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Altenmünster

02.09.2019

Was wird aus dem alten Brauereigelände in Altenmünster?

Die Dorfmitte in Altenmünster soll neu gestaltet werden. Hier soll es Platz für Ärzte und Geschäfte geben. Das kommt nicht bei jedem gut an. 
Bild: Andreas Lode

Plus Die Pläne für ein Gebäude mitten in Altenmünster werden heftig diskutiert. Unter anderem soll ein großes Ärztehaus entstehen. Das gefällt nicht jedem.

In Altenmünster wird die Ortsmitte umgestaltet. Auf dem Platz vor der Pfarrkirche soll ein neues Gebäude entsteht mit einem Ärzte-, Wohn- und Geschäftskomplex die „vitale Ortsmitte“. Die Pläne dazu sind nicht neu, schon 2012 wurden erste Architekturvorschläge gesammelt. Ende Juli stellte der Gemeinderat dann die konkreten Pläne vor. Die Grünen fühlen sich übergangen und sagen: Die Bürger wurden bei der Planung ausgeschlossen. Stimmt nicht, sagt hingegen Altenmünsters Bürgermeister Bernhard Walter.

In einem Bebauungsplan sind die Art und Maß der Bebauung geregelt, es geht also um das Baurecht für die Ortsmitte. Der Plan sieht Folgendes vor: Auf einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern soll ein Gebäudekomplex entstehen. Hintergrund ist, in dem Gebäude eine Gesundheitsvorsorge zu etablieren. Ärzte und Physiotherapien sollen sich in Altenmünster ansiedeln, um dem Ärztemangel in der Gemeinde zu begegnen. Hinzu kommen Geschäfte inklusive eines Cafés. Ebenso könnte das Hotel im Bräustüble sich in dem Haus erweitern. Zwei Gebäudeteile mit drei Stockwerken und einem ausgebauten Dachgeschoss sind geplant. Für das Ärztehaus sollen außerdem viele Parkplätze gebaut werden. Eine Tiefgarage ist denkbar.

2004 wurde die alte Brauerei abgerissen

Das ist der aktuelle Stand, die Geschichte der Ortsgestaltung führt aber weiter zurück: Zu Beginn der 1990er-Jahre stand auf der heute frei stehenden Grünfläche vor der Pfarrkirche die ehemalige Brauerei. Sie wurde 2004 abgerissen, das Gelände ging im gleichen Jahr in den Besitz der Gemeinde über. 2012 folgte – im Zuge der Städtebauförderung – ein Ideenwettbewerb, um die Ortsmitte neu zu gestalten. Vor vier Jahren kaufte die Gemeinde zudem die Eckhäuser an der Eppishofer Straße und Kirchenweg. Die Suche nach einem geeigneten Investor für das Zehn-Millionen-Projekt verlangsamte das Vorhaben. Dieser ist nun gefunden, auch ausreichend ärztliche Zulassungen für Hausärzte hat die Gemeinde inzwischen. Bis 6. September liegt der Plan öffentlich aus. So lange haben Bürger die Möglichkeit, diesem zu widersprechen.

Was wird aus dem alten Brauereigelände in Altenmünster?

Ab Mai gibt es einen neuen Bürgermeister in Altenmünster

Ein Kritiker im Ort ist Josef Heinle. Er ist Teil der Ortsgruppe der Grünen, die sich im Oktober in Altenmünster gründen und fühlt sich bei der Entscheidungsfindung, wie die neue Ortsmitte aussehen soll, übergangen. Besonders die Tiefgarage und die Höhe des geplanten Gebäudes sind ihm ein Dorn im Auge – das passe nicht ins Ortsbild der 4000-Einwohner-Gemeinde. In einem Schreiben wendet er sich an die Bürger und den Bürgermeister in Altenmünster. Er stört sich zudem an „der großen Eile“, mit der das Projekt vorangetrieben werde. Er fordert, die Entscheidung ins nächste Jahr zu tragen, wenn der neue Gemeinderat bei den Kommunalwahlen im Mai 2020 gewählt wird. Heinle sagt: „Der neue Bürgermeister und der neue Gemeinderat sollen auch das verantworten müssen, was sie verabschiedet haben.“ Ab Mai wird im Rathaus ein neuer Bürgermeister sitzen. Bernhard Walter tritt nach rund 17 Jahren im Amt nicht mehr an. Zum nahenden Ende stellt er aber klar: „Die Pläne sind jahrelang transparent mit den Bürgern besprochen worden.“ Er widerspricht vehement der Ansicht Heinles und vermutet hinter seiner Offensive vielmehr Wahlkampftaktik. Die Ortsgruppe der Grünen stellen für die anstehenden Kommunalwahlen eine Liste für den Gemeinderat Altenmünster auf.

Braucht es eine große Tiefgarage in Altenmünster?

Auch die Kritik an der Tiefgarage möchte der Bürgermeister nicht unkommentiert lassen. Er sagt: „Zu dem Bau einer Tiefgarage durch die Gemeinde wird es nur kommen, wenn eine entsprechende staatliche Förderung dahintersteht.“ Der Bebauungsplan lässt zwei Möglichkeiten zu: ein Bau entweder mit oder ohne Tiefgarage. Im letzteren Fall gebe es allerdings keine staatlichen Fördermittel.

Ebenso widerspricht Walter Heinles Behauptung, den Bebauungsplan „durchpeitschen“ zu wollen. Grund für das Zeitfenster so knapp vor Ende seiner Amtsperiode seien die hausärztlichen Zulassungen. Interessenten für ein Gesundheitszentrum im Ort gebe es, sagt Walter. Aber: „Wenn die Zulassungen weg sind und das Bedarfsplanungsgebiet Dinkelscherben überversorgt ist, gibt es halt keine Chance mehr.“ Der ansässige und einzige Hausarzt im Ort ist bereits 66 Jahre alt. Sein Nachfolger würde laut Bürgermeister Walter die Praxis nur mit einem Partner weiterführen.

Auch die Kritik an der Größe des geplanten Gebäudes kann Walter so gar nicht nachvollziehen: „Die Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen. In der Ortsmitte muss ein stattliches Gebäude stehen“, aber das werde natürlich nicht dominanter als die Kirche. Die Firsthöhe des Gebäudes werde 18 Meter nicht überschreiten.

Einen konkreten Termin für den Gemeinderatsbeschluss gibt es noch nicht. Dazu müsse der Plan erst beschlussreif sein, sagt der Bürgermeister.

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03.09.2019

Ich verstehe den Aktionismus der neugegründeten Grünen nicht. Seit 2004 ist der Platz frei. Wollen wir ein Gersthofer Loch? Jeder sieht die hausärztliche Versorgung im ländlichen Bereich gefährdet. Es gibt auch keine „Einzelkämpfer“ unter der Ärzteschaft mehr, die alleine eine Praxis stemmen, Stichwort work-life-balance. Zudem werden von der Politik und der KV nur noch Versorgungszentren gewünscht. Wo soll das in Altenmünster sonst realisiert werden? Durch die Neueinteilung der Zulassungbezirke haben wir die einmalige Chance, dass sich mehr Hausärzte und evtl. Fachärzte und Therapeuten niederlassen können. Die Tiefgarage wird den Flächenverbrauch reduzieren, es soll auch ein Grünbereich erstellt werden. Das sollte doch sicher ein Anliegen der Grünen sein! Ein Café oder ähnliches ist sicher nicht verkehrt in einer Gemeinde wie Altenmünster. Ich finde es persönlich positiv, dass wir einen rührigen Bürgermeister und Gemeinderat haben.
Andrea Beier
Zusamzell

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