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Neusäß

03.10.2019

Wenn Zehntklässler aus Neusäß ein Gesetz erlassen

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Die Zehntklässler des Justus-von-Liebig-Gymnasiums in Neusäß haben einen Tag Zeit gehabt, Entscheidungsprozesse im Landtag mitzutragen. Die Abgeordneten (v.r.) der Freien Wähler (Fabian Mehring), SPD (Harald Güller) und der AfD (Markus Bayerbach) haben sich den Fragen der Schüler gestellt.
Bild: Laura Gastl

 60 Schüler aus Neusäß simulieren Entscheidungsprozesse im Landtag. Drei Abgeordnete der Freien Wähler, SPD und AfD sind vor Ort und beantworten Fragen.

Plenarsitzung am Justus-von-Liebig-Gymnasium in Neusäß: Im fiktiven Landtag sitzen die Parteien der Freien, der Sozialen, der Konservativen und der Ökologen. Aus etwa 60 Zehntklässlern werden an diesem Vormittag Politiker, die für ihre Meinung einstehen und dafür kämpfen, ihre Werte in einem Gesetz zum Thema Verbraucherschutz einzubringen.

Bei dem Planspiel „Der Landtag sind wir!“ handelt es sich um eine Simulation des Parlamentsbetriebs im Maximilianeum, wo der Bayerische Landtag seinen Sitz hat. Bei dem interaktiven Lernspiel durchlaufen die Schüler verschiedene Schritte bis hin zur Erlassung eines Gesetzes – von der Ausschussberatung über die Beschlussempfehlung bis zur Plenardebatte. All das sind trockene Begriffe, die man als Schüler am besten lernt, wenn man sie „selbst erlebt“, findet Cordula Petersson. Als Lehrerin am Neusässer Gymnasium kümmert sie sich vor Ort um das Projekt, das alle zwei Jahre vom Bayerischen Landtag angeboten und finanziert wird. Durchgeführt und betreut wird die Simulation von Mitgliedern des Centrums für Angewandte Politikforschung (CAP).

So sehen es die Neusässer Schüler

Doch wie kommt das Planspiel eigentlich bei den Zehntklässlern selbst an? „Ich finde es wirklich interessant, mal zu sehen, wie das so funktioniert“, meint ein Schüler. Ein anderer ergänzt: „Es macht Spaß, diskutieren und die eigene Meinung sagen zu können.“ Jene Zehntklässler, die bei der Simulation den kleineren Parteien angehören, stellen am Ende der Aktion fest: „Man fühlt sich machtlos, obwohl man die besseren Argumente hat. Keiner will einem zuhören.“

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Nachdem die Jugendlichen ihr fiktives Gesetz erlassen haben, das mehr Lebensmittelkontrolleure und unangekündigte Kontrollen in einigen Betrieben verspricht, wird es noch einmal spannend: In der kleinen Aula des Gymnasiums beantworten echte Mitglieder aus dem Landtag die Fragen der Schüler, darunter Fabian Mehring (Freie Wähler), Harald Güller (SPD) und Markus Bayerbach (AfD).

So sehen es die Abgeordneten

Liebe Abgeordnete, wird man auf der Straße eigentlich oft erkannt und dann vielleicht sogar beleidigt? Wenn Fabian Mehring essen gehen möchte, überlegt er sich zweimal, ob er das bei sich zu Hause in Meitingen tut, wo er auch im Gemeinderat sitzt. Ansonsten sei der Bekanntheitsgrad gut aushaltbar und regional begrenzt. „Im Kroatienurlaub zum Beispiel erkennt mich keiner“, lacht der 30-Jährige. Zum Thema Beleidigungen meint er klar: „Wer Hitze nicht verträgt, darf nicht in der Küche arbeiten.“ Doch alles müsse man sich auch nicht gefallen lassen. Ähnlich sieht das Harald Güller, der gerade für seinen „Kampf gegen rechts“ stehe und mit Anhängern der AfD aneinandergerate: „Da gibt es für mich verbale Grenzen.“ Auch AfD-Abgeordneter Bayerbach hat das Gefühl, immer irgendwie unter Beobachtung zu stehen, und kritisiert: „Mein Sohn ist schon oft wegen meiner politischen Einstellung angegangen worden. Das finde ich nicht fair.“

Was stört Sie am Landtag? Markus Bayerbach sitzt erst seit 2018 im Maximilianeum und findet das Ganze noch immer „saumäßig spannend“. Viele Dinge seien anders, als er es sich vorgestellt hatte – man brauche viel Geduld bei so manchen „zähen und ermüdenden“ Prozessen. SPD-Politiker Güller stört derweil in dieser Legislaturperiode eine andere Sache ganz enorm: „Die Tonlage ist härter geworden.“ Unverblümt bezieht er sich dabei auf die AfD, und auch Fabian Mehring kritisiert die teils „widerliche und abstoßende“ Wortwahl so mancher Parteimitglieder. Die Schüler im Publikum reagieren auf diese klare Meinung mit Applaus. Außerdem plädiert Mehring für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Parteien: „Wir müssen mehr aufeinander hören.“

Protest oder Schulpflicht?

Was halten Sie von Fridays for Future? AfD-Politiker Bayerbach ist im Landtag Vorsitzender des Bildungsausschusses und rückt bei diesem Thema die Schulpflicht ins Zentrum: „Ihr dürft lernen. Das ist ein Schatz, der nicht selbstverständlich ist.“ Derweil freut sich Fabian Mehring über das herausragende Interesse, das die jungen Menschen mit dieser Bewegung zeigen. „Gerade am Anfang war es für die Aufmerksamkeit gut, freitags auf die Straßen zu gehen“, meint der Freie Wähler. Doch mittlerweile sei eine Schwelle überschritten, und das „Image der Schulschwänzer“ schade den ehrlichen Absichten der Demonstranten eher, wenn weiterhin während der Schulzeit protestiert werde.

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