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Thierhaupten

14.02.2020

Wer wird Bürgermeister in Thierhaupten?

Uneins sind sich die Bürgermeisterkandidaten, ob der Neubau eines Seniorenzentrums in der Ortsmitte von Thierhaupten entstehen soll. 
Bild: Marcus Merk

Plus Die Thierhauptener Kandidaten Toni Brugger und Claus Braun traten 2014 schon einmal gegeneinander an. Was ihre Programme unterscheidet.

Es ist Sonntag, 30. März 2014 – der Abend der Stichwahl im Thierhauptener Klostersaal. Von ursprünglich vier Bürgermeisterkandidaten sind es nur noch zwei, die im Rennen sind: Toni Brugger (CSU) und Claus Braun (Freie Wähler) haben es weiterhin auf das Amt des Rathauschefs abgesehen. Gegen 19 Uhr ist klar: CSU-Mann Brugger entscheidet die Kommunalwahl 2014 für sich und wird neuer Bürgermeister in Thierhaupten. Er bringt es auf 1396 Stimmen, Kontrahent Braun auf 911.

Heute, sechs Jahre später, stehen Thierhauptens Bürger vor derselben Entscheidung wie zur damaligen Stichwahl auch: CSU oder Freie Wähler? Toni Brugger oder Claus Braun? Dabei überschneiden sich die Ansichten und Vorhaben beider Kandidaten immer wieder. Beide loben das überdurchschnittliche ehrenamtliche Engagement im Ort, sehen Bedarf im Ausbau der Mobilität und stellen Kultur und Natur nach vorn. Als amtierender Bürgermeister blickt Brugger auf „gute und erfolgreiche Jahre“ zurück: Man habe viele Projekte in Angriff genommen und gerade im Bereich Verkehr auch zu Ende gebracht. Andere hingegen gelte es noch zu vollenden, so unter anderem die Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zum Sturzflutrisikomanagement.

Kandidaten in Thierhaupten streiten um Standort des Seniorenzentrums

Währenddessen ist Kontrahent Braun der Meinung, dass die Marktgemeinde gerade in Hinblick auf die Wirtschaft und „prächtige Gewerbesteuereinnahmen“ gut dastehe. Doch er findet auch: „Mit mehr Mut hätte besonders in den letzten Jahren noch mehr erreicht und verwirklicht werden können.“ Bei all den Themen, die Thierhaupten derzeit beschäftigen, gibt es vor allem eines, welches die beiden Bürgermeisterkandidaten entzweit: der Standort des geplanten Seniorenzentrums im Herzen der Marktgemeinde. Rathauschef Brugger gehört zu den Befürwortern der Lage unterhalb der Kirche, weist auf die Nähe zum Friedhof, dem Kloster oder der Bäckerei hin. Auch von der Kindertagesstätte in unmittelbarer Nachbarschaft könnten die älteren und dennoch rüstigen Menschen profitieren. In der Vergangenheit sprachen sich zahlreiche Experten positiv zum Standort aus. „Deren Meinung sollte man nicht außer Acht lassen“, so Toni Brugger.

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Ganz anderer Ansicht ist da Claus Braun: Gemeinsam mit seiner Partei spricht er sich gegen das Grundstück im Ortskern aus. Kein Platz für Vergrößerungen der Pflegeeinrichtung sowie eine schlechte Park- und Verkehrssituation – so die Meinung der Freien Wähler. Man müsse auf kritische Stimmen aus der Bürgerschaft hören. In einem Punkt sind sich die beiden Bürgermeisterkandidaten jedoch einig: Es gilt, keine Zeit zu verlieren und das Projekt Seniorenzentrum voranzubringen.

Auch eine gänzlich neue Partei möchte in den Gemeinderat einziehen

Abgesehen vom Duell um den Chefposten im Rathaus tut sich auch etwas im Gemeinderat. So konnten die Unabhängigen Bürger Thierhaupten (UB) nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch eine Liste stellen. Zuvor hatte Fraktionssprecher Dieter Tronecker aufgrund mangelnder Kandidaten mit einem Aus für die Partei gerechnet. Auch eine gänzlich neue Partei möchte in den Gemeinderat einziehen: Erst Ende Dezember haben sich die Jungen Freien Wähler (JFW) gegründet. An deren Front steht der 20-jährige Martin Gürtner. Auf Facebook gratulierte Claus Braun dazu nicht nur als Bürgermeisterkandidat, sondern auch als Vorsitzender der FW.

Auch 2014 gab es bereits eine Veränderung in der Fraktionslandschaft: Die kurz zuvor gegründete Junge Bürger Union (JBU) zog in das Thierhauptener Gremium ein. Damals wie heute spricht die Partei Toni Brugger Unterstützung zu.

Was vor sechs Jahren jedoch für Gesprächsstoff sorgte, war die Unterstützung eines anderen. Der damalige SPD-Bürgermeister Franz Neher schrieb in einem Brief an alle Bürger: „Ich wähle Toni Brugger, weil ich ihn seit Jahrzehnten kenne und schätze, als ehrlichen und offenen Thierhauptener, der die Macht nicht missbraucht, Unwahrheiten und unlautere Methoden ablehnt, der zusammenführt und nicht spaltet.“ Charakterlos fanden das die einen, charakterstark die anderen.

Sieben Fragen an Toni Brugger

Toni Brugger ist aufgewachsen in Thierhaupten.
Bild: Brugger

Was sind die wichtigsten Vorhaben, die Sie nach Ihrer Wiederwahl vorantreiben wollen?

Toni Brugger: Den Hochwasserschutz für Thierhaupten mit Sturzflutmanagementkonzept abschließen; der Bau des Seniorenzentrums im Herzen von Thierhaupten; Projekt „Neue Mitte“ mit Verbesserung der Parkplatzsituation und Ansiedelung Landmetzgerei Hörmann, Sicherung Bankstandort; Sanierung der Schule zur Standortsicherung sowie energetische Modernisierung; Ortsverbindungsstraße mit Geh- und Radweg nach Ötz umsetzen; Friedhofs- und Bürgerhausgestaltung in Neukirchen vorantreiben.

2. Wenn Sie sich für Thierhaupten etwas wünschen könnten, was wäre das?

Brugger: Ein Mobilitätskonzept mit der Vernetzung Fahrrad, ÖPNV, Auto und Fußgänger; außerdem die Förderung der Regionalvermarktungsstrategie bei unseren Nahversorgern.

3. Was muss für die wachsende Zahl der älteren Bürger getan werden?

Brugger: Unser Seniorenkonzept mit den drei Säulen:

  • Unterstützung häusliche Pflege und soziales Netzwerk
  • ambulantes Seniorenzentrum in der Ortsmitte
  • mittelfristig stationäre Pflegeeinrichtung mit Demenzhilfe zielstrebig weiterverfolgen.

Was wollten Sie als Kind werden und was wurde aus Ihrem Traum?

Brugger: Ich wollte immer Polizist werden, diesen Traum verwirklicht nun meine Tochter.

5. Welche positiven Eigenschaften würden Sie bei einem Bewerbungsgespräch nennen?

Brugger: Zielstrebig, diplomatisch, menschlich.

6. Mit welchen drei Worten würden Sie Thierhaupten beschreiben und warum?

Brugger: Kulturelle Vielfalt, intakte Natur, aktives Vereinsleben zusammen mit überdurchschnittlichem Miteinander aller Gesellschaftsschichten – das ist Thierhaupten. Erkennbar ist das etwa an der Festwoche Thierhaupten, an den zahlreichen Vereins- und Klosterhoffesten sowie dem überdurchschnittlichen ehrenamtlichen Engagement in der Bürgerschaft. Am Kloster Thierhaupten mit kultureller Strahlkraft in die Region und unseren zahlreichen Naturprojekten in und um Thierhaupten – Auerochsenweide am Brunnenwasser, Biotopverbund im Lechtal und vieles mehr.

7. An welchem Standort soll Thierhauptens Seniorenzentrum entstehen und warum?

Brugger: Alte Menschen sind keine Randerscheinung, daher gehört das Seniorenzentrum auch in die Mitte Thierhauptens. Gesellschaftliche Teilhabe zum Beispiel bei den Festen im Kloster, Kirchen- und Friedhofsbesuche, Gastronomie, Banken – kurz gesagt „das Leben spüren“ können unsere Senioren am besten in der Ortsmitte.

Sieben Fragen an Claus Braun

Claus Braun ist aufgewachsen in Thierhaupten.
Bild: Braun

1. Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister?

Claus Braun: Ich verkaufe den Dienstwagen, da ich auch als Bürgermeister aufgrund meines Wohnsitzes im Ort gerne weiterhin mit dem Fahrrad unterwegs sein möchte. Dies bedeutet bereits im Kleinen weniger Verkehr und eine bessere Luft für Alle.

2. Wenn Sie sich für Thierhaupten etwas wünschen könnten, was wäre das?

Braun: Ein nie versiegender Pool engagierter Frauen und Männer, die sich für die Gesellschaft und die oder den anderen einsetzen. Menschen mit viel Elan und ehrenamtlichem Engagement sind das besondere Gen in unserer Marktgemeinde. Die Vereine und die stets arbeitsreichen Feste machen Thierhaupten zu etwas ganz Besonderem.

3. Was muss für die wachsende Zahl der älteren Bürger getan werden?

Braun: Ein Bürger-Taxi als Ergänzung zu den Angeboten des ÖPNV – gerne mit Laderampe für Rollstühle und Rollatoren – begrüßen wir. Neben kleinen, altersgerechten Wohneinheiten möchte ich Tagespflege- und Kurzzeitpflegeplätze schaffen, wir stehen zu dem vorliegenden Konzept. Ich sehe einen Bedarf an einer Einrichtung für Demenzkranke.

4. Was wollten Sie als Kind werden und was wurde aus Ihrem Traum?

Braun: Ich glaube, dass ich gar nie einen derartigen Traum gehabt habe. Ich sehe mich als bodenständig und standhaft und nicht als Traumtänzer. Für mich zählt die Realität, und es wäre wunderbar, wenn wir in Thierhaupten und auf der ganzen Welt in Frieden leben könnten.

5. Welche positiven Eigenschaften würden Sie bei einem Bewerbungsgespräch nennen?

Braun: Ich würde auf meine Zuverlässigkeit, meinen Fleiß und meinen Ideenreichtum aufmerksam machen und auf meine große Motivation, für alle Frauen und Männer engagiert und voller Kraft da zu sein.

6. Mit welchen drei Worten würden Sie Thierhaupten beschreiben und warum?

Braun: „Heimat der Lebensfreude“. Die Marktgemeinde zeigt sich sehr offen und begeisterungsfähig. Die vielen Veranstaltungen, Konzerte, Feste und Begegnungen fußen auf großem ehrenamtlichem Engagement. Zur Lebensqualität trägt auch die besondere Natur mit den Wäldern und dem nahen Lechtal bei.

7. An welchem Standort soll Thierhauptens Seniorenzentrum entstehen und warum?

Braun: Ich kann sagen, wo es nicht kommen soll – vom Standort auf dem freien Grundstück gegenüber dem Kindergarten sind die Freien Wähler nicht überzeugt, trotz vorherrschender Expertenmeinung, dass der gewählte Standort ideal sei. Die kürzlich geäußerte Expertenmeinung im Marktgemeinderat, dass Pflegeeinrichtungen künftig auch und besonders in Wohnsiedlungen gesehen werden, eröffnen völlig neue Möglichkeiten.


JBU für bezahlbares Wohnen

Die JBU setzt sich aus politisch aktiven und interessierten Thierhauptenern zwischen 20 und 40 Jahren zusammen. Seit der Kommunalwahl im Jahr 2014 bilden wir mit den beiden Gemeinderäten Josef Kienberger und Andreas Kiss eine eigene Fraktion. Durch die gute Zusammenarbeit mit Bürgermeister Toni Brugger und den anderen Fraktionen wurden viele unserer Ziele von 2014 umgesetzt.

Wie schon vor sechs Jahren liegt uns der Erwerb von weiteren Flächen für neue Baugebiete am Herzen. Durch die enorme Preissteigerung auf dem freien Markt ist es uns wichtig, bezahlbaren Wohnraum für junge Thierhauptener zu schaffen.

Wichtig sind uns neben vielen anderen Themen das Projekt „Neue Mitte“, die Vereinsförderung, der Hochwasserschutz, die Umsetzung des Hangwasserschutzkonzeptes, die Schulsanierung, der Glasfaserausbau in allen Ortsteilen, die Straße mit Geh- und Radweg nach Ötz und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation.

SPD für Nahverkehr und Wohnraum

Der SPD-Ortsverein will keine weitere Verzögerung beim ambulanten Wohnen und bei der stationären Pflege. Die Gemeinde muss selbst aktiv werden. Ein Pflegeheim mit integrierter Kurzzeitpflege ist mittelfristig notwendig. Wir wollen Wohnraum schaffen, auch durch Nachverdichtung und den Einstieg in den sozialen Wohnbau im Neubaugebiet „Weidener Breite“. Wir wollen die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erhöhen.

Der öffentliche Nahverkehr soll ausgebaut werden: Eine bessere Anbindung der Ortsteile sowie eine verdichtete Taktung tagsüber und am Wochenende sind nötig. Zudem soll die Verbindungsstraße mit Radweg in den Ortsteil Ötz möglichst schnell realisiert werden. Mit unseren Landwirten sorgen wir dafür, die Qualität unseres Grundwassers auch in Zukunft zu erhalten. Wir wollen Umweltschutz, Naturschutz und Wachstum besser vereinen. Um Arbeitsplätze im Ort zu erhalten und auszubauen, soll die Marktgemeinde Gewerbetreibenden individuell nutzbare Flächen anbieten können.

JFW will für frischen Wind sorgen

„Für saubere Politik – mit Herz und Verstand“ – das ist einer unserer Wahlslogans, mit dem wir für die kommende Kommunalwahl antreten. Wir möchten die Zukunft unserer schönen Heimat aktiv mitgestalten, aber auch die Entwicklung Thierhauptens und seiner Ortsteile mit Herz und Verstand voranbringen.

Es stehen in nächster Zeit wichtige Projekte an, die Verstand und demokratisches Handeln benötigen, um sich zukunftsfähig zu entwickeln.

Wir sind ein junges dynamisches Team, das mit viel Energie und Visionen für frischen Wind im Gemeinderat von Thierhaupten sorgen will. Einsetzen möchten wir uns unter anderem für attraktiven Wohnraum für Jung und Alt, den Kanalausbau im Ortskern und effektiven Hochwasserschutz gegen das Oberflächenwasser im Weidener und Neukirchener Tal.

Um unseren Wohnort weiterhin für jeden attraktiv zu gestalten, ist es wichtig, den Netzausbau und die Einrichtung von WLAN-Hotspots voranzutreiben.

UB: Plattform für engagierte Bürger

Die Vereinigung Unabhängige Bürger Thierhaupten (UB) bietet allen Bürgern, die sich in der Lokalpolitik engagieren, aber nicht parteipolitisch binden möchten, eine Plattform. Sie steht für:

  • eine praxisbezogene Sachpolitik ohne ideologische und parteipolitische Zwänge
  • einen verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Mitteln
  • eine nachhaltige Dorfentwicklung, um die Marktgemeinde auch in Zukunft lebenswert zu erhalten
  • faire, gleiche, gerechte Entscheidungen für alle Bürger, Vereine und Betriebe aller Ortsteile
  • einen fairen Umgang in der Lokalpolitik, aber auch für konstruktive Kritik in Sachfragen

Die UB möchten positive Impulse für ein starkes Thierhaupten setzen:

  • starkes Gewerbe
  • lebenswertes Umfeld
  • liebenswerte Traditionen

Insbesondere sollten die Interessen aller Ortsteile berücksichtigt und die Mitbürger in lokalpolitische Entscheidungen eingebunden werden.

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