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Gersthofen

24.12.2020

Wie eine Großfamilie aus Gersthofen heuer Weihnachten feiert

Auch die Nikolausfeier, zu der sich oft bis zu 30 Personen im Wohnzimmer drängen, musste heuer schon ausfallen. Unser Bild entstand 2019.
Bild: Peter Metzger

Plus Sechs Kinder, neun Enkel und vier Urenkel gehören zur Familie Metzger aus Gersthofen. Wegen Corona fällt der Heilige Abend dort diesmal ganz anders aus.

Im Verlauf eines Jahres gibt es innerhalb der Gersthofer Familie Metzger vier Muss-Termine: An Ostern, Nikolaus, Weihnachten und an ihrem Geburtstag erwartet Siglinde Metzger den Großteil ihrer sechs Kinder, neun Enkel und vier Urenkel bei sich zuhause. "Ein Besuch bei unserer Mutter ist an diesen Tagen ziemlich verpflichtend", sagt ihr Sohn Peter Metzger. Doch heuer ist im Zeichen der Corona-Pandemie alles anders. Die 85-Jährige zählt zur Hochrisikogruppe, die Familie macht sich große Sorgen.

Bis zu 30 Menschen drängen sich sonst im Wohnzimmer der Gersthofer Familie

Die Seniorin selbst war zunächst relativ unbesorgt, wollte den Nikolausabend zusammen mit ihren Lieben genießen. "Erst als ein Artikel in der Zeitung erschienen ist, dass die Nikoläuse heuer nicht ins Haus kommen, haben wir den traditionellen Nikolausabend eine Woche vorher abgesagt", berichtet Peter Metzger.

Dieser besagte Abend ist sogar für altgediente Nikoläuse der Gersthofer Kolpingsfamilie immer wieder ein Höhepunkt ihrer Kampagne. "Bis zu 30 Menschen drängen sich da oft im Wohnzimmer, es wird Klavier gespielt und gemeinsam gesungen. Anschließend muss der Knecht Rupprecht für jeden ein Päckchen verteilen", erinnert sich Reinhold Dempf, der die Nikolausaktion seit 30 Jahren organisiert.

Doch Corona ließ die traditionelle Feier, die bereits seit fünf Jahrzehnten stattfindet, nicht zu. "Ein Video mit einer Ansprache des Nikolauses wäre für meine Mutter niemals in Frage gekommen und ein kleiner Kreis ist nicht das, was sie sich an diesem Abend vorstellt", sagt Peter Metzger. Nur er und seine Frau waren diesmal am Nikolausabend zu Besuch.

Auch der Heilige Abend wird für die Familie Metzger, zu der auch der Aichacher Landrat Klaus Metzger gehört, in diesem Jahr ganz anders ausfallen, nachdem sich ein Haushalt nur mit vier weiteren Personen treffen darf. In den Jahren zuvor war stets die gesamte Großfamilie um den Weihnachtsbaum der Mutter, Oma und Uroma versammelt.

"Wir wissen noch nicht, wie wir das organisieren, dass immer nur ein Kind mit Familie zu ihr kommt", grübelt Peter Metzger. Nur gut, dass bis auf eine Schwester in Berlin und eine weitere in Augsburg alle anderen Geschwister in Gersthofen leben. Sonst hätten sie sich angesichts der Ausgangssperre ab 21 Uhr schon zeitig auf den Heimweg machen müssen.

Für den Gottesdienst haben sie einen Platz reserviert

Seine Mutter sei keinesfalls eine Corona-Leugnerin, sagt Peter Metzger: "Sie will sich zwar nicht impfen lassen, aber will, dass alles besser wird", sagt er mit einem Lächeln. Obwohl sie mittlerweile doch sehr besorgt sei, was Corona betrifft, und sogar einen Test habe machen lassen, hat sich Siglinde Metzger am Heiligen Abend einen Platz in der Kindermette reserviert. So ist sie dann auch wieder rechtzeitig vom Gottesdienst zuhause, wenn einer der Söhne zu Besuch kommt. Corona hat dafür gesorgt, dass Weihnachten diesmal ganz anders ausfällt. Ganz intensiv bekommt dies eine Großfamilie zu spüren.

So hart es klingt, aber das probateste Mittel zur Eindämmung von Corona sind Kontaktbeschränkungen. Bereits seit dem 16. Dezember wurde der harte Lockdown verhängt. Nur maximal fünf Personen aus zwei Haushalten (Kinder unter 14 Jahren sind ausgenommen) dürfen sich treffen. Trotzdem bewegen sich die Infektionszahlen noch immer auf hohem Niveau. Deshalb wurden viele versprochenen Lockerungen für Weihnachten und Silvester wieder gestrichen.

Strenge Auflagen werden über die Weihnachtsfeiertage nur wenig gelockert

Über die Weihnachtsfeiertage wurden diese strenge Auflage nur wenig gelockert. Von 24. bis 26. Dezember dürfen sich Personen aus einem Haushalt mit bis zu vier Menschen aus verschiedenen Haushalten treffen. Als ein Haushalt definiert die Regierung dauerhaft zusammenlebende Personen.

Keine Partner oder Angehörige die nur zu Besuch kommen. Kinder unter 14 Jahren sind ausgenommen. So können sich an Weihnachten beispielsweise eine unter einem Dach lebende Familie mit den Großeltern sowie einer Tante und ihrem Mann treffen. Für Silvester gilt diese Regelung jedoch nicht. Hier gilt wieder die ursprüngliche Beschränkung von fünf Personen aus zwei Haushalten.

Die Ausgangssperre wird für die Feiertage übrigens nicht gelockert. Nach wie vor gilt, dass das Haus zwischen 21 und 5 Uhr nur aus triftigem Grund verlassen werden darf. Man darf also in die Arbeit fahren, mit dem Hund Gassi gehen, Sterbende begleiten oder wegen eines medizinischen Notfalls ins Krankenhaus fahren. Nicht erlaubt sind jedoch Sport im Freien, das Besuchen von Freunden und Verwandten (außer man übernachtet dort und fährt erst am Morgen nach Hause) oder Spaziergänge.

Eine Ausnahme von der Ausgangssperre wird es auch nicht für die Christmette geben. Sie sollten so gelegt werden, dass die Besucher bis spätestens 21 Uhr zu Hause sind. die Staatsregierung appellierte deshalb an die Kirchen, die Christmetten - die üblicherweise um Mitternacht stattfinden - wegen des Lockdowns vorzuverlegen. Auch das Trinken von Alkohol ist in der Öffentlichkeit verboten. Bei Missachtung droht ein Bußgeld von mindestens 500 Euro.

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