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Diedorf

13.04.2015

Was aus einem „Tierdorf“ wurde

Dass wir im Süden der Republik gelegentlich unsere liebe Not mit den richtigen Artikeln haben – zumindest behaupten das Lehrer und sonstige Besserwisser, die unserer sprachlichen Freiheit und Kreativität nichts abgewinnen wollen – ist weithin bekannt: Der Radio, der Butter und etliches mehr. Dass wir aber aus einem sächlichen Dorf ein weibliches Wesen machen, ist nicht wahr. Auch bei uns heißt es das Dorf.

Von Jürgen Dillmann

Allerdings mag es durchaus missverständlich sein, wenn jemand etwa im Urlaub auf die Frage, woher er denn komme, mit „aus die Dorf“ antwortet. Abgesehen davon ist Diedorf an der Schmutter seit 1996 gar kein Dorf mehr, sondern ein Markt, womit der Freistaat dem stetigen Aufschwung der Gemeinde Rechnung getragen hat.

Die Belege für eine Siedlung reichen bis in das späte 11. Jahrhundert zurück. „Tierdorf“ hieß es 1085, im 14. Jahrhundert wird daraus „Dierdorf“. Der heutige Name taucht wohl erstmals 1811 auf.

Basis des Namens ist natürlich der Begriff Dorf, der allerdings im althochdeutschen Sprachgebrauch zunächst noch keine Ansammlung von Häusern bedeutete, sondern vielmehr nur Landgut, Hof. Einig sind sich die Experten, dass der erste Teil des Namens Diedorf auf eine Person hinweist. Auch hier geht’s allerdings um das richtige Geschlecht.

Professor Pötzl hat eine andere Mutmaßung

Der ehemalige Kreisheimatpfleger Professor Walter Pötzl mutmaßt einen Mann mit Namen „Deor“ oder auch „Theor“. Der Ortsnamenforscher v. Reitzenstein dagegen hält ein weibliches Wesen namens „Tiera“ für wahrscheinlich.

Die beiden Wappen des Ortes sind in den Augsburger Hochstiftsfarben rot und silber gehalten. Während auf dem Wappen von 1958 ausschließlich ein Rad mit Messern (Attribut der Hl. Katharina) dargestellt ist, hat ziert das Wappen von 1979 zusätzlich eine Rose (Wappenfigur der Wellenburger Kämmerer); zusätzlich sind Wellen angeordnet, was sich auf die Schmutter und ihre Nebenbäche bezieht.

Heute ist die Marktgemeinde Diedorf mit den eingemeindeten Orten Anhauen, Bitburg und Willis hausen ein beliebtes Wohngebiet im Ballungsraum Augsburg. Bemerkenswert und über die Ortsgrenzen hinaus bekannt sind die Sternwarte und das Planetarium der astronomischen Vereinigung Augsburg – ein Zusammenschluss von Amateurastronomen.

Besucher sind jeden Freitag ab 20 Uhr zu einem Blick ins Universum willkommen.

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