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Gersthofen

22.07.2020

Wie Paten beim Gersthofer Asyl-Wohnprojekt helfen können

Im Norden von Gersthofen gibt es seit etwa vier Jahren ein Wohnprojekt für Asylsuchende.
Bild: Marcus Merk

Plus Neun Flüchtlinge konnten auf dem freien Markt ein Dach über dem Kopf finden. Paten helfen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Seit dem Jahr 2016 gibt es im Gersthofer Norden ein Wohnprojekt für Asylsuchende. Das hat sich bewährt, wie Susanne Buchele-Noone von der Diakonie im Sozialausschuss berichtete. Doch noch ist nicht klar, ob und wo das Projekt im kommenden Jahr weitergehen kann.

Für das Projekt wurden drei Wohnungen in einem Haus der Firma Clariant gemietet und an die Flüchtlinge weitervermietet. Susanne Buchele-Noone als Hauptamtliche und drei ehrenamtliche Wohnungspaten unterstützen zwölf Mieter. Ziel des Projektes ist es, betonte die hauptamtliche Betreuerin Buchele-Noone, den Geflüchteten grundlegende Kompetenzen bezüglich festen Mietverhältnissen zu geben. Außerdem sollen sie in das Leben in Deutschland eingeführt werden. „Das heißt, sie sollen letztendlich so weit kommen, dass sie selbstständig Leben und auch ausziehen und sich eine Wohnung auf dem freien Markt suchen können.“

Wohnungspaten leisten Unterstützung bei Behördengängen

Die Wohnungspaten leisten dabei Unterstützung bei Behördengängen sowie wenn Mietverhältnisse eingegangen werden. Sie vermitteln auch und fungieren als Schaltstelle zwischen Bewohnern, Hausverwaltung und der Stadt. „Sie sorgen auch dafür, dass erforderliche Reparaturen beauftragt werden, und sind dabei, wenn diese stattfinden. „Es entsteht eine solch enge Bindung zwischen den Paten und den Mietern, dass diejenigen sich auch noch an die Paten werden, wenn sie schon ausgezogen sind“, so Buchele-Noone weiter.

Die Menschen in diesem Wohnprojekt verdienen ihren eigenen Lebensunterhalt oder absolvieren eine Ausbildung. „In der Wohnung haben sie mehr Ruhe als im Flüchtlingsheim.“ Die Wohnungspaten könnten die Mieter frühzeitig zu weiterführenden Hilfen vermitteln. „Probleme eskalieren dann erst gar nicht – wir können da sehr viel auffangen.“

Der aktuelle Vertrag für die Wohnungen endet im Mai 2021

Außerdem verstünden die Mieter im Lauf der Zeit besser, wie Deutschland funktioniert, was Sprache, Kultur, Rechte und Pflichten betrifft. „Inzwischen haben neun Personen das Projekt erfolgreich abgeschlossen und wohnen bereits im freien Mietmarkt“, so die Diakoniemitarbeiterin. Das große Problem seien aber der angespannte Mietmarkt, die Ortsbindung an Gersthofen und die Schwierigkeit, Zimmer zu einem günstigen Mietpreis zu finden.

Ein Damoklesschwert schwebt allerdings derzeit über dem Wohnprojekt, betonte Susanne Buchele-Noone: „Der aktuelle Vertrag für die Wohnungen endet im Mai 2021.“

Flüchtlinge haben oftmals keine familiären Netzwerke mehr

Weiter wird in Gersthofen seit 2018 auch noch acht Stunden pro Woche aufsuchende Asylarbeit betrieben. Zielgruppe sind alle Flüchtlinge, die im Stadtgebiet wohnen. Auch hier geht es um Klärung, was Behördenschreiben betrifft, und es wird vermittelt bei persönlichen, familiären, gesundheitlichen und psychischen Problemen oder auch Schwierigkeiten in der Schule und am Arbeitsplatz sowie mit der Justiz. „Alle Flüchtlinge haben zwar Rechtskundeunterricht gehabt, viele halten sich aber nicht daran“, sprach Buchele-Noone aus Erfahrung.

Die aufsuchende Asylarbeit sei auch wichtig, weil die Flüchtlinge oftmals keine familiären Netzwerke mehr haben, die sie auffangen können. „Bei der Spülung des Trinkwassernetzes haben wir den Leuten erklärt, was auf den von der Stadt verteilten roten Informationszetteln stand und wie sie sich verhalten müssen“, so Buchele-Noone weiter.

Die Kontaktaufnahme mit den Menschen erfolge meist beim Busfahren, Einkaufen und auf der Straße. „Vor Corona hatten wir im Durchschnitt 20 Kontakte pro Woche. Das Wohnprojekt und die Streetwork arbeiten indessen auch eng zusammen mit der Migrations- und der Flüchtlingsberatung der Diakonie, mit der Integrationsarbeit der Familienstation in Gersthofen sowie mit dem örtlichen Helferkreis Asyl.

Wohnprojekt in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und Clariant

Markus Brem (Bewegung Zukunft) kritisierte: „Wir als Stadt haben ein Riesenproblem, weil wir keinen Wohnraum schaffen.“ Gebraucht würden in den nächsten fünf bis zehn Jahren mindestens 300 Wohnungen im Besitz der Stadt. „Wir müssen ein wichtiger Player auf dem Wohnungsmarkt sein – nur so können wir die Preisexplosion bei den Mieten wenigstens mindern“, so Brem. Es sei wichtig, die Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren.

Zweiter Bürgermeister Reinhold Dempf, der die Ausschusssitzung leitete, entgegnete, Gersthofen habe sich landkreisweit sehr vorbildhaft verhalten: „Wir haben das erste Wohnprojekt in Zusammenhang mit der Agentur für Arbeit und Clariant ins Leben gerufen.“ In der „heißen Zeit“, als sehr viele Flüchtlinge angekommen seien, „ist es uns gelungen, Familien zusammenzuführen.“ Allerdings, so räumte Dempf ein, gebe es immer noch Luft nach oben.

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