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Meitingen

12.04.2020

Warum im Landkreis Augsburg Hühner in Wohnwagen leben

Das Hühnermobil von Sebastian (rechts) und Franz Rotter bietet 225 Tieren und drei Hähnen ein Zuhause.
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Das Hühnermobil von Sebastian (rechts) und Franz Rotter bietet 225 Tieren und drei Hähnen ein Zuhause.
Bild: Brand

Plus Mit einem mobilen Stall soll Hühnerhaltung flexibel werden. Landwirte aus Gablingen und Allmannshofen erklären ihre Idee und die verschiedenen Konzepte.

Vieles scheint am Osterfest dieses Jahr nicht wie gewohnt. Eines jedoch ist geblieben: Viele, viele Eier sind auch heuer gefragt. Sie werden bunt bemalt, beschriftet, versteckt, gesucht und hoffentlich gefunden. Dort, wo sie entstehen, tut sich hingegen im Augsburger Land so einiges, denn es werden immer häufig sogenannte mobile Hühnerställe gesichtet. Die kleine Variante ist nicht größer als ein Wohnwagen, die große mutet an wie ein überdimensionaler Anhänger. Doch welche Idee steckt dahinter?

Beim Hafnerbauer in Gablingen wuchs die Idee für ein Hühnermobil mit der Umstellung des Betriebs auf biologischen Anbau. Das erste Hühnermobil fuhr bereits im Herbst 2016 auf den Hof. 225 Hühner und drei Hähne leben auf dem Hof in Gablingen in einem Hühnermobil. Jedes der mittlerweile zwei Hühnermobile messe achteinhalb auf dreieinhalb Meter und koste in der Anschaffung rund 40.000 Euro, verrät Seniorchef Franz Rotter. Aufgeteilt ist der Innenraum in ein Areal mit Nestern zum Eierlegen und in einen Scharrraum, in dem die Tiere sich ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung widmen können – dem Scharren. Morgens gehen die Türen um 9.30 Uhr auf. Dann gehen die Hennen vor die Tür und bekommen das frische Gras eben dort, wo der mobile Hühnerstall gerade steht. Abends, eine Stunde nach Sonnenuntergang schließen sich die Klappen des Hühnermobils wieder.

Hühner im Wohnwagen wechseln regelmäßig den Ort

Alle fünf bis zehn Tage wird das Hühnermobil versetzt, damit die vergleichsweise lauffaulen Tiere wieder frisches Gras bekommen. Gerade das ist wichtig, denn das Gras färbt den Dotter auf ganz natürliche Weise und bleibt nur so auch dann erhalten, wenn aus den Eiern Kuchen oder Rühreier werden. Diese Haltungsform, die sich direkt auf die Qualität der Eier niederschlägt, hat auch ihren Preis. Juniorchef Sebastian Rotter vergleicht: „Ein Stallplatz im mobilen Stall kostet doppelt so viel wie im fest gebauten Stall.“

Martin Grob hat für seinen alten Wohnwagen gerade mal 30 Euro bezahlt – sein grünes Gallinarius mobilis I.
Bild: Brand

In Allmannshofen, im nördlichsten Winkel des Augsburger Landes, steht auch ein Hühnermobil, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Dort hält Martin Grob seine Hühner in einem umgebauten Wohnmobil, das ihn in der Anschaffung gerade mal 30 Euro pro Wohnmobil gekostet hat. Grün gestrichen hat Grob seinen mobilen Hühnerstall. Zudem trägt das Mobil den Namen „Gallinarius mobilis“ (auf Deutsch: mobiler Hühnerstall). Im Gallinarius mobilis I und II leben ab Karsamstag in Summe 100 Tiere.

Landwirt in Allmannshofen hält keine normalen Hühner

In Allmannshofen ist nicht nur der Stall optisch eine Besonderheit, sondern auch die Tiere, die darin leben. Der Landwirt hält Zweinutzungsrassen, bei denen sowohl männliche Küken zur Fleischproduktion eingesetzt werden als auch weibliche Küken zur Eierproduktion. „Unterm Strich kostet die Produktion zwar so etwas mehr, aber das ist für uns eine ethische Frage und Sache der Überzeugung und Nachhaltigkeit“, erklärt Grob. Er weiß, dass die Leistung der Tiere nicht vergleichbar ist mit gezüchteten Hybridrassen. Aktuell leben Tiere der Rasse Sussex, Barnevelder (Rote Liste, Kat III, gefährdet) und seit Kurzem auch Augsburger Hühner (Rote Liste, Kat I = höchste Stufe, extrem gefährdet) in Allmannshofen.

Der Landwirt betont, dass das Tierwohl Priorität habe. „Wir wollten unsere Hühner im Freiland halten – und ihnen ganzjährig die Möglichkeit bieten, im Gras zu scharren.“ Zudem gibt es für die Tiere Futtermischungen mit einem Anteil von 90 Prozent an regionalen Komponenten. In seiner Nachbarschaft, im Ort und von Kunden wird seine Umsetzung des mobilen Hühnerstalls unterschiedlich wahrgenommen: Seine Kunden freuen sich über die Qualität der Eier und die Tiere, denen es sichtlich gut geht, andere wiederum blicken auf das umgebaute Wohnmobil neben Grobs Wohnhaus durchaus kritisch. Warum das so ist, kann Grob sich nicht erklären, ist aber gerne bereit, Rückfragen zu beantworten.

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