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Gablingen

17.04.2019

Wie kommt Gablingen an Bauland?

Seit Jahren liegt die Fläche brach: Die Bebauung der Ortsmitte zieht sich in Gablingen seit Jahren hin. Nun hat sich der Gemeinderat mit einem Konzept befasst, wie auch an anderen Stellen der Gemeinde Bauland geschaffen werden kann. Es soll eine vertretbare Lösung auch für die ursprünglichen Grundstückseigentümer geben.
Bild: Marcus Merk

Lange beschäftigt sich die Gemeinde mit der Frage, wie sie an mehr Flächen kommen soll. Jetzt liegt ein mögliches Modell vor.

Nicht nur in Berlin, sondern auch in der Gemeinde Gablingen ist die Frage nach Bauland und Wohnungen ein Dauerbrenner. „Das war ja schon öfter auf der Tagesordnung gestanden, damit haben wir uns intensiv auseinandergesetzt“, betont Bürgermeister Karl Hörmann, bevor er die endgültige Fassung des neuen „Baulandentwicklungsmodell“ vorliest.

Im Gespräch erklärt der Bürgermeister: „Das Modell ist grundsätzlich eine Festlegung auf eine Vorgehensweise bei der Schaffung von Bauland.“ Außerdem sollte es eine „klare Aussage, wie man mit Grundstückbesitzern umgeht“ beinhalten. Zwei Themen seien dem Gemeinderat und seiner Verwaltung besonders wichtig gewesen: die „Bedarfsdeckung der einheimischen Bevölkerung“ und die „Berücksichtigung von sozial Schwächeren“.

Baurecht führt zu Wertsteigerung

In dem Papier definiert die Gemeinde Gablingen zunächst unterschiedliche städtebauliche Ziele. Darunter „eine nachhaltige Entwicklung, um die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen in Einklang zu bringen“. Auch soll eine „dem Wohl der Allgemeinheit dienende und sozial gerechte Bodennutzung“ erreicht werden. Außerdem nennt das Papier „Verantwortung gegenüber jetzigen und künftigen Generationen“ und die „Schaffung von Wohnbauland, um die unterschiedlichen Bedürfnisse innerhalb des Gemeindegebiets abdecken zu können“. In diesem Zusammenhang nennt das Modell „niedrige und mittlere Einkommen“ und „junge Familien“. Das wichtigste Ziel des Modells ist laut Bürgermeister Hörmann aber, „klare Verhältnisse zu schaffen“. Niemand, „weder Grundbesitzer noch die Gemeinde sollen über den Tisch gezogen werden“, betont er. Der Beschluss legt ein klares Vorgehen dar. Wenn die Gemeinde beschließt, Bauland auszuweisen, „erwirbt sie zu einem möglichst frühen Zeitpunkt“ die Flächen, die in Frage kommen. Dadurch, dass die Gemeinde nach dem Erwerb Baurecht schafft, entsteht eine Wertsteigerung. Diese soll – nach dem Abzug der Kosten für die Erstellung des Bebauungsplanes, der Erschließung und der Kommunalabgaben – zu gleichen Teilen zwischen dem ehemaligen Eigentümer und der Gemeinde aufgeteilt werden. Die Gemeinde verkauft die Flächen dann mit Bauzwang weiter.

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Mehr Transparenz und Vertrauen schaffen

Alles in allem soll das Modell Transparenz und Vertrauen schaffen. Karl Hörmann gibt zwar zu: „Im Endeffekt werde ich die Meinung der Grundbesitzer, die ihr Land bisher nicht abgeben wollten, nicht großartig ändern.“ Er hofft allerdings, dass Menschen, die bisher die Befürchtung hatten, beim Verkauf „über den Tisch gezogen zu werden“, die Sicherheit „eines geregelten Systems“ zu schätzen wissen.

Der Gemeinderat äußerte sich zum Großteil positiv zu dem „Baulandentwicklungsmodell“, nur aus der CSU-Fraktion kam Kritik. Franz Rotter sagte: „Zwischen Recht und Gerechtigkeit wird hier unterschieden. Wer neues Land abgeben muss, wird benachteiligt.“

Die anderen Fraktionen sahen das nicht so. Walter Wörle von der SPD/Bürgerunion entgegnete: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Außerdem sei die öffentliche Hand irgendwann gefragt, betonte er und verwies auf die Diskussion über Enteignungen in Berlin. Auch bei Christian Kaiser von der Fraktion der Jungen Bürger Gablingen kam das Modell gut an. „Im Vergleich zur Vergangenheit ist das ein revolutionärer Schritt“, betonte er. Karina Ruf stimmte zu: „Ich sehe das als Chance.“

Christoph Luderschmid, ebenfalls von den Jungen Bürgern, fasste zusammen: Er sehe zwei Sichtweisen, die der Grundstücksbesitzer und die der Gemeinde. Sein Fazit: „An diesem Punkt müssen wir vielleicht mutig sein.“

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