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Kultur

12.11.2013

Wie im Rausch

Für die Musiker des Stadtberger Symphonieorchesters war das Konzert ein wahrer Marathon.
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Für die Musiker des Stadtberger Symphonieorchesters war das Konzert ein wahrer Marathon.

In Stadtbergen waren Wagners unbekannte Seiten zu hören: Für das Publikum ein Genuss, für die Akteure eine Herausforderung

Stadtbergen Einen gänzlich anderen Wagner wollten sie präsentieren. Einen Wagner, wie ihn wohl die wenigsten Besucher kennen dürften. Das ist gelungen. Das Symphonieorchester Stadtbergen hat sich im Jubiläumsjahr des grandiosen Meisters etwas ganz Besonderes einfallen lassen und im Bürgersaal ein wuchtiges Klanggemälde mit fast vergessenen Werken des klassischen Komponisten zum Besten gegeben.

Der Veranstalter, der Richard-Wagner-Verband Augsburg, hatte mit Stücken aus Wagners jungen Jahren dafür gesorgt, dass dieser Abend selbst für Kenner zu einem ungewöhnlichen Musikerlebnis werden sollte. „Träume“ hieß die zu Musik gewordene Poesie, mit welcher der ergreifende Streifzug in die Welt des jugendlichen Genies seinen atmosphärischen Anfang nahm.

Streicher und Hörner begannen sich langsam an das düstere Sujet heranzutasten, um dann ganz allmählich in einer unheilvollen Grundthematik ineinander zu versinken. Violinist Harry Christian durchbrach die melodramatischen Motive in seinem bewegenden Solo mit getragenen Läufen des wehmütigen Instruments.

Wie im Rausch

Columbus-Ouvertüre als allegorischer Höhepunkt

Das Orchester begann nun nach und nach neue Klangwelten zu erkunden und zauberte mit der „Columbus-Ouvertüre“ einen weiteren allegorischen Höhepunkt in die Konzerthalle. Nicht nur die auslaufende Flotte des Entdeckers wurde hier orchestralisch in ein musikalisches Gewand gekleidet, sondern gleichermaßen dessen innere Zerrissenheit stimmungsvoll in Szene gesetzt. Man glaubte am Ende gar vor sich zu sehen, wie sich der dichte Schleier über dem Ozean der Klänge lichtete und schließlich ein unbekanntes Neuland durch den Nebel der hoffnungslosen Harmonien brach.

Die nun alles beherrschende Ausdrucksstärke der Instrumente glitt geradewegs über in den kraftvollen „Kaisermarsch“´. Dirigent Tristan Uth war jetzt endgültig in seinem Element angekommen: Der Taktstock begann zu rasen, der bebende Körper mit den durchdringenden Paukenschlägen eine entrückte Einheit zu bilden.

Mit dem „Huldigungsmarsch“ an König Ludwig II schien sich fast schon eine gewisse Befreiung über die Zuschauerreihen zu legen, zeichnete dieser doch ein Klanggemälde von beinahe schon harmonischer Melodienklarheit in den Raum.

Doch die feinen musikalischen Pinselstriche täuschten. Als sich das Stück in einem fulminanten Feuerwerk aus Bläsern, Streichern und Trommelwirbeln entladen hatte, wurde der Höhepunkt des Abends eingeläutet: die Symphonie in C-Dur, die Richard Wagner mit zarten 18 Jahren komponiert hatte.

Dirigent Tristan Uth springt zuckend in die Höhe

Die Symphoniker vereinten noch einmal ihre gemeinsame Ausdrucksstärke und Uth war mittlerweile ganz von einem unergründbaren Rauschzustand eingenommen: Der Dirigent raste, choreografierte, sprang immer wieder zuckend in die Höhe.

Als anschließend der bahnbrechende Applaus durch die Halle tobte, drückte auch er schließlich schweißüberströmt den Respekt vor seinen Musikern aus: „Dies war sehr sehr schwierig. Ein großer Marathon für ein Amateurorchester“ .

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