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Stadthallen

17.04.2015

Wie viel die Kultur kostet

Die Stadthalle Gersthofen bietet ein abwechslungsreiches Programm, das von „Tao – Die Kunst des Trommelns“ (Foto) über die Kol-La-Sitzungen zu Konzerten und Auftritten von Kabarettisten reicht.
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Die Stadthalle Gersthofen bietet ein abwechslungsreiches Programm, das von „Tao – Die Kunst des Trommelns“ (Foto) über die Kol-La-Sitzungen zu Konzerten und Auftritten von Kabarettisten reicht.

Alle Kommunen im Augsburger Land zahlen drauf. Die Höhe allerdings ist unterschiedlich

Kabarett mit Monika Gruber oder Lisa Fitz, die schönsten Operettenmelodien oder Jazz mit Chris Barber, die Wüstenfotos von Michael Martin – wer in der Region einen besonderen Abend erleben möchte, den locken mittlerweile oft die Stadthallen im Umland von Augsburg an.

Raum für Kultur hat seinen Preis. Manche Ausgaben dabei sind offensichtlich, etwa wenn wie in Augsburg die umfassende Sanierung des städtischen Theaters ansteht. Manche sind nicht so einfach zu erkennen, etwa die Kosten der Hallen, in denen im Augsburger Land Kultur überwiegend angeboten wird. Die verschwinden in den Zahlenbergen kommunaler Haushalte – eine Umfrage unserer Zeitung im Landkreis belegt nun, wie viel Kultur kostet.

„In der Regel sind Stadthallen defizitär.“ Das stellt Bernd Müller fest, Bürgermeister der Stadt Bobingen, die seit über 20 Jahren die Singoldhalle betreibt. Müller nennt offen deren Betriebskostendefizite: angestiegen von 182636,71 Euro im Jahr 2011 auf 238386,06 Euro in 2014. Kalkulatorische Abschreibungen und eine Verzinsung der Investitionen sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

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Bobingen befindet sich in bester Gesellschaft: „Eine kommunale Halle, die schwarze Zahlen schreibt, ist mir nicht bekannt“, stellt Helmut Gieber fest, der langjährige Leiter des Kulturamts in Gersthofen, das d dort die Stadthalle managt. Als zweiter Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der Inthega (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen) kann er die wirtschaftliche Situation kommunaler Hallen gut einschätzen. Für Gersthofen teilt er mit: die „ungeschminkte Vollkostenrechnung“ der Stadthalle weise im Durchschnitt von 2012 bis 2014 ein Defizit von jährlich rund 500000 Euro aus. Kosten und Erlöse kommunaler Hallen zu vergleichen, sei allerdings „nur sehr bedingt möglich“, ergänzt Gieber.

Wohl wahr. Da gibt es verschiedene Betriebsformen, da wird teils kameralistisch (unter anderem ohne Abschreibungen), teils nach unternehmerischer Buchhaltung abgerechnet, da wird städtisches Personal verschieden herangezogen und zudem unterschiedlich in der Kostenrechnung erfasst. Manche Hallen bieten fast nur Konzerte, Tourneetheater und Tagungen, andere haben zudem Nebenräume für Vhs-Kurse oder zielen mit Küche und Kegelbahn auch auf Familienfeste und Vereinsfeiern.

Es sei kritisch, „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, warnen unisono auch die Neusässer Kulturbüroleiterin Anneli Bronner und Schwabmünchens Kämmerer Bernhard Jauchmann. Das zeigen schon die Nutzungszahlen, die beide unserer Zeitung nennen: In der Stadthalle Neusäß gibt es pro Jahr zwischen 120 und 140 Veranstaltungen. In Schwabmünchen sind es durchschnittlich 550 pro Jahr, die 25000 bis 30000 Besucher anziehen.

Bronner nennt „im Sinne einer Gewinn- und Verlustrechnung“ für die Stadthalle Neusäß ein Defizit „im höheren sechsstelligen Bereich“, in Schwabmünchen liegt es laut Jauchmann „in niedriger sechsstelliger Höhe“, hier wie dort ohne kalkulatorische Kosten.

Für die Stadthalle in Stadtbergen weist das dortige Kulturamt für 2013 und 2014 sogar ein positives Ergebnis von jeweils etwa 10000 Euro aus – allerdings sind Personalaufwand nicht eingerechnet.

„Jeder des Denkens und des Rechnens Mächtige sollte inzwischen wissen, dass sich Kultur, zumal mit Anspruch, fast nie alleine trägt“, erklärt Anneli Bronner. Das sei den Verantwortlichen in Neusäß auch klar gewesen, als sie zur Stadterhebung 1988 auch die erste Stadthalle im Umland von Augsburg bauen ließen. Die müsse keine schwarzen Zahlen schreiben, so Bronner, sondern unter anderem den Auftrag der bayerischen Verfassung erfüllen, die im Artikel 140 fordert: „Kunst und Wissenschaft sind von Staat und Gemeinde zu fördern.“

Helmut Gieber formuliert es bescheidener: Die Stadthalle Gersthofen habe mit ihrem anspruchsvollen, vielseitigen Programm in den vergangenen Jahren „bei Bürgern, Besuchern und politisch Verantwortlichen trotz der finanziellen Defizite hohe Akzeptanz erreicht“.

Die Argumente und Zahlen wird man besonders aufmerksam in Königsbrunn zur Kenntnis nehmen, wo die SPD im Kommunalwahlkampf 2014 die Idee einer Stadthalle angestoßen hat, die auf Sparflamme weiter vor sich hin köchelt.

Sicher gilt auch in der Brunnenstadt, was Helmut Gieber ganz allgemein festhält: „Stadthallen sind ,geborene‘ Zuschussbetriebe – wer A sagt zum Bau einer solchen Einrichtung muss auch B zu den laufenden Defiziten sagen“.

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