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Ehingen

21.08.2020

Welche Geheimnisse gibt die Ehinger Kirchturmkugel preis?

Blick auf die Kirchturmkugel vor dem Abmontieren durch die Spengler. Schon zeitnah wird die renovierte Kugel mit neuem Inhalt an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren.
Bild: Monika Matzner

Plus Im Zuge der Renovierung der Frauenkirche in Ehingen wird auch die Kugel an der Spitze restauriert. Ein Teil des Inhalts kann nicht gerettet werden.

Historische Schätze befinden sich meist in Museen, Tresoren und Archiven – oder auch in der Kugel einer Kirchturmspitze. Im Rahmen der Renovierungsarbeiten an der Frauenkirche wurde nun ein solcher Schatz geborgen und von Pfarrer Norman D’Souza und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung in Augenschein genommen.

Nachdem Kreuz und Kugel von den Spenglern abmontiert worden waren, verfolgte man mit Spannung das Öffnen der Kugel durch den Architekten. Die Nähte waren bereits aufgeplatzt, der Innenraum der Kugel folglich verdreckt.

Darin befand sich ein vermodertes Bündel, vermutlich Geldscheine. Sehr vorsichtig wurden Schicht für Schicht der Papier- bzw. Stoffumhüllung entfernt, der Inhalt zerbröselte regelrecht zwischen den Fingern.

Pfarrer Norman D’Souza und Kirchenpflegerin Centa Kratzer begutachten den Inhalt der Kirchturm-Kugel. Was der Verfasser des Schriftstücks der Nachwelt mitteilen wollte, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen.
Bild: Melanie Liepert

Es war auch ein Schriftstück beigelegt mit dem Verweis „Deutschland aus dem Jahre 1923“. Was der Verfasser seiner Nachwelt mitteilen wollte, lässt sich leider nicht mehr entziffern.

Ehinger Kirchturmkugel offenbart Münze mit Konterfei von Bischof Siboto

Weiter lag eine bischöfliche Münze von Bischof Siboto aus Augsburg in der Kugel. Das Brakteatenstück (Münze aus dünnem Metallblech) stamme vom Münzfund des Ehinger Landwirts Johann Voglmair im Jahr 1924 beim Wurzelroden im Wald bei Blankenburg, so wird es erzählt. Die ausgegrabenen Bischofsmünzen, gelagert in einem Tonkrug, wurden damals von der Polizei beschlagnahmt, doch ein Exemplar kam in die Kirchturmkugel der Frauenkirche.

Während die geborgenen Schriftfragmente nun im Pfarrhof archiviert werden, kommt die Münze nach der Renovierung der Kugel wieder dorthin zurück.

Die Verantwortlichen der Pfarrei stellten mit Bedacht einen „neuen“ Inhalt mit aussagekräftigen Dokumenten für die Nachwelt zusammen. „Wir legen eine aktuelle Tageszeitung dazu sowie ein Erinnerungsstück von der 500-Jahr-Feier der Frauenkirche“, berichtet Kirchenpflegerin Centa Kratzer. Weiter hat Pfarrer Norman ein Schriftstück für die Nachwelt verfasst. „Es enthält geistliche Impulse und beschreibt verschiedene Anliegen der Menschheit in der heutigen Zeit, aufgeführt ist auch die Corona-Pandemie“, so Pfarrer Norman.

In der Kirchturmkugel der Frauenkirche in Ehingen war auch diese Münze.
Bild: Melanie Liepert

Er ergänzt: „Bitten und Dank an die Gottesmutter – sie möge es an ihren Sohn weitertragen.“ Komplettiert wird der Kugelinhalt noch durch den Auszug eines Gebets, das der neu ernannte Bischof Bertram Meier in der Corona-Zeit verfasste.

Kugel kehrt mit neuem Inhalt an ihren Platz zurück

Schon zeitnah werden das Kreuz und die renovierte Kugel an ihren ursprünglichen Platz – die Kirchturmspitze der Frauenkirche – zurückkehren. Die konservierten Dokumente und historischen Schätze werden dann wohl wieder jahrzehntelang in luftiger Höhe schlummern.

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