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Zeitumstellung

28.03.2015

Wenn sie an der Uhr dreht, dann läuten die Glocken

Wer hat an der Uhr gedreht? Kirchenpflegerin Alexandra Kast steigt bereits am Samstagabend auf den Ustersbacher Kirchturm, um die mechanische Uhr eine Stunde vorzustellen.
Bild: Marcus Merk

In Ustersbach befindet sich eine der noch wenigen mechanischen Turmuhren im Kreis

In Ustersbach beginnt die Sommerzeit an diesem Wochenende nicht nur früher als im Rest von Deutschland. In dem Ort wird sie außerdem auch hörbar. Wenn Kirchenpflegerin Alexandra Kast am Samstag um 20 Uhr an der Uhr dreht, dann läuten die Glocken einmal im Akkord – im Schnelldurchlauf.

„Da geht’s rund“, sagt sie. Die mechanische Turmuhr von 1955 ist das Herzstück der Ustersbacher Kirche und gibt in der Gemeinde bei der Zeitumstellung den Ton an. Kirchenpflegerin Alexandra Kast sorgt seit zwei Jahren dafür, dass die Glocken im Sommer und Winter sekundengenau läuten und Ustersbach nicht aus dem Takt gerät.

Mindestens einmal im Monat steigt sie den engen, zugigen Kirchturm hinauf. Oben angekommen, enthüllt ein Blick in das Uhrwerk die präzise Mechanik unzähliger Zahnräder, die surrend ineinandergreifen. Wie deplatziert, zwischen all den Rädchen, Gewichten und winzigen Metallstiften, steht auf dem kleinen Fenstersims eine Funkuhr mit Digitalanzeige. Kast zieht die Schultern hoch. „Ohne die geht es nicht“, erklärt sie. Schließlich sei hier absolute Genauigkeit gefragt. Ein Blick auf die Digitalanzeige genügt, und die Kirchenpflegerin bringt das Holzpendel im Uhrwerk mit viel Fingerspitzengefühl in den richtigen Rhythmus. Dann zieht das elektrische Differenzialgetriebe die Gewichte der Kirchenglocken nach oben.

Die Uhr ist wetterfühlig

Vorsichtig dreht Kast am Metallgewinde des Pendels. Ein Hauch zu viel oder zu wenig und schon käme hier alles durcheinander. Das Problem sei das wechselnde Klima, sagt sie. „Wenn es wärmer ist, dehnt sich das Holz des Pendels aus, bei Kälte zieht es sich zusammen.“ Schwingt das Wetter um, gerät auch die Uhrzeit aus dem Takt.

Schnell wird klar: Meteorologische Grundkenntnisse sind beim Amt des Kirchenpflegers eindeutig von Vorteil. Deutet sich Regen an, muss es ganz schnell gehen. „Manchmal flitze ich noch kurz vor der Messe hoch und stelle das Pendel.“ Denn würden die Glocken zum Gottesdienst nicht minutengenau läuten, käme das einem Desaster gleich. „Die Menschen verlassen sich ja darauf.“

Verlassen konnten sich die Ustersbacher bisher immer auf die Zeiger der St.-Fridolin-Kirche. Die Kirchenpflegerin setzt in ihre Aufgabe ein hohes Maß an Selbstdisziplin. „Schon bei 30 Sekunden Unterschied fange ich an, nervös zu werden.“ Einmal im Jahr wird die Mechanik der Turmuhr gewartet. Dann kommt ein Turmuhrenbauer angereist, um das gute Stück in Schuss zu halten. Bernhard Talhofer freut sich, dass immer mehr Gemeinden ihre alten Turmuhren wieder in Betrieb nehmen. „Der Zeitgeist ändert sich.

Noch vor ein paar Jahren musste alles neu und modern sein, jetzt besinnt man sich auf die Traditionen und versucht, die alte Technik wiederzubeleben.“ Denn nur so werde Zeit auch wieder erlebbar und greifbar gemacht, so der Experte. Das findet auch Alexandra Kast. „Nirgendwo sonst vergeht die Zeit so schön wie in unserem alten Uhrwerk von St. Fridolin.“

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