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Landkreis Augsburg

04.06.2017

Wenn plötzlich die Polizei im Klassenzimmer steht

Zu einem Einsatz wie in Nürnberg kam es im Landkreis noch nicht. Ausreisebescheide für manche Schüler liegen jedoch auch in der Region vor.
Bild: Alexander Kaya

Der Vorfall in Nürnberg schlägt Wellen. Auch im Landkreis hagelt es von vielen Seiten deutliche Kritik

Vor wenigen Tagen holte die Polizei in Nürnberg einen 20-jährigen Afghanen aus dem Unterricht. Vor den Augen seiner Mitschüler. Der Vorfall löste bundesweit Bestürzung aus. Auch im Landkreis hagelt es Kritik.

Kein Fall in Schwaben bekannt

Jürgen Wunderlich, Leiter der Berufsschule Neusäß, hat sich bereits Gedanken gemacht, sollte der Ernstfall eintreten. „Falls es passiert, muss es das Ziel sein, so sensibel wie möglich vorzugehen“, sagt er. Andernfalls verunsichere eine größere Aktion sowohl Mitschüler als auch Lehrer. Als Vorsitzender des Verbands der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern weiß er: In Schwaben sei kein Fall bekannt, in dem die Polizei mit dem Ausreisebescheid in eine Schule gekommen ist. Tausende junge Asylbewerber werden in Schwaben in eigens eingerichteten Schulklassen auf eine Ausbildung vorbereitet.

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In Neusäß gebe es Ausreiseaufforderungen für eine „überschaubare Anzahl an Schülern“, sagt Wunderlich. Sie stammen aus Afghanistan, Eritrea und Syrien. Die meisten hätten bereits Rechtsmittel gegen den Beschluss eingelegt. Eine Klage gegen eine Ablehnung im Asylverfahren verzögert die Abschiebung, bis vor Gericht ein Urteil gefällt ist, heißt es aus dem Landratsamt.

Jugendliche äußern Unverständnis

Alexander Kolb sitzt für die Grünen im Kreisrat und ist Studienrat im Neusässer Berufsschulzentrum. Zum Vorgehen in Nürnberg sagt er: „Es gibt zum einen ein rechtliches Argument, das sicherlich okay ist. Die menschliche Komponente war in diesem Fall aber unbefriedigend.“ Als kürzlich die ersten Ausreiseaufforderungen einige Schüler seiner Klassen erreichten, habe er „bange Blicke und nervöses Verhalten“ bei den Betroffenen wahrgenommen. Sowohl die Lehrer als auch die Schulpsychologin kümmern sich jetzt noch intensiver um die Schüler. Das Unverständnis der Jugendlichen über die negativen Bescheide stellte auch die Dinkelscherber Asylbeauftragte Inge Herz fest. „Die Jugendlichen können es nicht nachvollziehen. Schließlich haben sie hier Schulkameraden und Freunde.“ Herz weist zudem darauf hin, dass minderjährige Flüchtlinge grundsätzlich nicht abgeschoben werden dürfen.

Evi Madalenko-Stuhler aus Dinkelscherben bekommt das Problem als Pflegemutter von zwei Brüdern aus Afghanistan hautnah mit. Seit zwei Wochen liegt eine Aufforderung sowohl für den 16-Jährigen als auch für den zwei Jahre älteren Bruder vor. „Es ist eine furchtbare Situation“, sagt sie.

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