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23.10.2013

Wenn das Hochwasser kommt, ist Dinkelscherben ein „Betteldorf“

In der Gemeinde in der Reischenau könnte ein Schaden von bis zu acht Millionen Euro entstehen

Dinkelscherben Die Wassermassen im Falle eines Jahrhunderthochwassers würden die Region um Dinkelscherben akut bedrohen: Über 30 Prozent der bebauten Fläche wäre davon betroffen. Diplom-Iingenieur Frank Steinbacher berichtete vor besorgten Bürgern im Vereinsheim von Häder, wie es um den geplanten Schutz für das Gebiet um Zusam und Kleiner Roth steht. Dabei übten die Anwesenden Kritik an der Politik vor rund 40 Jahren, als die Gewässer begradigt wurden.

Speziell der Gedanke an ein „Jahrhunderthochwasser“, also an extreme Überflutungen, wie sie im Schnitt nur alle 100 Jahre einmal stattfinden, macht einigen Dinkelscherbern zu schaffen. Eine solche, von Fachleuten „HQ 100“ genannte Katastrophe würde über ein Drittel, also rund 150 Gebäude im Bereich der Zusam und Kleinen Roth, unter Wasser setzen. Viele Bewohner fürchten um ihre flussnah gelegenen Häuser.

Auch dieses Jahr wurde es kritisch, als im Juni der Pegel der Zusam bei Fleinhausen die Marke von 1,50 Metern erreichte – bei einem Normalwert von 40 Zentimetern. Die Betroffenen hatten damals Glück, der Regen setzte mehrfach aus: „Wenn das über Nacht so weitergegangen wäre, wäre der Gemeindebereich überschwemmt worden“, warnte Peter Kraus (FW), zweiter Bürgermeister von Dinkelscherben. Er betonte Dinkelscherben „ist massiv gefährdet“.

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Diplom-Ingenieur Frank Steinbacher, Hauptreferent des Abends präzisierte vor den rund 20 Besuchern in Hädern die Folgen des verheerenden Hochwassers vom Juni für weite Teile Bayerns und Ostdeutschland. „Die Schäden werden immer größer“, so der für seine lasergestützte Vermessung von Binnengewässern aus der Luft bereits mit dem österreichischen Businesspreis „i2b-Award“ prämierte Steinbacher.

Beispiele für die extreme Macht großer Wassermengen gibt es auch im Landkreis. Wie der Referent ausführte, war auch Welden dieses Jahr betroffen, nicht von Wasser der Laugna, sondern durch starken Regen. „20 Zentimeter ist dort das Wasser über den Waldboden geschossen. Falls die Kanalisation die Massen nicht mehr aufnehmen kann, laufen die Keller voll.“ Frank Steinbacher sieht allein in Dinkelscherben ein Schadenspotenzial von 7,5 bis 8 Millionen Euro – Grund genug für den Freistaat, um zu handeln. Bis 2020 wird Bayern „2,3 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investieren“. In der Reischenau sollen zwei Rückhaltebecken bei Siefenwang und Ziemetshausen dafür sorgen, dass sich die Zusam im Fall eines Jahrhunderthochwassers nicht in ein reißendes Gewässer verwandelt. Ebenfalls geplant ist ein Becken, damit aus der Kleinen Roth keine Gefahr wird. Die Gemeinde bemüht sich, Flächen zu tauschen, die im Rückstaugebiet liegen. Dabei gilt es eine Reihe Auflagen des Freistaats zu berücksichtigen, vor allem im Bereich des Umweltschutzes.

Steinbacher erklärte: „Man versucht nicht mehr, so stark in die Natur einzugreifen.“ „Das durfte man aber in den 70ern“, bemerkte einer der Anwesenden während der abschließenden Diskussion. Es sei vor rund 40 Jahren ein falscher Weg gewesen, die Gewässer zu begradigen. Kritisiert wurde von den Bürgern auch, dass anliegende Grundstücke damals zur Bebauung freigegeben worden seien. Wenn so eine Planung aktuell umgesetzt werden sollte, müsste man jedoch viele Auflagen beachten.

Alle im Vereinsheim waren sich einig, dass der Schutz vor einer möglichen Naturkatastrophe nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfe. Wie es Gemeinderat Stefan Steinbacher, der Vater des Experten, auf den Punkt sagte: „Wenn das Hochwasser kommt, ist Dinkelscherben ein Betteldorf.“

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