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Landkreis Augsburg

12.11.2019

Wie sicher ist das Sparen im Augsburger Land?

Der Raiffeisenbank Ichenhausen muss angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank selbst Sparverträge mit niedrigen Zinsen kündigen
Bild: Wolfgang Kahler (Archiv)

Plus Banken aus dem Augsburger Land stehen derzeit zu ihren Vereinbarungen. Doch für die Zukunft will keiner der Bankchefs aus dem Landkreis die Hand ins Feuer legen.

Es war einer der Aufreger der vergangenen Monate: Einige Sparkassen kündigten sogenannten „Prämien-Sparverträge“ von Zehntausenden ihrer Kunden. Der Aufschrei war groß und die Banken machten die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank dafür verantwortlich. Zusätzlich ist immer wieder die Weitergabe von Negativzinsen in der Diskussion. Die Europäische Zentralbank verlangt aktuell einen Einlagezins von 0,5 Prozent von den Banken, die verpflichtet sind, flüssige Geldbeträge bei ihr anzulegen. Doch was hat für konkrete Folgen für die Sparer im Augsburger Land?

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Eine Anfrage unserer Zeitung zeigt: Auch Banken und Sparer im Landkreis Augsburg beschäftigt die Nullzinspolitik und der mittlerweile weit verbreiteten Minuszins für Einlagen bei der Zentralbank oder für deutsche Staatsanleihen. „Für uns und unsere Kunden ist das ein emotionales Thema“, sagt Hermann Scherer, Vorstand der Raiffeisenbank Augsburg Land West. Immer wieder müsse er über das Thema sprechen. „Die Leute suchen einen Schuldigen“, sagt er und ergänzt: „Unser Problem ist, dass nicht in der Bevölkerung ankommt, wer eigentlich für ein mögliches Verwahrendgeld oder die Kündigung von Sparverträgen verantwortlich ist, nämlich die Politik.“

Alles hängt stark von der Entwicklung des Marktes ab

Sind die Vermögen der Sparer im Augsburger Land also noch sicher? Das hängt stark von der Entwicklung des Marktes ab. Keines der Geldhäuser schließt die Kündigung von Sparverträgen oder die Weitergabe von Minuszinsen an die Kunden komplett aus. Aktuell sind allerdings noch keine derartigen Schritte geplant. Hermann Scherer betont trotzdem: „Ich bin mir sicher, dass jede Bank bei großen, flüssigen Geldbeträgen eine gewisse Strategie hat.“

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Bisher mussten weder Kreissparkasse noch die Raiffeisenbanken im Landkreis zu drastischen Schritten greifen. Markus Pfeffinger, Sprecher der Kreissparkasse (KSK) Augsburg, erklärt: „Die Kreissparkasse hat bisher keine Flex-Verträge gekündigt und wird dies derzeit auch nicht tun.“ Auch Hermann Scherer sagt: „Momentan ist es für uns kein Thema, Sparverträge zu kündigen.“

Eventuell werden alternativen Anlagemöglichkeiten besprochen

Georg Schneider von der VR-Bank betont: „Bei uns werden keine Sparverträge gekündigt, auch in absehbarer Zeit nicht.“ In dieselbe Richtung geht Herbert Jauchmann, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Schwabmünchen. Er schließt „pauschale Maßnahmen“ aus, sagt aber: „Es ist möglich, dass wir in Zukunft auf Kunden mit großen Geldvermögen auf Giro- oder Tagesgeldkonten zugehen und alternativen Anlagemöglichkeiten besprechen.“

Das Problem mit den Sparverträgen erklärt Markus Pfeffinger von der KSK: „Solche Prämiensparverträge stammen aus Zeiten mit einer komplett anderen Marktsituation.“ Er bestätigt, was Georg Schneider in klaren Worten ausdrückt: „Die Niedrigzinsphase geht an keiner deutschen Bank einfach vorbei.“

„Die Zukunft ist ungewiss“

Hermann Scherer macht ganz klar die Bundespolitik und die EZB für die angespannte Situation verantwortlich. „Neben vielen anderen Staaten in Europa verdient auch der deutsche Staat seit der EZB Minuszinspolitik mit der Neuverschuldung, das heißt durch die Ausgabe von Bundesanleihen, Geld.“ Die Weitergabe von Minuszinsen an Firmen und Privatkunden sei deshalb nur die Weitergabe dessen, „was eine staatliche Einrichtungen von den Banken erhebt“. Minuszinsen auch von den Kunden zu verlangen, könnte „für alle Banken zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit werden“. Herbert Jauchmann betont: „Die Zukunft ist ungewiss.“

Sollte man sich also überlegen, Bargeld wieder im Tresor zu verwahren? Auf diese Frage reagieren die Banken unterschiedlich. Die Kreissparkasse stelle zwar Schließfächer zur Verfügung, von denen auch noch einige frei seien, allerdings würde die Verwahrung von Bargeld nicht empfohlen, erklärt Markus Pfeffinger. Georg Schneider betont: „Safe und Versicherung wären sicher teurer, als ein möglicher Minuszins“. Herbert Jauchmann entgegnet: „Was bringt einem ein Tresor voller Bargeld, wenn in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, dessen Abschaffung diskutiert wird.“

Allerdings betonen alle Banken, dass es noch immer Anlagemodelle geben, die vom Minuszins nicht betroffen seien. „Wir brauchen eine andere Vermögensstruktur. Gut funktionieren aktuell zum Beispiel laufende Fond-Sparpläne, der größte Erfolg ist aber eine eigen-genutzte Immobile“, sagt Hermann Scherer. Auch Markus Pfeffinger betont, dass die Lösungen vielfältig seien: „Von Immobilien über Aktien bis hin zu nachhaltigen Anlagen.“

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