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Landkreis Augsburg

12.02.2019

Wer erkennt seine Großeltern wieder?

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3 Bilder
Fasching anno dazumal:  Fotograf Anton Weihmayr (Selbstbildnis, unten links) hielt auch die frivolen Kostüme der Zusmarshauser in den 1920er-Jahren fest.
Bild: Anton Wehmayr

Mit einer neuen Aktion will die Redaktion fotografische Schätze heben: Wer hat noch alte Bilder, die das bunte Faschingstreiben im Augsburger Land zeigen? Wer kann sich erinnern?

Der Fasching nimmt immer mehr Fahrt auf. Ob Partys, Bälle, Gardetreffen oder Umzüge: Die fünfte Jahreszeit wird überall bunt gefeiert. Das war früher nicht anders, denn schon immer hatten Menschen Spaß daran, sich zu verkleiden. Welche Blüten der Fasching damals trieb, versuchen wir mit einer neuen Aktion herauszufinden – die Redaktion will alte fotografische Schätze heben. Wer hat den Fasching in Bildern festgehalten und wer kann sich erinnern? Wer weiß noch, wie früher im Augsburger Land gefeiert wurde? Einen kleinen Einblick ins Faschingstreiben vor fast 100 Jahren geben die Bilder von Anton Weihmayr.

Ein Leben in 33 Alben

Der Zusmarshauser hatte das gesellschaftliche Leben im Ort ab den 1920er-Jahren festgehalten. Ausgewählte Bilder vergrößerte der Hobbyfotograf in der eigenen Dunkelkammer und belichtete sie aus. Was mindestens genauso wichtig wie die Arbeit mit Licht und mit selbst angerührter Chemie im Labor war: Weihmayr hatte alle Bilder in Alben geklebt und sie beschriftet.

Der Zusmarshauser berichtete über seine Schulzeit im Knabenseminar in Dillingen und genauso über den letzten Blickwechsel mit seinem Vater – Anton Weihmayr musste als Soldat auf die Schlachtfelder von Frankreich. Zwei Wochen bevor sein Vater starb, kehrte er aus der Gefangenschaft zurück. Wehmayr holte das Abitur nach, absolvierte einen Chorregentenkurs und stieg schließlich bei der Land- und Ortskrankenkasse ein. Er übernahm die Verwaltung in Zusmarshausen und konnte weiterhin seiner großen Leidenschaft frönen: der Fotografie. 1924 kaufte er von Martin Reitmaier für 50 Reichsmark seine erste Plattenkamera. Reitmaier hatte sich damals als Fotograf einen Namen gemacht. Seine einzigartigen Aufnahmen von Land und Leuten, die Max Trometer vor Jahren gerettet hatte, werden jetzt im Museum Oberschönenfeld aufbewahrt.

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Den fotografischen Nachlass von Anton Weihmayr verwahrt Sohn Werner. Er feiert in diesem Jahr seinen 86. Geburtstag. An die 15000 Negative sind es, dazu über 33 Alben. „Ich liebe es darin zu gruschteln“, sagt Werner Weihmayr, der tausende eigene Fotografien zur riesige Sammlung dazu steuert.

Kostüme in Augsburg ausgeliehen

Besonderes Augenmerk habe sein Vater auf Landschaftsporträts gelegt. Und freilich auf das Leben im Dorf. Dazu gehörte auch der Fasching, der in besonderen Kostümen gefeiert wurde. Weihmayr ging einmal als Torero, seine spätere Frau Anastasia als Spanierin. Ihr Freund Hans Meixner machte einen Affen. Die Kostüme stammten aus Augsburg und wurden für 30 Mark ausgeliehen – damals sehr viel Geld. Apropos Geld: Weihmayr und seine beiden Freunde Oswald Pfreundtner und Ludwig Gaa gründeten 1926 beim großen Ball des Turnvereins im Postsaal die Faschingsfirma Osluwei. Der Name setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gesellschafter zusammen. Ihre Geschäftsidee: Sie fotografierten in einem Nebenzimmer die Gäste. Dazu hängten sie starke Lampen und weiße Tücher zur Lichtverstärkung auf. „Osluwei“ nahm für den Turnverein „eine Menge Geld“ ein. Die Arbeit hatte jedoch Weihmayr, der die Glasplatten entwickelte. Leider sind die fotografischen Zeugnisse nicht mehr erhalten. Dafür gibt es noch den Abzug von vier Bettelmusikanten aus dem Dachauer Raum, die in den Zwanziger Jahren in Zusmarshausen spielten. Wehmayr merkte damals an: „Heute gehen die Musikanten nicht mehr auf die Straße. Heute stellen sie ein Bierzelt auf.“

Mitmachen: So geht‘s

So war Fasching früher: Wer hat noch alte Aufnahmen, die er dem Augsburger Landboten zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen kann? Wer sich an der neuen Aktion beteiligen will, und damit hilft, Zeitzeugnisse für die Nachwelt zu dokumentieren, kann seine historischen Aufnahmen scannen und dann per E-Mail an redaktion.landbote@augsburger-allgemeine.de senden. Die Bilder können auch direkt per Post an Augsburger Landbote, Bahnhofstraße 8, 86368 Gersthofen, geschickt werden. Wichtig sind einige Notizen zum Bild: Wo und wann ist es entstanden, wer hat’s gemacht, was genau ist zu sehen? Gibt es eine Geschichte hinter der Geschichte? Bitte hinterlassen Sie auch eine Telefonnummer und Ihre Anschrift für Rückfragen

Die Fotos des Zusmarshausers sind berührende Dokumente aus einer anderen Welt.

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