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Landkreis Augsburg

19.02.2020

Wie kommen mehr günstige Wohnungen im Landkreis auf den Markt?

Fieberhaft gebaut wird zum Beispiel auf dem Neusässer Sailer-Areal. Die Preise sind in den vergangenen Jahren steil angestiegen. Vor allem günstiger Wohnraum ist knapp.
Bild: Marcus Merk

Plus Trotz reger Bautätigkeit nimmt der Bestand an gefördertem Wohnraum in Stadt und Landkreis Augsburg ab. Wie man das Problem angehen will.

Mangelware bezahlbare Wohnungen: Alleinerziehende, Rentner oder Sozialhilfeempfänger sind besonders in Not. Deshalb gibt es im Landkreis Augsburg seit eineinhalb Jahren eine Wohnraumbörse. Die Idee: Vermieter können Wohnungen direkt online oder telefonisch für finanziell Benachteiligte anbieten. Der Landkreis fungiert als Ansprechpartner und Vermittler, der Mietangebote gezielt an infrage kommende Mieter weiterleitet. Bisher fanden 17 Menschen mithilfe der Wohnraumbörse in Stadtbergen, Gessertshausen, Königsbrunn und Aystetten ein neues Zuhause.

Angesprochen werden sollen so auch Eigentümer, die ihre leer stehenden Wohnungen bisher nicht angeboten haben, weil sie beispielsweise nicht modernisiert, eher klein oder vermeintlich unattraktiv sind. „Dabei ist jeder angebotene Wohnraum ein Gewinn für unsere Börse“, so Dominik Lichtenstern, zentraler Ansprechpartner für die Wohnraumbörse im Landratsamt Augsburg. Oft könne eine Wohnung mit nur wenig Aufwand hergerichtet werden.

Wohnungsmangel: Landrat appelliert an soziales Gewissen der Vermieter

Landrat Martin Sailer appelliert an das soziale Gewissen der Vermieter: „Ich wünsche mir, dass das Augsburger Land ein Ort der Solidarität und des Miteinanders ist – egal welcher Herkunft die Bürgerinnen und Bürger sind oder welcher sozialen Schicht sie angehören.“

Besonders hoch ist der Druck auf dem Mietmarkt in den Augsburg-nahen Gemeinden. Neusäß und Gersthofen haben deshalb eine eigene Beratungsstelle eingerichtet, die Menschen in Notlagen bei der Wohnungssuche unterstützen soll. In Stadtbergen zögert die Stadtpolitik noch, ob sie diesem Schritt folgen soll. Die Verwaltung verwies jüngst in einer Beratung des Sicherheits- und Verkehrsausschusses auf die Angebote des Landratsamtes und bezweifelte die Notwendigkeit, als Stadt mehr zu tun. Die Stadträte folgten dem mit einer Stimme Mehrheit, beschlossen aber gleichzeitig, sich das Vorbild in Neusäß und Gersthofen näher anzuschauen. Grünen-Stadtrat Thomas Miehler: „„Der Neusässer Bürgermeister Richard Greiner sagt, dass er mehr als froh um diese Stelle ist und sich sogar noch mehr Stunden dafür wünschen würde. Wir sollten mit Herrn Greiner reden.“

Die Mietpreisbremse in Neusäß und Stadtbergen ist wirkungslos

In Neusäß und Stadtbergen gilt wegen des angespannten Wohnungsmarktes seit August die sogenannte Mietpreisbremse. Mit der Mieterschutzverordnung darf die Miete in neu abgeschlossenen Mietverträgen in 162 bayerischen Kommunen nur um maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Außerdem darf der Vermieter innerhalb von drei Jahren Bestandsmieten nur um maximal 15 Prozent erhöhen (siehe grauer Kasten). Allerdings gibt es in beiden Städten keinen Mietspiegel, der zuverlässige Vergleichsdaten liefern könnte. Beide Stadträte scheuten bislang den damit verbundenen Aufwand.

Ohne Mietspiegel könne die vom Gesetzgeber beabsichtigte Bremse kaum greifen, sagt Josef Hartmann, Chef der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WBL, die ihre Zentrale in Stadtbergen hat. „Das Ganze greift ins Leere. Die WBL hat knapp 5000 Wohnungen in Stadt und Landkreis Augsburg überwiegend im preisgünstigen Segment. Die sind heiß begehrt: Laut Hartmann stehen aktuell 2800 Menschen auf der Warteliste.

Im Kreistag war die mehrheitlich dem Landkreis Augsburg gehörende Wohnungsbaugesellschaft schon gelegentlich wegen mangelnder Bautätigkeit kritisiert worden. Ihr Chef Hartmann verweist darauf, dass es kaum noch bezahlbare Grundstücke gebe, auf denen sich preisgünstiger Wohnungsbau verwirklichen lasse. Vergangenes Jahr wurden beim größten Vermieter des Landkreises 90 neue Wohnungen bezogen, heuer sollen es knapp 70 sein.

Insgesamt ist die Zahl der geförderten Mietwohnungen, bei denen die Höhe der Mieten einer Sozialbindung unterliegt, in Augsburg Stadt und Land seit 2007 um gut 3000 gesunken. Wie aus einer Antwort des bayerischen Bauministeriums auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Dominik Spitzer hervorgeht, lag sie 2019 noch bei etwas über 6800 (Landkreis allein: 1633). Auf der anderen Seite fördert der Bund den Bau von Eigenheimen. Exakt 498 Mal wurde das Baukindergeld im vergangenen Jahr im Landkreis Augsburg ausgezahlt. Mehr als zehn Millionen Euro Fördergelder flossen auf diesem Wege in die Region. Der Neusässer Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz (CSU) spricht deshalb von einem „vollen Erfolg“. Insbesondere die Vermögensbildung von Familien sowie Alleinerziehenden mit Kindern solle so gestärkt werden.

Wie die Immobilienpreise gestiegen sind

Im Augsburger Land steigen die Preise für Eigenheime derzeit steil an. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ging es zwischen 2014 und 2017/18 und 40 Prozent nach oben, bei Eigentumswohnungen sogar um 50 Prozent. Eine durchschnittliche Gebrauchtwohnung (75 Quadratmeter) kam 2017/18 auf 227.000 Euro. Noch rasanter ging es bei den Grundstückspreisen nach oben. Bauland verteuerte sich zwischen 2016 und 2018 in manchen Gemeinden laut Bodenrichtwerttabelle um 50 Prozent.

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