Newsticker

RKI meldet am Sonntag 14.611 neue Corona-Fälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wie Google Earth vor 400 Jahren

Dinkelscherben

06.10.2017

Wie Google Earth vor 400 Jahren

Auf der Burgauer Landtafel hat der Künstler vor 400 Jahren auch die Reischenau und Dinkelscherben mit der Burg Zusameck (rechts) aufgezeichnet.
4 Bilder
Auf der Burgauer Landtafel hat der Künstler vor 400 Jahren auch die Reischenau und Dinkelscherben mit der Burg Zusameck (rechts) aufgezeichnet.
Bild: Repro: Werner Malcher

Die Landtafel ist eine ganz besondere Karte. Werner Malcher ist fasziniert davon und gibt seine Begeisterung weiter.

Auf dem Lech schippern die Flößer, ein Mann hackt Holz, auf den Straßen sind Handwerker unterwegs. Die Burgauer Landtafel ist beeindruckend. Nicht nur wegen ihrer Größe – sie ist fast drei mal drei Meter groß – sondern auch wegen ihrer vielen Details. Fast 500 Orte hat der Künstler Johann Andreas Rauch 1613 dort eingezeichnet – ein „Google Earth von vor 400 Jahren“, sagt Werner Malcher. Er ist wohl derjenige, der die Landtafel am besten kennt. Sie erzählt vom Leben in der Markgrafschaft Burgau. Das Gebiet umfasst weite Teile der heutigen Landkreise Augsburg, Günzburg und Donau-Ries.

Werner Malcher kommt aus Altenmünster und ist Bankkaufmann. Der Hobbyhistoriker beschäftigt sich seit Jahren mit der Landkarte. Das Original lagert im Bayerischen Nationalmuseum in München. Es ist in einem sehr schlechten Zustand und darf das Museum nicht verlassen. Die Karte wurde deshalb mit einem aufwendigen Verfahren digitalisiert. Malcher bekam nach etlichem Hin und Her die Genehmigung für einen Nachdruck in Originalgröße. 2015 hat er ihn in seinem Heimatort enthüllt (wir berichteten), später will er ihn einem Museum stiften.

Zuhause hat Malcher gar keinen Platz, die riesige Karte auszubreiten – die Räume sind nicht hoch genug. Doch am Computer kann er virtuell über die Landschaft fliegen und er entdeckt dabei stets Neues. Immer wieder packt er den Druck aus und stellt ihn bei Vorträgen vor, demnächst in Dinkelscherben. Das Interesse war bisher groß – kein Wunder, denn Malcher hat viel zu erzählen. Seine Begeisterung für die Karte ist hörbar. „Sie ist ein wahres Bilderbuch der Geschichte“, schwärmt er. Johann Andreas Rauch (1575-1632) hat fast ein Jahr lang daran gearbeitet. Von vielen Gebäuden gebe es sonst keine Ansichten, zum Beispiel von den Schlössern Welden und Binswangen, erklärt Malcher. Fast alle Orte auf der Karte gebe es heute noch. Wobei sich natürlich manche Größenverhältnisse verschoben haben. Neusäß zum Beispiel habe damals noch aus 24 Häusern bestanden.

Der Künstler hat damals nicht nur mit besonderer Präzision die Orte, Wege und Flüsse mit der Zahl der Häuser und den Namen der Ortsherren verzeichnet; besonders unterhaltsam sind die sogenannten Wimmelbilder. „Die sind teilweise sehr lustig“, sagt Malcher. „Aber es geht auch um Mord und Totschlag, um Diebstahl, Liebeleien und Eifersuchtsszenen.“ Seit Malcher die Karte vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal vorgestellt hat, ist er ein gefragter Mann. „Ich könnte jede Woche einen Vortrag halten“, erzählt er. Doch er ist ja auch noch berufstätig. Die Landtafel ist „nur“ sein Hobby, über sie schreibt er gerade auch noch ein Buch.

Am 22. Oktober stellt Malcher die Karte und ihren Künstler das nächste Mal vor. Er betrachtet dann besonders die Gebiete rund um Dinkelscherben, Fischach, Ziemetshausen und Oberschönenfeld. Dort kann man zum Beispiel das Kloster sehen und feststellen, dass Fischach gleich sechs Ortsherren hatte. Maria Vesperbild taucht dagegen noch nicht auf. Die Kirche wurde erst nach dem Dreißigjährigen Krieg als Dank für das Kriegsende gebaut, erklärt Malcher. Er wolle bei den Menschen das Interesse für die Geschichte wecken, sagt der Altenmünsterer – und erreichen, dass sie mit anderen Augen durch ihr Dorf gehen. Bisher kamen seine Präsentationen stets gut an, erzählt er stolz: „Meist sind die Leute nach dem Vortrag noch eine Stunde da, weil sie Schlange stehen und mit der Nase an der Karte kleben.“

Der Vortrag beginnt am Sonntag, 22. Oktober, um 15 Uhr im Pfarrsaal Dinkelscherben. Der Eintritt ist frei.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren