in die Runde gefragt, ob es für alle in Ordnung wäre, dass wir die Lagerlechfelder jetzt frei durchlaufen lassen“, so Schmid. Fairplay und anständiges sportliches Verhalten im Fußball sei schließlich im SSV Anhausen stets angesagt. Die Anhauser zögerten nicht eine Sekunde.

Lagerlechfeld hat sich mit Naturalien bedankt

Beim Anpfiff gingen alle Spieler zur Seite, so dass Fabian Lutz ungestört durchmarschieren und zum 2:1 einschieben konnte. „Auch für uns Zuschauer gab es gar keine Diskussion. So sollte es auch sein“, hätte Frank, der die Szene vom Fenster des Sportheims aus erlebte, seinen Kickern auch keinen Vorwurf gemacht, wenn Lagerlechfeld kurz danach der durchaus mögliche 2:2-Ausgleich gelungen wäre. Am Ende gewann der SSV Anhausen mit 3:1. „Lagerlechfeld hat sich hinterher erkenntlich gezeigt und sich mit Naturalien bedankt“, hatte Benedikt Schmid gut lachen. Weit unerfreulichere Szenen spielten sich in der Partie zwischen dem TSV Möttingen und der SSV Höchstädt ab.

Wie Donau-Spielleiter Franz Bohmann berichtet, dauerte dieses Spiel der Kreisliga Nord nur eine Halbzeit lang. In der 36. Minute hatte angeblich der Höchstädter Spieler Abdul Wahab Ibrahim-Ussif den Ball auf einen Zuschauer geschossen und anschließend die „Bank“ der Gastgeber beleidigt. Folge für ihn war die Rote Karte. Nach der Pause – der TSV Möttingen führte mit 2:0 – traten die Höchstädter Kicker dann wegen angeblicher rassistischer Äußerungen von Möttinger Zuschauern gegen den bestraften SSV-Spieler nicht mehr an. Die Sicht beider Parteien auf den Vorfall sind konträr.

Die SSV verurteilt jegliche Art von Rassismus

Johannes Ebermayer von der Sportleitung der Höchstädter teilt in einer Stellungnahme mit: „Wir werden es garantiert nicht zulassen, dass hier vonseiten des Heimvereins vertauscht wird, wer eigentlich das Opfer ist. Unser Spieler hat weder absichtlich einen Ball auf einen Zuschauer geschossen, noch hat er in irgendeiner Art und Weise die Bank des TSV Möttingen beleidigt. Die SSV verurteilt jegliche Art von Rassismus und würde bei derartigen Vorfällen wieder genau so handeln.“ Abdul Wahab Ibrahim-Ussif sei in der Mannschaft hoch angesehen. Man werde es nicht dulden, dass ihm durch solche Vorfälle der Spaß an seinem Hobby genommen wird und hoffe, dass der BFV hier seiner groß angelegten Kampagne „Nein zu Rassismus“ auch Taten folgen lasse.

Weiter heißt es: „Wir haben auch keinerlei Interesse an einem erneuten Aufeinandertreffen mit dem TSV Möttingen im Rahmen eines Wiederholungsspiels. Durch unseren Abbruch wollten wir einzig und allein ein Zeichen setzen.“ Der designierte Abteilungsleiter Thomas Kehrle benennt auch die durch einen Zuschauer ausgesprochene Beleidigung: „Irgendwas mit Affe, brauer oder fouler. Das hat unseren Spieler schwer getroffen, der daraufhin dem Zuschauer den Stinkefinger gezeigt hat. Folge war die Rote Karte.“

Schiedsrichter muss das Spiel unterbrechen

Möttingens Trainer Gerhard Wiedemann ist extrem verärgert, wie die Höchstädter mit einem „so sensiblen Thema“, das der Fußball-Verband als besonders wichtig auf seiner Agenda habe, umgehen würden. Er selbst habe sich in unmittelbare Nähe der fraglichen Vorfälle befunden und auf gar keinen Fall habe es rassistische Äußerungen gegeben. Fakt sei: „Auf unsere Seite der Bank und in deren direktem Umfeld ist keine rassistische Äußerung gefallen. Ein so sensibles Thema darf nicht dazu herhalten, um das Ausrasten eines Spielers zu kaschieren.“ Der vom Ball getroffene Zuschauer habe seine Personalien angegeben und erklärt, auf eine Anzeige gegen den Spieler zu verzichten. Bei rassistischen Äußerungen von Zuschauern müsse der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und die Personalien der betreffenden Personen aufnehmen, erläutert Kreisspielleiter Franz Bohmann (Wertingen) das Regelwerk. Das Kreissportgericht wird nun entscheiden müssen, welche Darstellung der Vorfälle es als glaubwürdig erachtet.

Während sich die oberen Ligen noch ein bisschen gedulden müssen, bis sie die Fußballschuhe über den Winter ins Eck stellen können, heißt es von der Kreisklasse an abwärts bereits jetzt: Winterpause. Dabei können eine ganze Reihe von Mannschaften ein durchaus positives Fazit dieser Herbstserie ziehen. Zum Beispiel der SSV Margertshausen II (B-Klasse Süd), der als einzige Mannschaft aus dem Verbreitungsgebiet der AZ Augsburger Land noch ungeschlagen ist. Ebenso zielstrebig eilen der CSC Batzenhofen-Hirblingen und der Hainhofener SV im Gleichschritt der A-Klasse entgegen. In der A-Klasse Nordwest darf der FC Langweid als Tabellenführer überwintern, die Verfolger TSV Herbertshofen und SV Wörleschwang haben allerdings ein Spiel weniger absolviert. Gleich zwei Partien weniger stehen auf dem Tableau des TSV Leitershofen, der in der Kreisklasse Nordwest mit einem Sieg im Nachholspiel beim SV Ottmarshausen noch am FC Emersacker vorbei ziehen könnte.

Für den TSV Zusmarshausen ist als einzigen Kreisligisten das Fußballjahr 2019 beendet. Die Partie gegen den Kissinger SC wurde schon vor Saisonbeginn im beiderseitigem Einvernehmen verlegt, weil Kissings Abteilungsleiter Mario Borrelli seinen 50. und Zusmarshausens Trainer Thomas Weber seinen 40. Geburtstag feiert. Da kein Heimspiel mehr ansteht, wurde vor dem Spiel beim TSV Täfertingen eine Gedenkminute für den unerwartet verstorbenen Franz Leutenmayr eingelegt, der viel für den Verein getan hat und den TSV zu den Auswärtsspielen immer mit dem Fahrrad begleitet hat.

Mensur Basholli ist seit Wochen spurlos verschwunden

„Einigen wir uns auf ein 1:1?“, hatte Täfertingens sportlicher Leiter Günter Stempfle seinem Zusmarshauser Kollegen Reinhard Brachert noch vor dem Anpfiff angeboten. Da seine Truppe mit dem allerletzten Aufgebot antreten musste, war Stempfle nicht wirklich von einem Erfolg überzeugt. Mit dem unter den Zuschauer weilenden Marco Villani, der inzwischen beim Bayernligisten TSV Schwabmünchen spielt, Mensur Basholli, der seit Wochen spurlos verschwunden ist, und Pierre Winatschek, der sich kurzfristig in einen Kurzurlaub verabschiedet hatte, fehlten eigentlich so alle Angreifer. Roberto Villani musste in die Bresche springen und traf dann tatsächlich zum so wichtigen 1:0. Dass der TSV Täfertingen alle drei Punkte einsacken konnte lag aber auch an Torhüter Marco Simic, der insbesondere Zusmarshausens Torjäger Marc-André Wimmer mit seinen Glanzparaden zur Verzweiflung brachte. „Wir geben noch längst nicht auf, den direkten Klassenerhalt zu schaffen“, freut sich Günter Stempfle jetzt auf die Winterpause, nach der einige Verletzte und auch Florian van der Werf vom TSV Rehling wieder zurückkommen sollen.

Die Mannschaft der Stunde in der Kreisliga Augsburg ist der SSV Anhausen. Nicht nur wegen der beispielhaften Fairplay-Aktion (siehe eigenen Artikel). Mit 27 Punkten stehen die Kicker aus dem Anhauser Tal auf Rang drei nun können nun die Saisonziele nachjustiern. „Nachdem wir zunächst vorsichtig waren und nur vom Klassenerhalt gesprochen haben, wollen wir jetzt unter den ersten Fünf bleiben“, sagt Abteilungsleiter Günter Frank. Der SSV Anhausen hat sich in den vergangenen Jahren unter den Trainern Sören Dreßler, Martin Weng und Sepp Guggenberger mit eigenen Leuten ziemlich Respekt erarbeitet. Jetzt leistete Benedikt Schmid gute Arbeit. „Auch im dritten Jahr in der Kreisliga haben wir uns weiterentwickelt“, so der Coach, der auf eine eingespielte Mannschaft vertrauen kann. „Ein eingeschworener Haufen, der gern für seinen Heimatverein spielt“, charakterisiert Schmid seine Truppe, die vor allem in der Defensive sicher steht. „Nach einer überragenden Vorrunde wollen wir diesen Lauf natürlich so lange wie möglich mitnehmen“, meint der Spielertrainer, der den Klassenerhalt inzwischen in trockenen Tüchern sieht. „Dann lassen wir uns mal überraschen, was am Ende rauskommt.“

Keine große Überraschung wäre es mittlerweile, wenn der SV Cosmos Aystetten auf Anhieb wieder in die Landesliga zurückkehren würde. Die Truppe um den aufgrud einer Wette nach wie vor kurz behosten Trainer Marco Löring gewann beim TSV Friedberg bereits das zehnte Spiel in Folge. Einmal noch muss Löring seine Beine der Kälte aussetzen. Zum letzten Spiel erwarten die Cosmonauten den FC Heimeringen. Wenn es im Frühjahr weitergeht, dürften die Temperaturen milder sein – und Löring weiter in kurzer Hose an der Seitenlinie stehen.

Platz zu weich: Spiel abgesagt

Villenbachs Altbürgermeister und langjähriger Schiedsrichter Otmar Ohnheiser wollte sich eigentlich die Partie zwischen dem SC Altenmünster und dem FC Stätzling anschauen und war in Altenmünster auch schon vor Ort, als er dann am Sportgelände am Hennhofer Weg erstaunt erfuhr, dass das Spiel abgesagt worden ist. Die Entscheidung traf am Vormittag kurz nach 9 Uhr eine Platzkommission unter der Führung von Abteilungsleiter Oliver Osterhoff. Das nasskalte Wetter der vergangenen Tage hatte das Hauptspielfeld ziemlich weich werden lassen. Vor allem im Strafraum auf der Südseite des Spielfeldes. „Ein drittes Heimspiel in Folge hätte unser Platz kaum noch verkraftet“, erklärte Osterhoff.

Über eine Spielabsage beim FC Affing hätte man sich beim TSV Meitingen wohl nicht geärgert, zumal auf dem schwammigen, tiefen Untergrund beide Teams ziemlich zu kämpfen hatten. Nach packenden 90 Minuten war das Thema Platzbeschaffenheit bei den Gästen freilich erledigt. Vielmehr herrschte große Freude über den 3:2-Erfolg und das nun anstehende Top-Spiel gegen Tabellenführer TSV Gersthofen. Mit einem Heimsieg können die Lechtaler bei einem Spiel Rückstand bis auf drei Punkte heranrücken und dann selbst wieder ins Titelrennen mit eingreifen.

Zehn Spiele in Folge ohne Niederlage

„Mit viel Wille, Teamgeist und Kraft liegt die letzte Niederlage weit zurück“, fiel die bisherige Bilanz von Klaus Assum, dem Abteilungsleiter des TSV Gersthofen, schon vor dem 1:1 gegen den TSV Nördlingen II positiv aus. Zehn Spiele in Folge ist die Truppe von Florian Fischer und Mario Schmidt inzwischen ohne Niederlage geblieben. „Man kann feststellen, dass ein breiter Kader, geschrumpft durch die Verletzungen von Michael Gärtner und Aykut Atay, trotzdem genügend Potenzial hat, um Spieler von der Bank zu bringen, die den Leistungspegel nochmals anheben“, so Assum. Verabschiedet hat sich Sebastian Kempf. Der 19-Jährigem der in der Vorrunden zwei Kurzeinsätze zu verzeichnen hatte, wechselt zum Ost-Kreisligisten TSV Firnhaberau.

Von der anderen Seite des Lechs kommt hingegen Thomas Holzapfel. Der ehemalige Erfolgstrainer, der mit dem TSV Gersthofen in die Bezirksoberliga aufgestiegen ist, übernimmt ab sofort die U19, die in der höchsten schwäbischen Liga spielt. „Seine Art und sein Fachverstand werden sich positiv auf die Jungs übertragen“, so Assum über den Coach, der zuletzt beim VfR Foret die Kommandos gegeben hatte.

Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass der TSV Neusäß in der Fußball-Bezirksliga Süd vom BSK Olympia Neugablonz mit drei Punkten zurückkehrt. Schließlich haben die beiden Torjäger der Allgäuer, Maier (13) und Jelic (12) jeweils allein mehr Treffer erzielt, als die gesamte Mannschaft der Lohwaldkicker. In der Tat: Mit ihren Treffern machten sie den Unterschied. Die Pecher-Schützlinge konnten indessen ihre durchaus vorhandenen Chancen einmal mehr nicht nutzten und mussten mit einer 0:2-Niederlage die Heimreise antreten. Auch die Verletzungsserie will nicht enden: Schon nach neun Minuten musste Akif Dogan raus, kurz nach der Pause Raphael Schimunek. „Trotz der vielen Verletzten und der minimalen Punktausbeute hat die Mannschaft gezeigt, dass sie sich weiter gut entwickelt hat“, konstatierte sportlicher Leiter Günther Hausmann, der die Winterpause herbei sehnt.

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