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Neusäß-Steppach

23.08.2019

Wie ein Steppacher Künstler Fotos mit dem Pinsel malt

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2 Bilder
Raúl Contreras hat sich vor allem detailgenauen Motorrad-Motiven verschrieben – und malt diese fotorealistisch mit weiß auf schwarz. 
Bild: Thomas Hack

Raúl Contreras war Tierarzt und Journalist. Jetzt macht er hypnotisierende Werke, die wirken wie Schwarzweiß-Abzüge aus der Kamera. Und doch sind es Gemälde.

Er arbeitet nur mit der Farbe Weiß, und doch brillieren seine Gemälde in tiefstem Schwarz. Seine Motive sind klar definiert, und doch gleichen sie Wimmelbildern, in denen man unentwegt neue Überraschungen entdeckt. Seine Bilder scheinen direkt aus dem Fotoapparat entsprungen zu sein, und doch sind sie mit Pinsel, Acryl und Stiften gemalt.

Der Steppacher Künstler Raúl Contreras hat die seltene Gabe, derart fotorealistisch zu arbeiten, dass sich dem Betrachter ganz neue, hypnotisierende Welten offenbaren, die an Detailreichtum die Wirklichkeit übertreffen. Sein Hauptmotiv: weiße Motorradszenen auf schwarzem Untergrund. Warum er sich für eine solch ungewöhnliche Substitution der Farben entschieden hat? „Auf diese Weise bringt man Licht in die Dunkelheit. Und waren nicht alle wichtigen Dinge am Anfang schwarz – wie etwa Autos, Telefone, Radios? Weil die Technik wichtig war, nicht das Design!“ Zudem bliebe so die ganze Aufmerksamkeit beim Motiv und man könne eine sehr viel bessere Plastizität aufbauen, erklärt Contreras weiter.

Texturen malt er so realistisch wie möglich

So gelingt es ihm auf magische Weise, auch rein technischen Dingen eine Art Seelencharakter einzuverleiben: Ohne genau zu wissen, weshalb, erkennt der Betrachter auf den Bildern das Alter nostalgischer Lederbezüge, das Glitzern einer Metallschraube oder ein Stückchen Noppenfolie hinter einer abgelegten Stahlfeder. „Ich versuche, die Texturen so aussehen zu lassen, wie sie einfach wirklich sind.“

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Doch Contreras ist nicht nur Meister der Texturen, sondern auch Herrscher über das Licht. So scheint eines der Bilder in einem kühlen blauen Neonlicht zu erstrahlen –doch auch dieses ist „nur“ mit weißer Farbe gemalt. „Ich wollte einfach dieses kalte Leuchten“, erklärt Contreras geheimnisvoll dazu. Wie lange er wohl brauchte, um die winzigen Beschriftungen auf den unzähligen Holzkisten in einer alten Werkstatthalle wiederzugeben? „Wie man sieht, habe ich hier keine Uhr“, sagt Contreras schelmisch.

Auch das „zeitlose“ Atelier des gebürtigen Spaniers gleicht einem sympathischen Sammelsurium an Kontrasten: weiße Farbtöpfe auf orientalischen Beistell-Tischchen sind zu sehen, Klassikgitarren zwischen Motorradgemälden, Auto-Enzyklopädien neben einem Kunstband von Renoir. Fast beiläufig fällt der Blick auf „echte“ Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen Contreras in berauschender Weise die Emotionen von Menschen in Madagaskar verewigt hatte.

Ist hier ein neues Universalgenie am Werk?

Seine Lebensstationen lassen jedenfalls durchaus an den Renaissancekünstler Leonardo da Vinci denken: Biologiestudium, Tierarzt, Mechatroniker, Pressefotograf, Journalist, Gitarrist, Wappenmaler, Kunstlehrer.

Und gerade letztere Berufung ist Contreras wichtig, da es für ihn eine Sache des Herzens sei, Kinder in der Kunst zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass die wahre Tiefe von innen kommt. „Du brauchst Geduld, Wissen und Leidenschaft“, betont er dabei immer wieder. Begeistern seine Gemälde nur eingefleischte Motorradfans? Contreras lacht und schüttelt den Kopf: „Kürzlich hat hier meine Tochter Geburtstag gefeiert. Die Eltern, die die Kinder abgeholt hatten, haben meine Bilder gesehen und eine Gänsehaut bekommen.“

Ob er nicht einmal eine Ausstellung geben möchte? Contreras würde das gerne tun, doch es gibt ein gewisses „Problem“: Seine Bilder sind bereits verkauft, bevor sie überhaupt fertiggestellt sind – zum Teil an Millionäre aus fernen Ländern. Doch der Künstler zeigt sich auch in dieser Hinsicht ganz bescheiden: „Ich mache alles nur vom Herzen aus, und das ist wichtig für die Menschlichkeit. Wenn die Leute begeistert sind, ist das meine schönste Bezahlung.“

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