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Biberbach

29.11.2018

Wie Pfarrer Ulrich Lindl aus Biberbach den Krieg in Syrien miterlebte 

Pfarrer Ulrich Lindl aus Biberbach reiste nach Syrien und hielt den erschreckenden Anblick von zerstörten Gebäuden mit seiner Kamera fest. Der Geistliche hat das Land bereits zum dritten Mal besucht.
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Pfarrer Ulrich Lindl aus Biberbach reiste nach Syrien und hielt den erschreckenden Anblick von zerstörten Gebäuden mit seiner Kamera fest. Der Geistliche hat das Land bereits zum dritten Mal besucht.
Bild: Ulrich Lindl

Der Geistliche aus Biberbach hat das Land dreimal besucht. Warum er nun optimistisch ist und auf Frieden hofft.

Granateneinschläge, zerstörte Häuser und dennoch Hoffnung. All das hat Biberbachs Pfarrer Ulrich Lindl bei seinem dritten Besuch in Syrien erlebt. Das Land sei auf dem Weg zum Frieden spürbar vorangekommen, erklärte der Geistliche bei einem spannenden Vortrag im Pfarrsaal vor rund vier Dutzend Zuhörern. Lindl hat Syrien, das im achten verheerenden Kriegsjahr steht, nun zum dritten Mal besucht.

Der Bürgerkrieg hat Hunderttausende Menschen das Leben gekostet, Millionen sind auf der Flucht. Präsident Baschar al-Assad und das syrische Regime begehen dabei Massaker, foltern Menschen und setzen Chemiewaffen ein. Vor einigen Tagen erst hat Bundesinnenminister Horst Seehofer Abschiebungen von Asylbewerbern in das Land ausgeschlossen, weil das Auswärtige Amt ein düsteres Bild der dortigen Lage zeichnet.

Vor zwei Jahren nahm Pfarrer Lindl zwei syrische Flüchtlinge in seine Pfarrwohnung auf

Lindl ging in seinem Vortrag auf seine Einschätzung der Situation in der Hauptstadt Damaskus ein. Die Drei-Millionen-Stadt hat viele Flüchtlinge und eine rege christliche Gemeinschaft. Dort verlor die aus rund 100000 Katholiken bestehende St.-Kyrillos-Gemeinde wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen ein Drittel ihrer Angehörigen. „Mit diesen flüchtenden Menschen verschwindet auch der Glaube.“

Der Oberbayer hielt sich insgesamt dreimal für jeweils zehn Tage in dem Bürgerkriegs-Staat mit zahllosen Frontlinien auf. „Eine schwierige Gemengelage mit anderen Ländern und Gruppen voller unterschiedlicher Interessen hat sich dort entwickelt“, erklärte der Syrien-Kenner, der sich seit Langem für die Belange der Flüchtlinge interessiert und um deren Unterstützung bemüht ist. „Hier etwas zu tun war das wichtigste Motiv für meine Reisen“, erklärte Lindl.

Vor zwei Jahren nahm Pfarrer Lindl zwei syrische Flüchtlinge in seine Pfarrwohnung auf. Ein Entschluss, den er nie bereut hat. Im Gegenteil: Mit den syrischen Christen und ihrer Heimatpfarrei wuchs eine Freundschaft heran. In deren Heimatland erlebte Lindl immer wieder Situationen, die die Besucher des Syrien-Vortrags aufhorchen ließen: „Immer wieder hört man Detonationen und Granateneinschläge“, erzählte der weit gereiste Priester. Wenn man die im Bett liegend mitbekomme, könne nur gerätselte werden, wo der Einschlag erfolge. Aber: „Ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt“, versucht Ulrich Lindl die Zuhörer zu beruhigen.

Ulrich Lindl gibt sich optimistisch, was die Zukunft des gebeutelten Staates angeht

Der Geistliche, der auch Bücher schreibt und lesenswerte religiöse Texte verfasst, verstand sich auch als kurzweiliger Unterhalter. Er zeigte Fotos von Restaurants, Hotelfoyers und Bars, die einen eher friedlichen und geschäftsmäßigen Eindruck vermittelten. „Die Flasche Bier kostet ein Euro“, verriet er schmunzelnd und zückte an diesem Abend immer wieder seine Schnupftabakdose. Beinahe wie ein Kriegsreporter war er durch die Straßen gezogen und hatte den schrecklichen Anblick von zerstörten Gebäuden und Anlagen auf authentischen Aufnahmen festgehalten. Ein Foto gibt junge Kämpfer auf einem Militärtransportwagen wieder, die mit ihren lachenden Gesichtern offenbar bester Laune sind: „Die Stimmung der Soldaten ist ein Gradmesser für die Lage eines Landes.“ Wie junge Menschen und ganze Familien etwa in der Altstadt von Damaskus mehr oder weniger optimistisch durchhalten, damit befasste sich ein weiteres Kapitel von Lindls Vortrag.

Ihr Zusammenhalt sei wunderbar. Er berichtete von einem lebendigen Vereinsleben und jungen Studenten, die trotz der Kämpfe bleiben wollten. Die christliche Minderheit mache sich jedoch über das staatliche Regime Sorgen. Diktator Baschar al-Assad gehört der alewitischen Minderheit an. „Dass da eines Tages muslimische Kräfte die Oberhand gewinnen, davor haben sie große Angst.“ Dennoch gab sich Ulrich Lindl optimistisch, was die Zukunft des gebeutelten Staates angeht, dessen Wiederaufbau auf mehr als 300 Milliarden Euro beziffert werde. „Ich glaube, dass man in drei Jahren Damaskus wieder als normaler Reisender besuchen kann.“

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