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Landkreis Augsburg

29.03.2019

Wie sag’ ich’s meinem Kind?

Julia Unger bietet am Montag, 1. April, von 19.30 bis 21 Uhr einen Vortrag zum Thema „Wie sag ich’s meinem Kind?“ an.
Bild: Unger

Tod oder Trennung: Manchmal müssen Eltern mit Töchtern und Söhnen über ganz schwierige Themen sprechen. Eine Expertin rät: Seien Sie ehrlich.

Heike hat eine schwere Aufgabe zu bewältigen. Vor kurzem hat sie von ihrem Arzt die Krebsdiagnose bekommen. Nun soll bald die Behandlung starten. Doch Heike rätselt: Wie soll sie ihrer Tochter beibringen, dass Mama krank ist und die Krankheit nicht so harmlos ist wie ein Schnupfen?

Julia Unger, Sozialpädagogin bei der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, rät zu Ehrlichkeit im Umgang mit „unangenehmen Themen“ und dazu, zu den eigenen Gefühlen zu stehen. Das sind die Grundlagen jeder Kommunikation über Krisen und Themen, die nicht alltäglich sind.

Ein Patentrezept gibt es es nicht

Das kann eine schwere Erkrankung sein oder gar der bevorstehende Tod eines geliebten Menschen. Auch die Trennung der Eltern oder gar ein Umzug in eine andere Stadt kann bereits zum „Krisenthema“ werden. „Unangenehme Themen nicht anzusprechen, wäre falsch, denn kein Elternteil kann sein Kind vor jeglicher schmerzhafter Erfahrung bewahren“, weiß die Sozialpädagogin. Ein Patentrezept geb es es nicht, wohl aber hat Unger einige Tipps parat.

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Wer wie Heike seinem Kind beibringen muss, dass Mama Krebs hat, muss diese Krankheit auch klar benennen, erklärt Julia Unger. Die Aussage „Mama ist krank“ lässt den Schweregrad der Erkrankung völlig außen vor. „Mama hat Krebs“ ist zwar die schwierigere Aussage, aber sie hilft den Kindern dabei, die Krankheit der Mutter in den richtigen Bezug zu setzen. Wer mit seinem Kind über den (nahenden) Tod einer Person sprechen muss, der muss hierfür ebenfalls klare Worte wählen. Den Tod als eine Form des „Entschlafens“ zu verniedlichen, könnte nämlich zu enormen Schlafproblemen beim Kind führen - „vor lauter Angst, nicht mehr aufzuwachen“, erklärt die Sozialpädagogin.

Die Eltern bleiben Eltern

Geht es darum, dem Kind beizubringen, dass die Eltern sich trennen, muss klar zwischen der Eltern- und der Paarrolle unterschieden werden. Das Kind muss erfahren, dass die Eltern Eltern bleiben, auch wenn sie nicht mehr zusammen wohnen. Das Kind muss hingegen nicht wissen, dass ein Elternteil Gefühle für eine andere Person entwickelt hat, was letzten Endes zur Trennung geführt hat.

Wer sein Kind mit einem unangenehmen Thema konfrontiert, muss zudem wachsam sein, mahnt Julia Unger und ergänzt: „Kinder setzen klare Zeichen, wenn es zu viel ist.“ Das könnte eine klare körperliche Abkehr aus dem Gespräch sein. Dann kann das Thema nicht weiter vertieft werden, sollte aber zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufgenommen werden. Grundsätzlich müssen Eltern nach einer „unangenehmen Botschaft“ ansprechbar sein und bleiben.

Kinder bei ihren Gefühlen abholen

Um ein unangenehmes Thema mit seinem Kind zu besprechen, muss immer ein kind- und altersgerechter Weg eingeschlagen werden. Im Umgang mit kleineren Kindern bieten sich Bücher an; je älter die Kinder werden, desto eher wird ein Gespräch zustande kommen, bei dem Eltern keine falschen Versprechungen machen dürfen, sondern ihre Kinder bei ihren Gefühlen abholen sollten.

So könnte Heike beispielsweise diese Formulierung im Gespräch mit ihrer Tochter wählen: „Ich kann dir nicht versprechen, dass ich wieder gesund werde, aber ich werde alles tun, damit das klappt. Und ja - ich habe ebenso Angst wie du.“

Vortrag: Julia Unger bietet am Montag, 1. April, von 19.30 bis 21 Uhr einen Vortrag zum Thema „Wie sag ich’s meinem Kind?“ an. Die Veranstaltung rund um den Umgang mit Krisen findet im St.-Gregor-Familienzentrum (Donauwörtherstraße 9c, Meitingen) statt. Eine telefonische Anmeldung unter 08271-813340 ist nötig.

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