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Immobilien

13.04.2019

Wie dicht dran darf dicht sein?

Das Grundstück am Baumschulenweg soll bebaut werden.
Bild: Andreas Lode

Immer wieder stören sich Nachbarn an Neubauvorhaben. Ein Beispiel aus Aystetten

„Nachverdichtung“ und „Innenraumverdichtung“ sind in der Bauleitplanung der Kommunen die Schlagworte, wenn es darum geht, neuen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dafür aber dem Flächenfraß Einhalt zu gebieten. Klingt gut, sorgt aber im Einzelfall immer wieder für Ärger. So wie jetzt in Aystetten, das wegen seiner guten Lage als begehrtes Ziel unter Häuslebauern gilt.

Konkret geht es um zwei Doppelhäuser, ein Einfamilienhaus und eine Tiefgarage, die auf einem Grundstück am Baumschulenweg 9 gebaut werden sollen. Schon im März hat der Gemeinderat, nach positiver Beratung im Bauausschuss, dem Antrag auf Vorbescheid des Bauwerbers seine Zustimmung gegeben; auf der April-Sitzung des Gemeinderats wurde jetzt im Nachgang auch die für die Tiefgaragenzufahrt notwendige Abgrabung des recht hügeligen Areals genehmigt.

Auch das Landratsamt hat, machte Bürgermeister Peter Wendel klar, für die Abgrabung seine Zustimmung gegeben. Ebenso habe das Landratsamt dem Bauwerber die Befürwortung für die vorgesehene Bebauung in Aussicht gestellt, einschließlich der notwendigen Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans „Rosenhag“. Dieser stammt aus dem Jahr 2006. Das Baugrundstück ist bereits gerodet, ebenso wie zwei anliegende Nachbargrundstücke, die laut Beschilderung ebenfalls als Bauplätze zu verkaufen sind.

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Das alles gefällt Dr. Thomas und Sabine Freislederer, unmittelbare Nachbarn der im Vorbescheid genehmigten Bebauung, gar nicht - und dies ließen sie bereits Ende März auch andere Anlieger brieflich wissen mit der Bitte, sich zu wehren. Freislederer will sich auch von einem auf Baurecht spezialisierten Anwalt beraten lassen.

Zum einen moniert Thomas Freislederer die „Totalrodung“ des betreffenden Grundstücks und der beiden künftigen Baugrundstücke in einer „Nacht- und Nebelaktion“. Der Bebauungsplan weise doch darauf hin, dass im Falle einer Bebauung auf die gewachsene Bepflanzung Rücksicht zu nehmen sei. Er habe deshalb Kontakt mit dem Landratsamt Augsburg aufgenommen, so Freislederer. Zudem verstoße die vorgesehene Bebauung mit ihrem Ausmaß gegen den Bebauungsplan „Rosenhag“, nach dem nur Einzelhäuser mit maximal zwei Wohneinheiten gebaut werden dürften, wobei das zweite Vollgeschoss bereits im Dachgeschoss liegen müsse. Doppelhäuser seien demnach laut Bebauungsplan nicht erlaubt, ebenso wenig die Geschoßzahl Erdgeschoß, erstes Obergeschoss und Dachgeschoss, wie nun vorgesehen.

Bürgermeister Wendel und der Gemeinderat stehen jedoch hinter der geplanten Bebauung. Der Aystetter Rat habe sich schon vor Längerem für eine Nachverdichtung ausgesprochen. „Dies entspricht auch dem Wunsch der bayerischen Staatsregierung“, betont Peter Wendel. Von den Festsetzungen des Bebauungsplans dürfe befreit werden, wenn die Grundzüge der Planung nicht berührt würden und Abweichungen städtebaulich vertretbar und mit nachbarlichen und öffentlichen Belangen vereinbar seien. Der Bauherr habe die nötigen Befreiungen mit dem Landratsamt abgesprochen, der Bauausschuss Aystetten habe ausführlich beraten. Zudem gebe es – was die monierte „Totalrodung“ anbelangt – in Ay-stetten keine Baumschutzverordnung. Der Grundstückseigentümer werde Nachpflanzungen vornehmen. (pks)

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