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Gersthofen

13.10.2019

Wie ein Goggomobil glücklich macht

Christian Fuchsbauer hat sein Goggomobil, Baujahr 1966, gemeinsam mit seinem Vater jahrelang eigenhändig restauriert.
Bild: Foto: Marcus Merk

Am Rande der Kirchweih in Gersthofen gab es erstmals Vespas und Oldtimer zu bewundern. Was die Besitzer an den Fahrzeugen fasziniert

Mit bunten Blümchen hat Felix Offner seine hellblaue Simson verziert. Das Kultmoped der ehemaligen DDR schaut damit nett und freundlich aus und gefiel gestern am Volksfestplatz Gersthofen vor allem den Frauen und Mädchen. Der Besitzer aus Fischach stellte wie viele andere sein geliebtes Zweirad zur ersten Oldtimer-Schau im Rahmen der Kirchweih aus.

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Rund 50 Vespas und 30 schöne alte Autos waren am Straßenrand zu bewundern. Die Liebe zum Detail ist das, was Oldtimerfreunde eint. Felix Offner hat seine Simson Schwalbe KR 51-2 nicht nur mit Blumen versehen, sondern auch Einfassungen für Lampe und Blinker aus Holz gefräst. Hinten hat der Fischacher einen Schulranzen als Gepäckträger aufgeschnallt. Für Offner ist die Simson nicht nur ein Liebhaberstück „zum Rumschrauben“, sondern auch ein Gefährt für Ausfahrten bei schönem Wetter. Im vergangenen Jahr hat es der Lehrer damit auf rund 15000 Kilometer gebracht. Oft begleitet ihn dabei sein Bruder Alois, der ebenfalls eine Simson hat. Die beiden treffen sich mit Gleichgesinnten alle zwei Wochen zum Stammtisch in Gersthofen bei Bob’s. Zwei aus der Gruppe würden sogar das ganze Jahr über fahren, erzählt Alois Offner. Die meisten nutzten die Motorräder aber nur bei schönem Wetter.

Mit allen möglichen Farben und Designs standen die Roller gestern in Reih und Glied. Die meisten Besitzer gehören zum Rollerkö Augsburg, eine lose Gemeinschaft, die sich austauscht und zu Ausfahrten trifft. Alex Konrad ist schon seit der Jugend ein Vespa-Fan. Er hat insgesamt noch fünf Stück. Mit einem grauen Exemplar ist er nach Gersthofen geknattert. Lieblingsstücke sind zwar alle seine fünf Vespas, aber mit dieser war er sogar schon in Italien. Drei Tage lang ist er mit Kumpels – natürlich ebenfalls auch auf einer Vespa – Richtung Süden gefahren. Vespafahren ist für Konrad mehr als Mobilität. „Das ist eine Lebenseinstellung.“ Da man sich Zeit nehmen müsse, entschleunige so eine Fahrt. Ein normales Motorrad sei im Vergleich „seelenlos“, sagt Konrad mit einem Schmunzeln. Der Wert solcher alten Roller sei enorm gestiegen in den vergangenen Jahren, weiß der Augsburger. Viele nutzten so etwas als Geldanlage. Konrad hat seine Vespa mit Baujahr 1965 vor längerer Zeit für rund 700 Mark gekauft, heute würde sie mindestens 5000 Euro kosten. Beim Kauf eines solchen Zweirads sei daher aktuell Vorsicht geboten, warnt Konrad. Sollte jemand sich eine Vespa oder Ähnliches anschaffen wollen, sollte er sich unbedingt jemanden mit Fachkenntnis an die Seite holen. Es seien vor allem aus dem Ausland immer wieder „Blender-Modelle“ im Umlauf, die zwar schön ausschauen, aber nicht hochwertig gebaut sind.

Wie ein Goggomobil glücklich macht

Wo die Liebe hinfällt: Nie mehr trennen würde sich Christian Fuchsbauer von seinem roten Goggomobil Coupé. Ein Foto in der Scheibe erinnert daran, wie das Auto beim Kauf aussah. Es war nur noch Schrott. Sein Vater, ebenfalls ein Oldtimerfan, und er restaurierten das Auto sechs Jahre lang in Eigenregie. Als Fuchsbauer 18 Jahre alt wurde, war es fahrtauglich. Dort, wo sonst ein Kofferraum ist, steckt der Motor. Der Gersthofer hat daher einen Koffer auf das Heck draufgesetzt. Mit dem Goggomobil ist er mit etwa 60 bis 70 Stundenkilometern unterwegs. Am Steuer geht es für ihn dann auch gerne mal Richtung Berge. Das rote Goggomobil zog gestern genauso die Blicke auf sich wie eine BMW Isetta, ein VW Käfer und vieles mehr.

Es war das erste Mal, dass bei der Gersthofer Kirchweih eine Oldtimerschau stattfand. Die Organisatorin der Stadt, Kerstin Gaipl-Härle, ist rundum zufrieden mit der Resonanz. Da der verkaufsoffene Sonntag nicht mehr die Kunden anlockt, sollten die Fahrzeuge eine neue Attraktion sein. Die Premiere ist nach Ansicht der Organisatorin gut geglückt. Die Stadt will die Schau daher im nächsten Jahr zur Jubiläumskirchweih (die 70.) sogar noch etwas größer aufziehen.

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