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Gersthofen

18.04.2019

Wie bei Hitchcock: Immer mehr Krähen trotz Vergrämung

In der Nähe des ehemaligen Kuka-Turm am Hery-Park in Gersthofen haben sich in den Bäumen viele Krähenpaare ein Nest gebaut. Aus dem Nogentpark, der im Inneren der Stadt neben dem Hallenbad liegt, wurden die streng geschützten Vögel durch den Einsatz von Falken vergrämt.
Bild: Marcus Merk

Plus Trotz einer Vergrämung durch Falken nimmt die Zahl dieser geschützten Vögel in Gersthofen und Meitingen weiter zu. Inzwischen werden die Ausweichangebote knapp. 

Seit Jahren treiben zahlreiche Krähen in Gersthofen und Meitingen ihr Wesen. Jetzt, in der Brutsaison, sind die schlauen Vögel wieder allgegenwärtig. Die Stadt versucht seit Jahren, die Ausbreitung der Brutkolonien einzuschränken. Doch es werden trotz Vergrämung immer mehr. Deswegen fordern Bürgermeister und Falkner dringend, dass die Regierung von Schwaben und der Freistaat eine nachhaltigere Strategie gegen die Zunahme der Populationen zulässt.

Dabei hat die Stadt auch in diesem Jahr wieder eine Vergrämungsaktion beim Nogentpark durchgeführt. Dort hatten die Anwohner in den vergangenen Jahren stark unter den Hinterlassenschaften und dem Lärm der Vögel gelitten. Allerdings ist die Vergrämung laut Bürgermeister Michael Wörle eine jährlich wiederkehrende Aufgabe.

Es muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden

So wurde über Jahre hinweg der Falkner Leo Mandlsperger engagiert, der mit seinen Greifvögeln die schlauen schwarzen Vögel vertrieb. So meldete die Stadt Gersthofen vor einem Jahr: „Der Nogentpark ist seit drei Jahren krähenfrei.“ Auch in diesem Jahr rückte Mandlsperger wieder in Gersthofen an: „Wahrscheinlich wegen der Arbeiten am Bahnhof und beim Hery-Park wollten 15 Paare innerhalb von drei Tagen flüchten und ihre Nester wieder auf den Bäumen im Nogentpark bauen“, erklärt Mandlsperger auf Anfrage. „Doch wir konnten sie erfolgreich davon abhalten.“ Weil die Krähen sehr streng geschützt sind, muss für die Vergrämungseinsätze des Falkners jeweils eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. „Auch für das nächste Jahr haben wir bereits alle erforderlichen Anträge gestellt. Wir hoffen, dass die Genehmigung weiter läuft.“

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Um die Krähen zu vertreiben, setzt Leo Mandlsperger Falken, Habichte und einen Wüstenbussard ein. „Diese Vögel sind für den Zweck topp.“ Bereits Anfang Januar ist er mit seinen Greifvögeln erstmals vor Ort. „Es hat sich gezeigt, dass es am effektivsten ist, wenn wir den Vögeln zeigen, dass wir da sind, bevor der eigentliche Nestbaubetrieb beginnt. Das macht die Vergrämung während der Nestbauzeit einfacher.“

Hauptbrutkolonie ist inzwischen der Hery-Park

Die Hauptbrutkolonie der Krähen in Gersthofen ist inzwischen der Hery-Park und der Bereich der Kreuzung Bahnhofstraße und B2/17. Bürgermeister Michael Wörle allerdings sieht das Krähenproblem weniger entlang der B2/17. „Irgendwohin müssen die Vögel ja.“ Und die Umgebung des Hery-Parks war von städtischer Seite bisher sogar eher erwünscht als Brutraum für die geschützten Vögel.

„Jetzt müssen wir uns aber rechtzeitig Gedanken machen, wie wir sie aus dem Bahnhofswäldchen herausbringen.“ Denn wenn der derzeit laufende Bahnhofsumbau beendet sei und das bisher sehr verwilderte und verwahrloste Wäldchen ökologisch aufgewertet worden sei, störten die Vögel dort, so Michael Wörle weiter.

Gerade so unter Kontrolle

Auch in Meitingen konnten dank dem Falkner das Ortsgebiet und der Schlosspark frei gehalten werden. „Mit fünf bis sechs Nestern, die dort gebaut wurden, haben wir das gerade so unter Kontrolle.“ Meitingens Bürgermeister Michael Higl sieht hier auch eine Aufgabe von Freistaat und Regierung. „Als Vorsitzender des Gemeindetags habe ich einmal versucht, alle betroffenen an einen Tisch zu bekommen. Aber es erwies sich sehr schwierig, eine Lösung zu finden.“

Wenigstens sei dabei am Ende das Pilotprojekt der Vergrämung mithilfe von Greifvögeln herausgekommen. Nun hoffen beide Bürgermeister und der Falkner, dass die Sondergenehmigungen auch verlängert oder professionellere Lösungen gefundne werden. „Denn dass die Vergrämung funktioniert, das haben wir bewiesen.“ So sei es ihm und seinen Mitarbeitern in Leipheim gelungen, 1400 Krähen innerhalb von drei Jahren aus dem Stadtgebiet zu vertreiben und in alten Gehölzen außerhalb anzusiedeln. Auch in Meitingen zeigt sich Wirkung, so Michael Higl: „Die Vögel kennen den Falkner bereits und ziehen schon ab, wenn sie ihn nur sehen.“

Allerdings hatte Mandlsperger im vergangenen Jahr in Asbach-Bäumenheim aufgrund der riesigen Anzahl der Vögel resigniert. Er macht sich keine Illusionen: „Die Krähen werden immer mehr. Nächstes Jahr könnten wir ein ernsthaftes Problem bekommen, denn die Ausweichangebote reichen in den Gemeinden bald nicht mehr aus.“

Um die 100 Nester an der Kinderklinik

Ein neuer Einsatzort wird wohl im Jahr 2020 für Mandlsperger hinzukommen: „Bei der Kinderklinik am Uniklinikum Augsburg gibt es um die 100 Nester.“ Die Anträge für einen Einsatz der Greifvögel dort laufen bereits. „Es ist ja schon aus hygienischen Gründen problematisch, wenn Besucher der Klinik im Eingangsbereich durch die Hinterlassenschaften der Vögel laufen müssen und Reste davon mit ihren Schuhen ins Krankenhaus hineintragen.“

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