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Landkreis Augsburg

27.11.2019

Was läuft schief beim Nahverkehr im Augsburger Land?

Die Tariffreform des Augsburger Verkehrsverbundes – hier ein Regionalbus beim Landratsamt – ist besser als ihr Ruf.
Foto: Anette Luckner

Plus Bei Bus&Bahn gibt es viele Baustellen. Nicht einmal über eine Neuerung, die für die Bürger kostenlos ist, können sich alles so richtig freuen

Es waren eigentlich nur zwei Routine-Abstimmungen ohne großen Beratungsbedarf und ohne direkte Auswirkungen auf das Leben der Bürger im Landkreis. Normalerweise eine Sache von zwei, drei Minuten. Kurzer Sachvortrag, Abstimmung, Hände hoch, fertig. Doch diesmal kam es anders. Die Unzufriedenheit über den Ist-Zustand im öffentlichen Nahverkehr brach sich Bahn bei den Mitgliedern des Kreistages bei deren Sitzung am Montag.

Vieles ist dabei mit der umstrittenen Tarifreform im Verkehrsverbund AVV verknüpft, die nächstes Jahr auf den Prüfstand kommt und jetzt schon aufgeweicht wird. Das Werk sei besser als sein Ruf, verteidigte es Joachim Schoner (Grüne). Eine 28-prozentige Zunahme im Bereich der Verkehrsabos beweise das auch. Mit der Preisreform habe man gerade „viel fürs Land getan“. Aber noch nicht genug, meinten Bernhard Walter (SPD, Altenmünster) und Robert Steppich (Freie Wähler, Zusmarshausen). Wobei es ihnen weniger um die Fahrpreise geht als das Busangebot.

Flexibus scheitert bislang an rechtlichen Fragen

Walter machte sich für eine Übernahme des Rufbussystems Flexibus aus dem Landkreis Günzburg stark. Dort fährt der Bus den ganzen Tag über auf telefonische Anforderung und ergänzt so das Liniennetz. Im Landkreis Augsburg war eine Übernahme des Modells bislang an rechtliche Bedenken der Regierung von Schaben gescheitert. Kernproblem: Für den Betrieb jeder Buslinie braucht es eine Lizenz und sie darf den bisherigen nicht ins Gehege kommen. „Das wird nicht so einfach,“ warnte Walter Michale, im Landratsamt zuständig für Rechtsangelegenheiten und den Nahverkehr. „Wir haken nach“, versprach Landrat Martin Sailer (CSU) dennoch.

Wie der Verkehr im Augsburger Land in Zukunft am besten läuft, dafür will sich der Landkreis von einem Fachbüro ein Verkehrskonzept maßschneidern lassen. Bei bloßen Gedankenspielen dürfe es aber nicht bleiben, sagte Lorenz Müller (CSU). „Wir brauchen schnell konkrete Projekte.“ An denen müsse man sich dann messen lassen, sagte Annette Luckner (SPD) und wies darauf hin, dass einzelne Gemeinden überfordert sein könnten und Unterstützung benötigten. Für Silvia Daßler (Grüne) ist deshalb klar, „wir müssen auch bereit sein, mehr Geld in die Hand zu nehmen.“ Im kommenden Jahr soll der Kreis laut Wirtschaftsplan rund neun Millionen Euro bezahlen, um das Defizit des Verkehrsverbundes – insgesamt rund 20 Millionen – aufzufangen

Nicht in dieser Rechnung enthalten sind die knapp 900 000 Euro im Jahr, die der kostenfreie Nahverkehr im Kern der Augsurger Innestadt ausmachen soll. Diese City-Zone bezahlt die Stadt Augsburg allein. Dennoch gab es aus den Reihen der Landkreispolitiker teils harsche Kritik. Von „Etikettenschwindel“ und „Wahlgeschenken“ sprach Fabian Mehring, Freie Wähler. Die Stadt schere damit frühzeitig aus dem gemeinsam beschlossenen Nahverkehrstarif aus, den allerdings auch Mehring selbst für verbesserungswürdig hält.

Kritik und Verständnis für die Augsburger City-Zone

„Einzelaktionen“ wie die kostengreie City-Zone, das Gersthofer 360-Euro-Ticket oder der Augsburger Schülertarif verursachten Probleme im System, warnte Michael Higl (CSU), weil sie zu unterschiedlichen Preisen führen. „Der Bürger versteht die Welt nicht mehr, weil überall etwas anderes gelten könnte.“ „Überall wird rumgepfriemelt“ beschwerte sich auch Gabi Olbrich-Krakowitzer (ÖDP), während Harald Güller (SPD) „höchstes Verständnis“ für das Augsburger Vorgehen äußerte. Er sagte mit Blick auf die Tarifreform: „Es war an bestimmten Stellen einfach nicht richtig. was man beschlossen hat.“

Das letzte Wort in der Debatte hatte dann Landkreischef Sailer: „Mehr Geld im System schadet nie.“ Dem wollte dann niemand wiedersprechen und am Ende war es dann wie fast immer bei Routine–Abstimmungen: Hände hoch, fertig. Fürs Protokoll: Es gab einstimmige Zustimmung für die Grundlage des Mobilitätskonzeptes und die Augsburger City-Zone.

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