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Landkreis Augsburg

27.08.2018

Was die Jüngsten in der Kita wirklich brauchen

Der Freistaat Bayern muss mehr Geld in frühkindliche Bildung investieren. Das fordern drei Fachleute aus dem Amt für Jugend und Familie im Landratsamt Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Fachleute beim Amt für Jugend und Familie im Landratsamt Augsburg sind überzeugt: Der Freistaat muss mehr Geld in frühkindliche Bildung investieren.

Für die Kinderbetreuung im Augsburger Land soll der Freistaat Bayern mehr Geld ausgeben. Das fordern Hannes Neumeier, der stellvertretender Leiter des Amtes für Jugend und Familie im Landratsamt Augsburg, und seine Kolleginnen Petra Hetzner und Angelika Steinbrecher, die Kindertagesstätten im Landkreis Augsburg beraten.

Welcher Bereich muss gestärkt werden?

Hannes Neumeier: Wichtig für uns ist die Kindertagesbetreuung von der Krippe bis zum Schuleintritt.

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Was muss sich dringend ändern?

Angelika Steinbrecher: Die Träger müssen vom Freistaat mehr Geld erhalten, um neues Personal einzustellen und die Erzieherinnen und die Leitung zu entlasten. Wir finden, das Budget ist derzeit zu gering angesetzt, um die Ansprüche der frühkindlichen Bildung angemessen umzusetzen.

Was muss sich noch verbessern?

Neumeier: Das Thema Migration spielt bei uns eine wichtige Rolle. Damit sind aber nicht Flüchtlinge gemeint, die machen lediglich gut ein Prozent aus. Es geht um Migration insgesamt, dazu zählt zum Beispiel auch die Binnenwanderung innerhalb Europas, Einwandererfamilien aus Ost- und Südosteuropa. Wir müssen für die Betreuung dieser Kinder eine angepasste finanzielle Basis schaffen.

 Steinbrecher: In Langweid haben wir zum Beispiel eine Einrichtung mit 48 Nationen bei 190 Kindern. Die Anforderungen ans Personal steigen gerade hier enorm. Wenn man von gelingender Integration sprechen möchte, deshalb braucht man deshalb einfach mehr Geld.

Petra Hetzner: Die Erzieherinnen müssen viel mehr auf die Sprach- und die Familienkulturen eingehen. Die Herausforderungen für die Kolleginnen sind riesig. Bisher spiegelt die finanzielle Unterstützung des Freistaats diese Anforderungen nicht wider, um den Kindern gerecht zu werden.

Wo hapert es noch?

Neumeier: Der Freistaat muss überdenken, wie er den Bau von Kindertagesstätten in Zukunft fördern wird. Dies tut er bereits, es muss aber noch mehr passieren.

Steinbrecher: Die alten Förderungen stammen noch aus den 70er-Jahren und sind seitdem nicht angepasst worden. Diese Pläne entsprechen schon lange nicht mehr den pädagogischen Bildungsstandards von heute. Vom Freistaat finanziert wird derzeit nur ein Mindestmaß an Räumlichkeiten. Wenn die Kommune der Träger der Einrichtung weitere Räume für die Kinder möchte, muss er dies mit Eigenmitteln finanzieren.

Hetzner: Und der Freistaat übernimmt lediglich einen Anteil, keine 100 Prozent.

Neumeier: Es geht dabei nicht nur um die Kinder. Auch die Arbeitsqualität für die Erzieherinnen muss sich verbessern. Sie brauchen zum Beispiel Rückzugsräume fürs Personal, ähnlich wie ein Lehrerzimmer. Der Arbeitsschutz wird immer wichtiger.

Außerdem?

Steinbrecher: Die Kitas müssen besser an die Bedürfnisse der Kleinen angepasst werden. Es gibt immer einen Gruppen- und einen Schlafraum, aber keinen Bewegungsraum wie eine Turnhalle. Das funktioniert bei einer Betreuungszeit bis zu zehn Stunden aber nicht. Auch ohne Speiseraum geht es nicht mehr. Der Freistaat muss aber auch solche Räume fördern. Dafür setzen wir uns ein.

Wie bringen Sie diese Vorschläge zum Gesetzgeber?

Neumeier: Als Landkreis läuft das in der Regel über den bayerischen Landkreistag in gesetzgeberische Initiativen ein. Der ist für uns wie ein Lobbyist.

Wie wird man den Ansprüchen der Kinder gerecht?

Hetzner: Man muss immer die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Entwicklungspsychologie und Bindung umsetzen. Wir müssen wissen: Was brauchen diese jüngsten Kinder, wie muss die Beziehung zwischen Eltern, Kindern und Erzieherinnen sein.

Neumeier: Wir müssen deutlich ran an die Qualität der Betreuung. Wenn Kinder zehn Stunden permanent in der Gruppe sind, ohne Rückzugsmöglichkeiten, häufige Wechsel der Bezugspersonen, ist das für sie ein extremer Stressfaktor. Berufstätige Eltern müssen damit umgehen können. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte.

Gibt es dieses pädagogische Fachpersonal überhaupt?

Steinbrecher: Nicht mehr ausreichend. Es braucht eine große Fachkräfteoffensive, um qualifiziertes Personal auszubilden, zu gewinnen und zu halten. Das ist die größte Herausforderung der nächsten Jahre.

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