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Dialektserie

10.03.2014

Warum die Bayern keinen Dusel kennen

Der Lech ist wieder einmal die Sprachgrenze

Sportfans kennen das und leiden darunter. Wenn der gegnerische Verein gewinnt, war das meist ungerecht, entsprach nicht dem Spielverlauf, war schlicht und einfach „Dusel“. Und der eigene, deutlich bessere Verein hatte nur Pech – natürlich auch mit dem Schiedsrichter, dem Blinden! Und zu dem Pech gesellte sich dann auch noch Unglück (wie es ein ehemaliger Spieler der Fußballnationalmannschaft auszudrücken beliebte…).

Durchaus erstaunlich die Kreativität der Fans (und der Journalisten), mit der dann beispielsweise Vereinsnamen gehässig verunglimpft werden. So wurde der Bundesligist Bayer Leverkusen nach dem Phantomtor in dieser Spielzeit in Bayer Everdusel umgetauft. Und der FCA hat ja auch nur Dusel, dass er jetzt in der Tabelle da steht, wo er steht – dabei vergisst man halt gerne, dass Glück zuletzt nur der Tüchtige hat.

Dusel als Begriff für unverdientes Glück hat niederdeutschen Ursprung und bedeutete Schwindel, Rausch, Schlaf (Kluge, etymologisches Wörterbuch). Heute noch allseits in vieler Munde ist das verwandte „dösen“, also fast oder mit offenen Augen schlafen. Wie die Bedeutungsänderung zu unverdientem Glück entstand, ist ungeklärt. „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlafe“, reicht nach Kluge nicht aus. Und wer Dussel, also mit zwei „s“ ausspricht, meint einen Blöden.

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Im schwäbischen Dialekt kennt man vor allem das Verb „dus(l)en“ für dösen, also leicht schlummern. Und im „Dusel sein“, heißt laut Sprachforscher König dann benommen sein. Und obendrein gibt’s ein im Augsburger Raum bekanntes Kinderspiel namens „Dusel“ mit Ländernamenraten und Ballwerfen – eines jener zahlreichen Spiele, die Kinder früher ohne aufwendige Ausrüstung spielen konnten.

Bei der mundartlichen Bezeichnung für unverdientes Glück ist der Lech mal wieder die Sprachgrenze. Sicher, auch die Altbayern kennen Dusel, aber es ist halt nicht ihr geläufiger Begriff. Und so soll es – sprachlich versierte – Fans der derzeit wohl besten Fußballmannschaft der Welt geben, die der Vorwurf des dem FC Bayern in der Vergangenheit (natürlich von Neidern) häufig angedichteten Dusels kalt lässt. Denn Dusel, was ist das?

Rechts des Lech sagt man eigentlich „Massel“. Und das hatten die Bayern ja eh nie, oder…? Man denke nur mal an die zahllosen Latten- und Pfostenschüsse und an nicht gegebene Strafstöße, von den zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen ganz zu schweigen.

Der Begriff Massel kommt aus dem Jiddischen und hat seinen Ursprung im hebräischen Wort „mazzalot“. Und das bedeuten zunächst Sternbild und später dann Geschick – ein (astrologisches) Bild, das wir auch kennen: etwas steht unter einem guten Stern … von wegen unverdientes Glück, liebe Fußballfans.

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