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Zusmarshausen

04.11.2010

Wenn das Grauen zum Alltag wird

Kommissar Richard Thiess aus München gestaltete in Zusmarshausen zwei spannende Stunden. Foto: Bücherei
Bild: Bücherei

Einen Einblick in die Arbeit einer Mordkommission verschaffte Richard Thiess, Leiter einer Mordkommission in München, den Zuhörern seiner Lesung im Haus Hildegundis. Dabei berichtete er Spannendes aus seinem Berufsalltag.

Einen Einblick in die Arbeit einer Mordkommission verschaffte Richard Thiess, Leiter einer Mordkommission in München, den Zuhörern seiner Lesung im Haus Hildegundis.

Büchereileiter Adalbert Sedlmeier begrüßte den Autor und stimmte auf die Begegnung mit der realen kriminalistischen Arbeit ein. Thiess legte an vier ausgewählten Beispielen aus seinem Buch "Mordkommission - wenn das Grauen zum Alltag wird" dar, wie viel Kleinarbeit bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen geleistet werden muss. Im Fall von zwei zerstückelten Frauenleichen zum Beispiel führte die aufwendige Befragung von Nachbarn auf die richtige Spur. Mithilfe einer aufmerksamen Zivilstreife konnte der Täter dann auf einem Autobahnrastplatz festgenommen werden.

Sicherheitsverwahrung könnte Leben retten

Wenn das Grauen zum Alltag wird

Kritik übte Thiess an der bis vor Kurzem gängigen Praxis der Sicherungsverwahrung. Seit zehn Jahren hätten die Gerichte diese Möglichkeit, aber es sei kaum Gebrauch davon gemacht worden. Die Tötung eines kleinen Buben durch einen vorbestraften Kindesmörder hätte damit vielleicht verhindert werden können.

Das Verschwinden eines Kindes löst in jeder Dienststelle besonders intensive Anstrengungen aus, da wird notfalls auch rund um die Uhr gearbeitet. Thiess verzichtete auf die Beschreibung brutaler Details und macht deutlich, dass auch hartgesottene Kriminalbeamte damit zu kämpfen haben, die Erfahrungen und Erlebnisse zu verarbeiten. Hilfe dazu finden sie zuallererst im Kollegenkreis. Genauso notwendig ist ein sicherer Rückzugsraum im privaten Bereich, eine intakte Familie im Hintergrund.

Stolz ist Thiess auf die Aufklärungsquote: Sein Kommissariat hat 100 Prozent der Fälle lösen und die Täter festnehmen können. Denn, so Thiess: "Alle Täter machen Fehler." Natürlich bedarf es der Geduld und viel Gespür bei der Vernehmung eines Tatverdächtigen. Die angedachten Veränderungen in den Rechten von Tätern sind nach Ansicht von Thiess aber kontraproduktiv und würden die Aufklärungsquote auf geschätzte 20 Prozent fallen lassen. Opferschutz müsse aber Vorrang vor Täterschutz haben, so Thiess.

In seiner Sprache nüchtern, sachlich und professionell, fesselte Thiess die Besucher zwei Stunden lang und überraschte am Schluss mit der Feststellung, dass bei allem Schrecklichen der Humor nicht zu kurz kommt und es bei der Mordkommission auch viel zu lachen gibt. Er arbeitet gerade an einem Buch über lustige Zwischenfälle in seinem Berufsleben. Es soll im Frühjahr nächsten Jahres herauskommen. Man darf sich darauf freuen. (AL)

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