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Landkreis Augsburg

14.12.2020

Wie Geschäfte im Landkreis Augsburg sich auf die Schließung vorbereiten

Erwin Schröder muss seinen Friseursalon in Neusäß schließen. Er freut sich auf die Freizeit, aber hat vorher noch viel zu tun.
Bild: Marcus Merk

Plus Seit Sonntag ist klar, was schon viele befürchtet hatten: Die meisten Geschäfte, auch im Kreis Augsburg müssen schließen. Wie sie sich darauf vorbereiten.

Ein gutes hat der Lockdown für Erwin Schröder: "So viel Freizeit habe ich lange nicht mehr gehabt", sagt er. Er hat sich für die Zeit extra ein Trainingsrad gekauft und will viel Zeit mit seinem Hund verbringen. Der Friseur muss seinen Salon in Neusäß am Mittwoch schließen. Aber noch ist es nicht so weit: Über hundert Leute wollen vor der Schließung noch einen Haarschnitt. Schröder opfert dafür den traditionellen Ruhetag der Friseure am Montag: "Alle Kunden können wir natürlich trotzdem nicht schaffen", sagt er. Auch auf die Frisuren, die er schneidet, wirkt der Lockdown sich aus.

Der harte Lockdown im Kreis Augsburg führt zu kürzeren Haarschnitten

"Wir schneiden alles eine Nummer kürzer als normalerweise", sagt er. Schließlich wissen seine Kunden nicht, wann der nächste Haarschnitt möglich sein wird. Es gibt aber auch einen anderen Trend: Gerade Herren würden jetzt, wo sie weniger Menschen treffen, auch mit längeren Haaren experimentieren. Die Schließung bedeutet für Schröder zwar finanzielle Einbußen, aber er nimmt es leicht: "Hauptsache meine Kunden und meine Angestellten bleiben gesund", sagt er.

Ab Mittwoch müssen in ganz Deutschland alle Geschäfte, die keine Waren des täglichen Bedarfs verkaufen, schließen. Diese Nachricht kommt mitten im Weihnachtsgeschäft. Viele Läden verlassen sich auf die Kunden am Ende des Jahres um Gewinn zu machen. Gerade die Tage kurz vor Heiligabend sind meist besonders umsatzstark. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland kostet die jüngste Schließung die betroffenen Geschäfte bis zu 60 Prozent des Weihnachtsumsatzes.

Bücher, Schmuck und Spielzeug kommen dieses Weihnachten per Lieferdienst aus den Läden

Ebenfalls empfindlich betroffen sind die Matysiks. Die Familie betreibt das Juweliersgeschäft Burger in Gersthofen. "In der Woche vor Weihnachten machen wir jeden Tag den gleichen Umsatz, wie sonst in einem Monat", sagt Jürgen Matysik. Ohne das Weihnachtsgeschäft habe sein Laden Probleme über die Runden zu kommen. Sie verbringen die Tage bevor sie schließen müssen damit, einen Lieferdienst einzurichten. Die Matysiks wollen Uhren und Schmuck persönlich an ihre Kunden liefern. "Um das ganze mit der Post zu schicken ist es zu wertvoll", sagt Matysik. Ab dem 16.12. soll es losgehen. Er rät seinen Kunden allerdings frühzeitig zu bestellen: " Wir rechnen mit vier bis fünf Tagen Wartezeit, aber es kann länger dauern, weil die Post überlastet ist und wir unser Rohmaterial nicht immer rechtzeitig bekommen". Auch die Zahlungsabwicklung bereitet noch Probleme: "Nicht alle haben Bargeld zu Hause um unsere Lieferungen zu bezahlen", sagt Matysik.

Goldschmiedemeisterin Joanna Matysik und ihr Mann Jürgen wollen einen Lieferdienst für Uhren und Schmuck aufziehen um das Weihnachtsgeschäft zu retten.
Bild: Marcus Merk

Auch Marion Halamay von der Lesehexe in Fischach und Thannhausen setzt auf einen Lieferdienst. Sie rechnet nicht mit größeren Problemen. Sie hat sich damit schon im Frühjahr über Wasser gehalten. Ein Anruf genügt und Halamay und ihre Mitarbeiter bringen das gewünschte Buch vorbei. Gezahlt werden kann bar oder auf Rechnung. Mit dem Großhandel gebe es keine Probleme, dort habe man sich schon vor Monaten ausreichend mit allen gefragten Büchern eingedeckt. "Die Leute decken sich gerade mit Lesestoff für die Feiertage ein", sagt sie.

Für die Einschränkungen hat sie Verständnis: "Hauptsache wir machen die Läden endlich zu. Anders geht es einfach nicht", findet Halamai. Natürlich werde auch sie finanziell darunter zu leiden haben, aber die Eindämmung des Virus' sei ihr wichtiger.

Buchhändlerin Marion Halamay aus Fischach ist froh, dass sie ihren Laden schließen muss.
Bild: Marcus Merk

Die letzten Tage, an denen die Läden geöffnet haben sind noch einmal arbeitsintensiv

Gerd Hutner von Spielwaren Hutner in Gessertshausen hat schon damit gerechnet, dass die Schließung bald kommen würde. Auch für ihn ist sie bitter: "Das ist die beste Woche im Jahr für uns", sagt er, während er seine Mitarbeiter durch den Laden dirigiert. Auch er will seine Waren weiter verkaufen, aber weiß noch nicht genau wie. Sein Laden gehört zur Kette Idee+Spiel, über die er wenigstens schon mal einen funktionierenden Online-Shop hat. Die Kunden werden aber wohl nicht in der Lage sein die Ware selbst abzuholen, wenn der Laden geschlossen hat. Er hat zudem Zweifel, ob Versandunternehmen ihre üblichen Lieferzeiten während der Doppelbelastung durch Weihnachten und Pandemie einhalten können.

Gerd Hutner aus Gessertshausen freut sich, dass Familien mehr Zeit füreinander haben.
Bild: Marcus Merk

Der letzte Tag, an dem er vor Weihnachten geöffnet haben darf, droht ein Anstrengender zu werden: "Viele Kunden haben mitbekommen, dass der Internethandel mit dem Versand nicht mehr hinterherkommt. Sie gehen auf Nummer sicher und kommen her", glaubt Hutner. Er will der Nachfrage nicht im Wege stehen und opfert seine Mittagspause, damit die Kunden noch die letzte Gelegenheit zum Einkaufen nutzen können. Besonders beliebt sind gerade Puzzle und Brettspiele: "Alles was man in Gesellschaft spielen kann. Und es ist auch irgendwie schön, dass Familien jetzt mehr Zeit haben, um miteinander zu spielen".

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