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Dinkelscherben-Anried

14.12.2017

Was ein Brasilianer in Schwaben erlebt

Vitor Amorim aus Brasilien ist zu Gast bei Wolfgang und Heike Kraus aus Anried.
Bild: Laura Gastl

Der 17-jährige Brasilianer Vitor Amorim ist für ein Schuljahr in Anried zu Hause. Dort liebt er die „Loibla“ und ist fasziniert vom Schnee – auch wenn er manchmal ziemlich friert.

Vom brasilianischen Belo Horizonte ins schwäbische Anried – von der 2,5-Millionen-Stadt in ein kleines Dorf mit ungefähr 350 Einwohnern. Diesen Sprung und einen zwölfstündigen Flug wagte Vitor Amorim für sein Austauschjahr: Bis Ende Juli 2018 wird er noch in Deutschland sein.

Seit dreieinhalb Wochen wohnt der 17-Jährige nun bei Familie Kraus. Dort hat er sein eigenes Zimmer mit Bad, genießt das Essen und vor allem die „Loibla“ – sein erstes schwäbisches Wort. Wenn es schneit, ist das für Vitor sehr komisch, er kann es gar nicht glauben, erzählt er. Denn Schnee ist etwas, das er bisher nur aus Filmen kannte. „Zu Hause ist es bei 15 Grad schon sehr kalt“, erzählt er in nahezu akzentfreiem Deutsch. In Schwaben hingegen packt sich Vitor schon mal warm ein – mit jeweils zwei Mützen, Pullis und Hosen, um auf den Weihnachtsmarkt zu gehen: „Ich finde das schön, wie man sich dort trifft und zusammen Glühwein trinkt.“

Bevor Vitor nach Anried kam, war er bereits bei einer Gastfamilie in Sachsen. Doch dort gab es Schwierigkeiten an der Schule. „Die Leute mögen keine Ausländer“, sagt Vitor. „Aber als ich dann hierher kam, war es wie in einem anderen Land.“ Jetzt besucht der 17-Jährige die elfte Klasse des Diedorfer Schmuttertal-Gymnasiums. Hier wird er von seinen Mitschülern ganz offen aufgenommen. Vitor findet das „cool“, er war sogar schon auf einer Party und wird bald mit seinem „Kumpel“ ins Kino nach Augsburg gehen, um Stars Wars anzuschauen.

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Mit der Verständigung klappt es schon sehr gut: 2015 hat Vitor mit Deutschunterricht angefangen. „Er spricht mitunter am besten Deutsch von allen Austauschschülern, die wir bisher hatten“, erzählt die Gastmutter. Heike Kraus hat gerne viele Menschen im Haus: 2002 nahm die Familie die erste Austauschschülerin aus den USA auf. Seitdem waren bereits sechs Langzeitgäste da, zwischendurch gab es kürzere Besuche von ein paar Wochen. Die Gäste kamen auch schon aus Ecuador, Kolumbien und Italien, jeweils eingefädelt von derselben Austauschorganisation, dem Verein Experiment.

Vitor findet seine Gastfamilie „saugeil“, sagt er. Dennoch hat auch er Heimweh – mal mehr, mal weniger. „Aber ich bin 17 Jahre alt und im Vergleich dazu ist ein Jahr weg von zu Hause keine lange Zeit.“ Zwischen Schule, Sport, Gitarre spielen und Ausflügen hat er auch kaum Zeit, großartig ins Grübeln zu geraten: „Wir waren beim Baden in Neu-Ulm, dort habe ich einen Schneeengel in Badehose gemacht. Das war schlimm!“ Außerdem sei es heute nicht mehr schwierig, mit dem Smartphone Kontakt zu Heimat und Familie zu halten.

Neben den Plätzchen schätzt Vitor in Deutschland die Pünktlichkeit und den Respekt der Menschen. „Man kann frei auf die Straßen gehen mit Geld und Handy, ohne sich Sorgen machen zu müssen.“ Zu Hause in Belo Horizonte sei die Kriminalität in manchen Stadtvierteln ein großes Problem. Vitor geht dort oft mit zwei Smartphones aus dem Haus, erzählt er: „Eins für mich, eins für die Diebe.“ Er grinst verschmitzt.

Der 17-Jährige würde es jederzeit weiterempfehlen, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Es gehe darum, dass Menschen aus aller Welt voneinander lernen und Erfahrungen sammeln.

Doch es brauche natürlich auch Mut. Er findet: „Meine Zeit hier in Deutschland ist eine der schönsten Erfahrungen, die ich bis jetzt im Leben gemacht habe.“

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