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Verkehr

29.06.2019

Wenn Stau zur Gefahr wird

Stau auf der Autobahn ist immer ärgerlich. Wenn dazu aber Temperaturen von über 30 Grad kommen, kann es schnell gefährlich werden – besonders für Kinder und ältere Menschen. Bei lang anhaltenden Staus sind deshalb Helfer unterwegs.

Über 20 Kilometer staute es sich am Dienstag auf der A8 bei Odelzhausen – und das bei über 30 Grad. Was zu tun ist, wenn man bei der anhaltenden Hitze auf der Autobahn festsitzt und wie sich die Polizei vorbereitet

Stundenlang stehen sie auf der Autobahn – und das bei über 30 Grad. Am Dienstagabend herrscht auf der A8 Stillstand. Bei Odelzhausen hatte es gekracht. 20 Kilometer lang stand Auto an Auto, Laster an Laster. Am Unfall beteiligt waren zwei Lastwagen. Durch die Wucht des Aufpralls stürzte ein Laster um, der andere geriet in Brand. Verletzt wurde bei dem Unfall zum Glück niemand.

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Der Unfall wurde für viele Menschen angesichts der Hitze zur Gefahr: Sie saßen in der Staufalle fest. Zwei Frauen kollabierten bei der Hitze, eine wurde ins Krankenhaus gebracht. Ebenso wie eine schwangere Frau, die Rettungskräfte brachten sie direkt zur Entbindung in die Klinik. Mehr als 100 Helfer waren im Einsatz, um Getränke an die Menschen in den Fahrzeugen zu verteilen. Doch wie sind die Vorkehrungen für einen solchen Fall auf der A8 in unserer Region?

Josef Sitterer, Chef der Autobahnpolizei Gersthofen, weiß, was dann zu tun ist. Auch bei uns gibt es ein spezielles Konzept, das mit den Hilfsorganisationen eigentlich für die Wintermonate entwickelt wurde, aber natürlich auch für den Sommer gilt. Zuständig dafür sind auch die Landratsämter und kreisfreien Städte. Die Polizei ist in solchen Fällen auf die Organisationen und die Autobahnmeistereien angewiesen, um genug Helfer zusammenzubekommen, die dann beispielsweise Getränke bringen. Auch muss man sich um Personen kümmern, die vielleicht Probleme mit dem Kreislauf bekommen. Die Helfer sind außerdem mit Kraftstoffkanistern unterwegs. Denn die Klimaanlagen in den Autos funktionieren meist nur, wenn der Motor läuft.

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Eine fixe Temperatur oder Staudauer gibt es nicht, ab denen das Konzept greift. Das müsse im Einzelfall entschieden werden, sagt Josef Sitterer. In der Regel fahre die Polizei zunächst mit einer Streife durch den Stau. „Wenn uns auffällt, dass die Situation kritisch ist, schicken wir Hilfe“, sagt Sitterer. Wie wichtig das sein kann, zeigt ein Fall aus dem vergangenen Jahr. Damals kam es auf der A8 bei Dachau wegen eines umgefallenen Krans zu einem langen Stau – und das bei über 30 Grad. Sitterers Kollegen fanden eine Frau, die hochschwanger war. „Sie musste da schnell weg.“

Sein Kollege Werner Schedel, Chef der Günzburger Autobahnpolizei, gibt Tipps, wie man sich bei Stau im Sommer richtig verhält. Ihm sind für solche Fälle einige Dinge wichtig. Grundsätzlich gilt es im Stau, eine Rettungsgasse zu bilden. Darüber hinaus sollen die Insassen in ihren Fahrzeugen bleiben – denn auf der Autobahn spazieren zu gehen ist äußerst gefährlich, auch im Stau. Nicht nur, dass Einsatzfahrzeuge unterwegs sind. Immer wieder kommt es vor, dass Fahrer mit ihrem Wagen den Seitenstreifen benutzen, um am Stau vorbeizufahren. Wer sich dann dort die Beine vertritt – „das ist eine Katastrophe“ –, kann ganz schnell zum Unfallopfer werden. Schedel ist trotz allem bewusst, dass man nach einer gewissen Zeit seine Notdurft verrichten muss.

Wer eine längere Fahrt vor sich hat, sollte auf jeden Fall genug Getränke dabei haben, und volltanken. Denn wenn im Stau der Sprit ausgeht, ist das eher ungünstig – auch, weil dann im Winter die Heizung und im Sommer die Klimaanlage eben meist nicht mehr funktionieren. Nicht vergessen sollte man nötige Medikamente oder ein paar Windeln mehr für die Kinder. Schedel sieht mit Sorge, dass mehr und mehr Leute nicht mehr so weit denken, „es gibt mittlerweile eine gewisse Vollkaskomentalität“. Irgendwer wird einem schon helfen.

Sollte sich abzeichnen, dass ein Stau über Stunden bestehen wird, sind die Einsatzkräfte bemüht, den Verkehr frühzeitig auszuleiten. Danach werden die Fahrzeuge herausgeholt, die zwischen der Abfahrt und der Unfallstelle stehen. Die Polizei würde diese gegebenenfalls wenden lassen – unter Anleitung. Wer eigenmächtig dreht, bekommt eine Anzeige. Wie auch alle, die einfach den Seitenstreifen benutzen.

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