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10.04.2019

Was haben wir in der Schule fürs Leben gelernt?

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Ist Schönschschrift für das spätere Leben wichtig? Wer im Museum arbeitet, ist sicherlich froh, wenn er Sütterlin beherrscht.
Bild: Bärbel Schoen (Archiv)

Plus Mit einem neuen Fach sollen Schüler fit für den Alltag werden. Promis aus dem Augsburger Land erinnern sich, was ihnen früher wirklich etwas gebracht hat.

Sie können Gedichte analysieren und Sinuskurven berechnen, aber wenn es um den ersten Mietvertrag geht, sind Schüler ratlos. Ein neues Unterrichtsfach soll das ändern und Schüler besser auf den Alltag vorbereiten. Aber haben wir in der Schule wirklich nichts fürs Leben gelernt?

Von wegen. Eine wackelige Steckdose festschrauben oder eine Lampenfassung ans Kabel anschließen – für Beate Spiegel ist das kein Problem. Sie hat im Physikunterricht aufgepasst und gelernt, wie es geht. 1977 machte sie Abitur an einem Gymnasium in Hessen, heute leitet sie das Museum Oberschönenfeld. „Ich habe einige lebenswichtige Dinge im Unterricht gelernt“, sagt sie. So wusste Spiegel, wie ein Ottomotor funktioniert, bevor sie selbst im Auto saß und kann bis heute den Unterschied zum Wankelmotor erklären.

Fürs Stricken hat es allerdings nicht gereicht

Dank Handarbeitsunterricht weiß sie eine Nähmaschine zu bedienen. „Fürs Stricken hat es allerdings nicht gereicht“, erinnert sich Spiegel. Statt Französisch wählte sie Kochen als Unterrichtsfach. Aber das habe ihr rückblickend nicht viel gebracht. Dass sie in der Grundschule Sütterlin lernte, kommt ihr als Museumsleiterin heute noch zu Gute.

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Für Anton Rittel war die Schulzeit weniger lehrreich. „Ich habe zu Hause auf dem Hof oder beim Baumhaus bauen mit Freunden mehr für den praktischen Alltag gelernt“, sagt der Hufschmied aus Adelsried. Ums Bewerbungsschreiben kam er herum. „Das ging damals noch mündlich“, sagt Rittel. Im Englischunterricht hätte er etwas fürs Leben lernen können, war Rittel als Hufschmied doch auf der ganzen Welt unterwegs. „Leider habe ich gedacht, das brauche ich nicht“, erinnert sich Rittel. Entsprechend schlecht seien die Noten ausgefallen. Bis heute habe er sich mit wenigen Brocken Englisch durchgeschlagen.

Alltagstaugliches Wissen rund um Gesundheit und Ernährung gesammelt

Auch Jörg Faßnacht, Konrektor der Grund- und Mittelschule Fischach und Kreisvorsitzender des Lehrerverbandes, kann sich kaum an Alltagswissen im Unterricht erinnern. „Das war rudimentär, Themen wie Bankverkehr oder Berufsorientierung wurden klein geschrieben“, sagt Faßnacht, der vor über 30 Jahren Abitur am Gymnasium Neusäß machte. Lediglich seine Wahl für den Sport-Leistungskurs zahlte sich aus. „Da habe ich viel alltagstaugliches Wissen rund um Gesundheit und Ernährung gesammelt“, sagt Faßnacht. Er würde ein Zusatzfach, bei dem Schüler über den theoretischen Tellerrand hinausblicken, befürworten. Vorausgesetzt, es erlaube Schulen eine flexible Gestaltung. Denn alltagsrelevante Themen änderten sich je nach Lebensphase. „Der Schulunterricht kann nicht alle Themen abbilden und wir müssen unsere Schüler nicht zu Hobbyhandwerkern ausbilden, aber ein paar praktische Dinge können nicht schaden.“

Das weiß auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz. Er erinnert sich noch gut daran, wie er als Grundschüler zum ersten Mal eine Säge in der Hand hielt. Später am Gymnasium Sankt Ottilien lernte er Schnitzen und Töpfern. Im Sozialkundeunterricht schrieb er seine erste Bewerbung und lernte, einen Überweisungsträger richtig auszufüllen. Auch das Thema Artenvielfalt bekam er anschaulich vermittelt. Denn sein damaliger Biologielehrer war ein echter Bienenliebhaber.

Die Natur spielte eine wichtige Rolle

„Am Fenster hing ein Bienenstock und wir konnten die Bienen vom Biosaal aus beobachten“, erinnert sich Durz. Schon in der Grundschule in Täfertingen spielte das Thema Natur eine wichtige Rolle. „Einmal zogen Störche vorbei. Die Lehrerin hat das aufgegriffen und uns etwas über die Vögel erzählt“, sagt Durz. Alltagsrelevante Themen würden einem ständigen Wandel unterliegen. Vieles sei bereits in bestehenden Fächern vermittelbar. Es müsse nur der Bezug zur Praxis geschaffen werden.

„Was mich in der Grundschule am allermeisten geärgert hat und ich nie mehr brauchte, war Schönschrift“, sagt Riegele-Seniorchef Sebastian Priller. „Wir mussten immer fünf bis zehn Kopfrechnen-Aufgaben lösen, bevor wir in die Pause durften“, so der Brauereichef. „So war ich schon in der vierten Klasse perfekt im zweistelligen Einmaleins, was mir bei meiner Arbeit als Unternehmer tatsächlich immer wieder genützt hat.“

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: So nützlich ist das Schulwissen

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