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Aystetten/Neusäß

27.01.2020

Wie sicher ist das Neusässer Wasser vor dem Aystetter Keim?

Sieht sauber aus, ist es aber nicht: Im Aystetter Trinkwasser ist ein coliformer Keim gefunden worden, weshalb die Bürger das Wasser abkochen müssen. Wie es nun weiter geht, ist noch unklar. 
Foto: Marcus Merk

Plus Bislang ist trotz intensiver Kontrollen kein zweiter Keim in Aystetten gefunden worden. Die Gemeinde stimmt jetzt das Vorgehen mit dem Gesundheitsamt ab.

Verständnisvoll und gefasst – so hätten doch eine ganze Reihe von Aystettern reagiert, die er am Wochenende im Ort getroffen hatte, berichtet Bürgermeister Peter Wendel. Wie berichtet, wurde am Freitagvormittag bei einer Routinekontrolle des Trinkwassers ein coliformer Keim gefunden. Nach Absprache mit dem Gesundheitsamt wurden im Laufe des Nachmittags die Bürger über Durchsagen der Feuerwehr und rote Handzettel gewarnt und zum Abkochen des Trinkwassers aufgerufen.

Wie es jetzt weitergeht, hat der Bürgermeister am gestrigen Montag unter anderem mit dem Gesundheitsamt besprochen. Die gute Nachricht: „Im jüngsten Prüfbericht wurde kein Keim mehr gefunden“, berichtet Peter Wendel. Bis auf Weiteres bleibe die Abkochanordnung nun jedoch bestehen. Gleichzeitig stimmt die Gemeinde mit dem Gesundheitsamt, einem Ingenieurbüro und den Stadtwerken Augsburg das weitere Vorgehen ab.

Der Hochbehälter ist rund 60 Jahre alt

Bereits auf der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Wendel angekündigt, dass am rund 60 Jahre alten Hochbehälter bauliche Veränderungen vorgenommen werden müssten, das soll nun auch geschehen. Peter Wendel macht aber klar: „Wir wissen nicht, wo die Ursache für den Keimfund liegt.“

Es ist nicht der erste Fall von Keimen dieser Art, die in den kommunalen Trinkwasserversorgungen im Landkreis gefunden wurden. Dennoch ist für das Gesundheitsamt jeder Fall wieder neu. „Grundsätzlich geht die Arbeit des Gesundheitsamts jedoch immer von vorne los, da die Ursachen sehr unterschiedlich sein können“, so eine Sprecherin des Landratsamts. Fest steht bis jetzt: Das Wasser, das Aystetten vom zuständigen Versorger, der Loderberggruppe erhält, ist bis zur Übergabestelle am Hochbehälter Aystetten einwandfrei. Dort wird es in einem freien Auslauf von einem zum anderen Hochbehälter übergeben. „Es gibt keinen Kontakt zwischen dem Wasser im Aystetter Hochbehälter und dem Wasser vom Loderberg-Hochbehälter“, erklärt die Pressesprecherin der Stadt Neusäß, Michaela Axtner.

Rückverkeimung soll ausgeschlossen werden

Für die Stadt Neusäß ist das besonders wichtig, um sicher zu gehen, dass eine Rückverkeimung ausgeschlossen ist. Immerhin versorgt die Loderberggruppe auch die Neusässer Stadtteile Täfertingen, Hammel und Ottmarshausen. Über einen zweiten Weg soll zudem ausgeschlossen werden, dass sich das Wasser der beiden Trinkwassernetze vermischen kann: Die Umgehungsleitung des Hochbehälters Aystetten, die benötigt wird, falls Reparaturarbeiten oder eine Spülung des Hochbehälters notwendig werden, ist durch zwei geschlossene Schieber abgesichert, so die Neusässer Sprecherin weiter.

Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin der Hochschulambulanz für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Chlor.
Video: Maria Heinrich

Genau solch ein doppelter Schieber musste im vergangenen Sommer an einer Übergabestelle zu den beiden Gersthofer Stadtteilen Hirblingen und Edenbergen nachgerüstet werden. Auch diese beiden Orte werden eigentlich von der Loderberggruppe mit Wasser versorgt, seitdem auch in Gersthofen Keime im Trinkwasser gefunden worden, ist die Verbindung jedoch gekappt.

Leitungen in Neusäß waren auf dem Prüfstand

Rund um die Stadt Neusäß gibt es inzwischen Probleme mit dem Trinkwasser: In Aystetten muss seit wenigen Tagen abgekocht werden, in Diedorf wird das Wasser seit knapp eineinhalb Jahren gechlort. In Gersthofen wird seit dem Sommer abgekocht, eine Chlorung, die das überflüssig machen würde, hat bislang nicht den erhofften Erfolg. Bereits 2018 hat die Loderberggruppe damit begonnen, ihre technischen Anlagen zu überprüfen, außerdem waren seitdem in Neusäß die Leitungen auf dem Prüfstand. Die übrigen Neusässer Stadtteile werden von den Stadtwerken Augsburg versorgt.

Fälle von Abkochanordnungen im Augsburger Land haben dabei in den vergangenen Monaten und Jahren einen ganz unterschiedlichen Verlauf nehmen können. In Rommelsried etwa konnte ein Abkochgebot im Herbst 2018 nach einer Woche wieder aufgehoben werden, nachdem ein toter Siebenschläfer im Hochbehälter als Grund für einen Keimfund erkannt worden war. In Diedorf hingegen ist der genaue Grund für einen Keimfund im Sommer 2018 bis heute unklar, das Wasser wird seitdem gechlort. Auch in Gersthofen ist nicht geklärt, woher die Keime im Trinkwasser stammen. Hier werden aktuell die Leitungen gespült.

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