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Kriminalität in Neusäß

04.07.2020

Weniger Straftaten, mehr Unfälle: So sicher ist Neusäß

Ein schwerer Fall von Vandalismus am Spielplatz an der Mühlbachstraße in Neusäß vor wenigen Wochen.
Bild: Stadt Neusäß

Plus Die Zahl der erfassten Straftaten geht in Neusäß zurück, die Polizei zieht eine positive Bilanz. Nur Unfälle gibt es mehr und ein Bereich bleibt im Dunkeln.

Eine Aussage der Polizei sorgt dann doch für Heiterkeit im Neusässer Stadtrat: Es gibt in Neusäß kaum Einsätze in Gaststätten, Klubs oder bei sonstigen Veranstaltungen für junge Leute. „Weil es keine gibt“, höhnt es aus dem Gremium.

Aber auch sonst hatten Markus Schwarz, Dienststellenleiter der Polizei Gersthofen, und sein Stellvertreter Thomas Klingler in puncto Sicherheit nicht viel Schlimmes über Neusäß zu berichten: Die Zahl der erfassten Straftaten ging im Jahr 2019 zurück und liegt in fast allen Bereichen weit unter den Zahlen anderer Kommunen vergleichbarer Größe wie zum Beispiel Gersthofen. Dabei werden die Straftaten überwiegend von erwachsenen Männern begangen, der Anteil der Nichtdeutschen liegt wie im Landesdurchschnitt bei ca. zehn Prozent.

Die Aufklärungsquote in Neusäß ist gesunken: Liege sie sonst etwa bei 70 Prozent, so betrug sie 2019 und 2017 nur rund 58 Prozent, 2018 sogar nur bei rund 52 Prozent. Die Polizei erklärt das teilweise mit den vielen Straftaten durch Graffiti, wo ehemals jeder Schriftzug als einzelne Tat gerechnet wurde, die Täter aber nicht ermittelt werden könnten.

Weniger Straftaten, mehr Unfälle: So sicher ist Neusäß

Polizist auf AfD-Nachfrage: „Wir leben in einer der sichersten Regionen“

Wie Schwarz einleitend über den Sicherheitsbericht sagte, könne die Polizei natürlich nur die „objektive Sachlage darstellen, auch wenn das subjektive Empfinden manchmal anders sein mag“. Und Thomas Klingler sagte auf die Nachfrage von AfD-Stadträtin Margit Kießling nach dem bayernweiten Vergleich: „Wir leben in einer der sichersten Regionen.“ Das heißt, die Kriminalstatistik weist bei Weitem weniger Fälle aus als andere Städte vergleichbarer Größe.

Dennoch ist Neusäß keine Insel der Glückseligkeit: Eine gewisse Drogenproblematik gibt es hier ebenso wie anderswo. Sie konzentriere sich auf das Umfeld der Schulen, wo oft der Erstkontakt stattfindet, berichtet Klingler auf Nachfrage von Stadtrat Wolfgang Weiland ( Freie Wähler). Seit dem Tod zweier Jugendlicher in Nordendorf habe man dieses Problem bei der Polizei besonders im Blick, versichert Klingler. „An den Schulen wird schon gedealt, aber dass dort ein reger Handel stattfindet, kann man nicht sagen.“ So waren es 2019 30 Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Das entspricht etwa dem Niveau der Vorjahre.

 

Ein deutlicher Rückgang bei der Sachbeschädigung auf öffentlichen Flächen – dazu gehört auch das Beschmieren mit Graffiti – ist 2019 zu verzeichnen, wenn auch der Vandalismus am Abenteuerspielplatz vor Kurzem für Empörung sorgte. Hier hat die Polizei auch noch keine heiße Spur. Auch die Aussetzung einer noch so hohen Belohnung, wie Stadtrat Bernhard Hannemann (Freie Wähler) anregte, werde hier kaum zum Ziel führen, so Klingler.

Ein weiterer Fall aus der jüngeren Vergangenheit war im Mai ein Zwischenfall an der Skateranlage in der Oskar-von-Miller Straße, als die Beamten eine große Gruppe von randalierenden Jugendlichen kontrollierte, die dann bei ihrer panikartigen Flucht, bei der sie die Polizisten auch noch unflätig beleidigten, etliche Gegenstände wie Jacken, Rucksäcke und Fahrräder zurückließen. „Etliche kamen nach und nach auf die Wache, um ihre Sachen abzuholen“, so Klingler.

Insgesamt seien diese Delikte aber im Rahmen und 2019 gab es kaum Einsätze an einschlägigen Jugendtreffpunkten – wie erwähnt wohl deshalb, weil es in Neusäß nicht viele Hotspots für Jugendliche gibt.

Zahl der Unfälle in Neusäß hat 2019 zugenommen

Zugenommen hat 2019 die Zahl der Unfälle, die aber überwiegend Kleinstunfälle mit Blechschaden waren – allerdings entstand laut Klingler dabei in Neusäß ein Gesamtschaden von zwei Millionen Euro.

 

Auf die Frage von SPD-Stadtrat Ralph Glaß, ob es an jenen Stellen, wo die Stadt vor etwa zwei Jahren die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Tempo 30 aufgehoben hat, mehr Unfälle gab, konnte die Polizei keine Aussage treffen. Man wolle dies aber überprüfen. Man könne aber generell sagen, so Klingler, dass kein Unfallschwerpunkt in Neusäß auffällig sei. Auf Bitten von Stadtrat Stefan Sommer (Freie Wähler) solle auch noch mal die Situation in der Von-Rehlingen-Straße in einer Kurve betrachtet werden, da es hier kein Parkverbot gebe, die Sicht aber laut Sommer oftmals sehr eingeschränkt sei.

Statistik ist bei den Betrugsfällen nicht sehr aussagekräftig

Nicht sehr aussagekräftig sei die Statistik bei den (stark rückläufigen) Betrugsfällen. Denn wie Thomas Klingler erläuterte, werden viele Betrügereien im Internet nicht unter Neusäß erfasst, sondern unter „Tatort unbekannt“, auch wenn davon sicher viele Neusässer betroffen seien Der stellvertretende Dienststellenleiter schätzt, dass die Straftaten im Internet bestimmt einige hundert Fälle ausmachen.

In diesem Bereich mit Straftaten wie Vergewaltigung, exhibitionistische Handlungen, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl oder Straßenraub sank die Zahl wieder etwa auf das Niveau der Vorjahre.

Abschließend bat Dienststellenleiter Markus Schwarz um die Mithilfe der Bevölkerung: „Wir sind darauf angewiesen, dass uns Vorfälle oder Beobachtungen auch gemeldet werden.“ Man sei immer bemüht, möglichst rasch eine Streife zu schicken – notfalls auch von einer anderen Dienststelle aus, z. B. aus Pfersee. „Lieber rufen Sie einmal zu viel an, als zu wenig.“

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