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Islam

14.03.2019

Was bedeutet ein Stück Stoff?

Ein Dokumentarfilm über das Kopftuch löst beim internationalen Frauen-Frühstück in Langweid eine Debatte aus

Ist ein Stück Stoff das Signal kultureller Abgrenzung oder einfach nur Ausdruck friedlicher, religiöser Überzeugung? Das Kopftuch muslimischer Frauen rückte bei der Diskussion zum Dokumentarfilm „Zwischen Welten“ beim internationalen Frühstück für Frauen in Langweid schnell in den Fokus. Die Moderation übernahm Gabriele Theiler, Bildungskoordinatorin im Landkreis Donau-Ries.

Im Film erzählen sieben Frauen, deren Familien aus Afghanistan, dem Iran, aus der Türkei, Benin und Tunesien stammen, aus ihrem Leben. Sie berichten von Rollenbildern, Konflikten in den Familien und dass es nicht einfach sei, sich zugehörig zu fühlen im neuen Land. Dass das „Ankommen“ in Deutschland für viele der im Film Porträtierten schwierig war, überraschte die in Langweid lebenden Frauen. „Bei uns gibt es nicht so viele Probleme“, winkte eine junge Frau mit türkischen Wurzeln ab.

Auch eine Gruppe syrischer Frauen sah den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung eher problemlos. Für sie ist die fehlende Anerkennung von Ausbildung oder Studium der wirklich ärgerliche Teil der deutschen Bürokratie. Und dann natürlich die manchmal schiefen Blicke wegen der Kopftücher, deren Sinn auch einigen der deutschen Frauen beim Frühstück nicht klar war.

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„Ich trage das Kopftuch als Ausdruck meines Glaubens.“ „Es tragen doch auch deutsche Frauen Kopftücher.“ „Warum wird es akzeptiert, dass Nonnen sich mit dem Schleier verhüllen, aber nicht, wenn wir das tun?“ Die verhüllten Frauen hielten mit ihrem Unverständnis über die Meinung, dass Frauen mit Kopftüchern sich nicht anpassen und die deutsche Kultur ablehnen würden, nicht hinter dem Berg.

„Das hat doch nichts mit Kultur zu tun, das ist einfach nur ein Ausdruck, dass ich nach dem Koran lebe“, rief eine der Frauen und erzählte ihre Geschichte. Sie wurde in Deutschland geboren, ist in Langweid aufgewachsen und trug die meiste Zeit ihres Lebens kein Kopftuch. „Aber jetzt möchte ich das, und es hat rein gar nichts damit zu tun, dass ich nicht Teil dieser Gesellschaft sein möchte oder dass mich jemand dazu zwingt“, verteidigte sie ihre Entscheidung.

Alle Menschen sollen ihre Bräuche leben dürfen, dabei waren die Frauen mit und ohne Kopftuch einer Meinung. Dazu gehöre auch, dass beispielsweise der traditionelle christliche Umzug am Fest des heiligen Martin auch so heißen dürfe und vor lauter politischer Korrektheit nicht plötzlich zum Lampionfest umbenannt wird, so eine Besucherin des Frühstücks.

In Langweid kommen Frauen verschiedenster Herkunft seit 2011 einmal im Monat zum gemeinsamen internationalen Frühstück. Im Pfarrheim treffen sich Krapfen und Baklava, aber auch unterschiedliche Auffassungen von Kultur und Integration. Zum Thema Kopftuch werde man auf jeden Fall weiter miteinander sprechen, kündigte Anna Zenker von der Kinder- und Familienhilfe Langweid an. Sie unterstützt die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Manuela Schnierle, bei den vielfältigen Aufgaben und Projekten in der Gemeinde mit dem landkreisweit höchsten Anteil an Migranten in der Gesamtbevölkerung.

Die Kinder- und Familienhilfe hat ihr Büro in der Schubertstraße 13 in Langweid. Erreichbar sind Manuela Schnierle und Anna Zenker unter den Telefonnummern 08230/690419 und 0160/97210479 oder per E-Mail unter der Adresse info@familienhilfe-langweid.de.

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