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Dinkelscherben

16.04.2019

Wie lange wird das Trinkwasser in Dinkelscherben noch gechlort?

Seit Monaten wird das Trinkwasser in Dinkelscherben gechlort. 
Bild: Marcus Merk

Rund 200 Totleitungen könnten in Dinkelscherben entfernt werden. Sie gelten als entscheidend. Doch das dauert mindestens ein halbes Jahr. 

Die Bürger in Dinkelscherben sind es leid. Noch immer kommt aus ihren Wasserhähnen Wasser, das nach Chlor schmeckt. Um das so schnell wie möglich zu ändern, soll gehandelt werden. Entscheidend dafür könnte das Entfernen von alten Totleitungen sein. Über 200 davon gibt es im Gemeindegebiet. Sie könnten nun entfernt werden. Doch das dauert mindestens ein halbes Jahr und ist aufwendig.

Totleitungen sind Wasserleitungengen, die nicht genutzt werden, aber trotzdem am Netz hängen. Weil in ihnen für längere Zeit Wasser steht, gelten sie als Gefahrenquelle. Das Gesundheitsamt verlange, dass die Leitungen gespült und damit desinfiziert werden, erklärt Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb. Doch das sei nicht einfach. Denn die Leitungen enden teils unterirdisch, sodass man sie nicht spülen könne. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Leitungen brechen. Eine Spülung aller Totleitungen sei „technisch kaum leistbar“, erklärt Kalb. Er sieht deshalb nur eine Alternative: „Die Totleitungen müssen raus.“ Etwa 220 von ihnen gibt es um das Gemeindegebiet. 20 davon lägen in Neubaugebieten und würden bald ans Wassernetz angeschlossen, sagt Kalb. Die restlichen 200 Leitungen müssten entfernt werden.

Kosten von rund 400.000 Euro

Konkret heißt das, dass die Oberfläche dort aufgerissen ist, wo die Totleitungen liegen. Viele Straßen müssten aufgerissen und anschließend wieder asphaltiert werden. Die Folge seien „kleine unschöne Flecken“ auf den Straßen, erklärt Kalb. Er rechnet mit Kosten von gut 2000 Euro pro entfernter Leitung. Für alle Totleitungen ergibt sich also die Summe von 400 000 Euro. „Ich sehe momentan keine Alternative“, erklärt der Bürgermeister. Er könne nicht verstehen, weshalb die Behörden die Gemeinde vor derartige hohe Hürden stellen. Schließlich gebe es auch in jeder anderen Kommune tote Leitungen.

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Sollte der Gemeinderat dem Vorhaben zustimmen, könne schon bald mit dem Entfernen der Totleitungen begonnen werden. Der Bürgermeister schätzt, dass das etwa ein halbes Jahr dauern werde. Ob mit dem Entfernen der Totleitungen auch das Chloren endlich ein Ende hat, will Kalb nicht versprechen. Aus seiner Sicht stehe dem dann zwar nichts mehr im Wege, die Entscheidung liege aber beim Gesundheitsamt. Das teilt auf Nachfrage mit, die Chlorung könne aufgehoben werden, „wenn seitens des Marktes Dinkelscherben die hierzu erforderlichen Maßnahmen umgesetzt worden sind“.

Viele Mängel wurden bereits behoben

Seitdem ein coliformer Keim in Trinkwassernetz gefunden wurde, hat die Gemeinde viel unternommen. Mittlerweile habe man beinahe alle Risiken, die auf der Mängelliste der Behörden aufgetaucht sind, beseitigt, erklärt Kalb. Doch die Totleitungen stehen noch darauf.

Der Markt Dinkelscherben hatte die Reaktion des Gesundheitsamts für überzogen gehalten und war deshalb vor Gericht gegangenen. Im März wies das Verwaltungsgericht diese Klage allerdings ab. Die Behörde hatte handeln müssen, weil eine Grenzwertüberschreitung festgestellt worden war und weil die Versorgungstechnik nicht den Regeln entspreche. Die Anordnungen zum Abkochen und der Chlorung des Trinkwassers seien angemessen gewesen, entschied das Gericht.

Hier Lesen Sie die Hintergründe zum Urteil. Keine Berufung: Dinkelscherben akzeptiert das Chlor-Urteil

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