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Augsburg

14.07.2015

Warum die Bahnstrecke nach Ulm dringend ausgebaut werden muss

Verbessert künftig ein drittes Gleis die Bahnverbindung zwischen Augsburg und Ulm?
Bild: Archivbild, Weizenegger

Dass die Verbindung zwischen Augsburg und Ulm besser werden muss, sagt inzwischen sogar die Bahn. Dennoch könnte es am Ende ein böses Erwachen geben.

Durchbruch oder Sackgasse? Das ist wieder mal die Frage. Es geht um den Ausbau der Bahnverbindung nach Augsburg, um die bestmögliche Anbindung des Jahrhundertvorhabens Mobilitätsdrehscheibe, dessen Vollendung sich Augsburg gerade unter Mühen nähert. Doch läuft es dumm, bleibt alles nur Stückwerk, weil die Region im Begriff ist, sich selbst ein Bein zu stellen. Am gestrigen Montag wurden deshalb im Augsburger Kreistag wieder einmal die Argumente ausgetauscht. Dort sollten die Politiker sich weitestgehend einig sein, die Entscheidung aber fällt ganz woanders. Sie fällt in Berlin.

Die Ausgangslage ist klar. Der regionale Schienentakt, der Augsburg mit seinem Umland verbindet, er könnte besser laufen. Die Regionalzüge verkehren zwar häufig, aber unregelmäßig, immer wieder klagen die Pendler über Verspätungen. Als Hauptgrund gelten mangelnde Gleiskapazitäten. Zu wenig Platz auf dem Gleis, wo Regional-, Fern- und Güterverkehr um die Vorfahrt rangeln.

Seit Mitte der 1990er Jahre fordern Politiker aller maßgeblichen Parteien aus der Region ebenso ausdauernd wie erfolglos das dritte Gleis. Weder Bund noch Freistaat wollten für den voraussichtlich mehrere hundert Millionen teuren Ausbau auf den Verbindungen Richtung Donauwörth und Ulm Geld lockermachen.

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Geändert hat sich die Ausgangslage erst, als Bahn und Bund begannen, Milliarden in den Stuttgarter Hauptbahnhof und den Ausbau der Verbindung nach München zu stecken. Bis zum Jahr 2030 will die Bahn die Zahl ihrer Fernzüge zwischen München und Stuttgart um bis zu 75 Prozent steigern und sagt nun selbst, dass dazu die Strecke westlich von Augsburg ausgebaut werden soll.

Ein drittes Gleis könnte die Lösung sein

Das könnte einmal durch das lang ersehnte dritte Gleis zwischen Augsburg und Dinkelscherben erfolgen. In dessen Zuge – und das ist der besondere Charme für die örtliche Politik – könnten mit Mitteln von Bahn und Bund endlich Bahnhöfe wie der in Neusäß und Diedorf erneuert werden, könnten Lärmschutzwände gebaut werden, wie sie andernorts längst üblich sind. Bislang nämlich hatte die Bahn Verbesserungen mit Hinweis auf jenes dritte Gleis, das kommen solle, abgelehnt.

Möglicherweise passiert auch gar nichts. Denn für den Bundesverkehrswegeplan, der in Berlin verabschiedet werden soll und in dem all die teuren Vorhaben stehen, die der Bund in den nächsten 15 Jahren bezahlen will, ist ein Konkurrenz-Projekt im Rennen. Eine Schnellbahnstrecke entlang der Autobahn, die von Burgau nach Augsburg fährt. Auf ihr sollen die Fernverkehrszüge ungehindert Gas geben können und nachts auch Güterzüge rollen.

Die führenden Politiker im Landkreis Augsburg lehnen das Projekt mit Nachdruck ab. Das sei bisher nicht mehr als „ein Strich in der Landschaft“, sagt der schwäbische CSU-Chef Markus Ferber. Weil die Planungsarbeiten noch in einem ganz frühen Stadium seien, werde eine Verwirklichung noch lange dauern. Nach seinen Informationen schneide der Ausbau der Bestandsstrecke bei einer Kosten-Nuzen-Rechnung besser ab. Auch der Augsburger Landrat Martin Sailer hält die Schnellbahnstrecke für einen Irrweg. Wer ihm folge, bremse nur den dringend nötigen Ausbau der Bestandsstrecke aus.

Der Vorwurf gilt dem Augsburger CSU-Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich und der Industrie- und Handelskammer. Sie plädieren dafür, sich im jetzigen Stadium beide Wege offen zu halten. Wenn dann die Bewertung von Experten des Bundesverkehrsministeriums vorliege, die für den Herbst erwartet wird, solle man die Variante unterstützen, welche die besseren Noten bekommt. Den Politikern im Landkreis wirft die IHK vor, mit ihrem Widerstand gegen die Schnellbahnlösung vorschnell auf ein Pferd zu setzen, das am Ende das falsche sein könnte, und so den Erfolg zu gefährden.

Für die Staudenbahn gibt es konkrete Pläne

Dass die Gefahr, am Ende überhaupt keinen Ausbau zu bekommen, besteht, darauf wies vergangene Woche Matthias Gastel hin. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete ist der Bahn-Experte seiner Fraktion. Er erinnerte bei einem Ortstermin in Neusäß daran, dass in der jetzigen Phase bundesweit 400 Projekte um die Aufnahme in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplanes konkurrieren. Nur wer da drin ist, hat eine Chance auf Realisierung. Rein komme aber nur, was vergleichsweise widerstandlos und schnell zu verwirklichen sei, sagt Gastel.

Das nun trifft in den Augen des IHK-Bahnexperten Peter Stöferle auf keine der beiden Varianten so richtig zu. Weder für die Schnellbahnstrecke noch das dritte Gleis gebe es eine konkrete Planung. Stöferle: „So oder so wird es keine schnelle Lösung geben.“

Hat er recht, wird es in einigen Jahren noch enger auf den Gleisen westlich von Augsburg. Spätestens Ende des Jahres 2021 soll die Staudenbahn wieder regelmäßig verkehren. 18 Zugpaare am Tag sollen zwischen Langenneufnach und Gessertshausen verkehren, wo die Staudenbahn auf die Hauptstrecke zwischen Ulm und Augsburg trifft. Auf der soll die Staudenbahn zu den Stoßzeiten gleich bis Augsburg durchfahren.

Einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht, weil die Pläne der Bahn für den Fernverkehr für eine erneute Verzögerung gesorgt haben. So sollte die Staudenbahn ursprünglich bereits 2018/2019 starten. Jetzt soll es erst 2021 losgehen. Das teilte Innenminister Joachim Herrmann Mitte Juni in einem Brief an Landrat Sailer mit.

Jetzt wird verhandelt, ob es nicht doch früher losgehen könnte. Im Gegensatz zum dritten Gleis aber hat die Staudenbahn eines sicher: die Zusage vom Freistaat, dass sie finanziert wird.

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