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Studie

04.03.2016

Wie wird in Meitingen geheizt?

Familie Schmitt aus Meitingen heizt mit Gas und setzt zusätzlich auf Solarenergie. Christoph Schmitt und Sohn Noah werfen einen Blick auf die Anlage.
Bild: Kathrin Zander

Forscher haben die Haushalte in der Marktgemeinde befragt und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen. Es gibt auch erste Ideen für ein Fernwärmenetz rund um die SGL

Familie Schmitt aus Meitingen heizt mit Gas. Zusätzlich nutzt sie die Sonnenenergie, um das Wasser zu erwärmen. Somit zählen die Schmitts zu den 34 Prozent, die in der Marktgemeinde eine Gasheizung zu Hause haben.

Die Zahlen, wer in Meitingen mit Öl, Erdgas oder Holz heizt, gehen aus einer Haushaltsbefragung hervor, die im November in der Marktgemeinde durchgeführt worden ist. Nun liegen die Ergebnisse vor, die dem Marktgemeinderat in der Sitzung am Mittwochabend vorgestellt wurden.

Sie geben unter anderem einen Einblick, wie die Bürger zur Energiewende stehen oder welche Heizungsanlage sie daheim im Keller stehen haben.

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All diese Erkenntnisse mündeten nun in erste Überlegungen für eine konkrete Umsetzung. Es ist angedacht, die Abwärme, die bei SGL entsteht, als Fernwärme zu nutzen, um damit Häuser in der Umgebung zu heizen. „Wir sind in Gesprächen mit SGL, ob man daraus etwas basteln kann“, erklärte Bürgermeister Michael Higl. Derzeit würden die Realisierungsmöglichkeiten durchdacht werden. „Vielleicht kann ich schon bei der nächsten Sitzung des Marktgemeinderates mehr darüber sagen“, so Higl.

Wissenschaftler und Forscher beschäftigen sich seit einigen Monaten mit der Energiewende in Meitingen. Doch warum ist die Marktgemeinde für solch eine große Studie interessant? In der Marktgemeinde mit ihren rund 11000 Einwohnern finden sich derart viele Facetten rund um das Thema Energie wie kaum in einem anderen Ort dieser Größenordnung. Das reicht vom Wasserkraftwerk über das Windrad bis hin zu großen Betrieben, die enorme Mengen an Energie verbrauchen. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Umweltinstituts Bifa wollen deshalb herausfinden, wie die Meitinger Bürger über die Energiewende denken. Doch nicht nur das. Es geht auch um die Frage, wie das Energiesystem umweltverträglich umgebaut werden kann.

Die Haushaltsbefragung ist ein zentraler Bestandteil der Studie. Michael Schneider vom Umweltinstitut Bifa freute sich, dass die Meitinger eifrig dabei mitgemacht hatten. Von den 4621 Haushalten füllten 605 den rund zehn Seiten umfassenden Fragebogen aus. Das entspricht einem Rücklauf von 13 Prozent. „Das ist sehr günstig“, lobte Schneider. Normalerweise beteiligen sich im Durchschnitt nur acht Prozent daran.

Welche Heizungsanlagen haben die Meitinger in ihren Häusern? Laut der Umfrage hat noch immer die Ölheizung, die von 35 Prozent genutzt wird, die Nase vorn – doch nur knapp. Auf Platz zwei folgt bereits mit 33,9 Prozent Erdgas. Aber auch Wärmepumpen sind stark im Kommen und mittlerweile mit 10,9 Prozent vertreten, dicht gefolgt von Holz- beziehungsweise Pelletanlagen. Fernwärme gibt es dagegen bislang kaum.

Die meisten Anlagen sind vor sechs bis zehn Jahren eingebaut worden. Übrigens gibt es sogar einige Öfen, die mehr als 40 Jahre auf dem Buckel haben.

In mehr als der Hälfte (58 Prozent) der frei stehenden Häuser und 40 Prozent der Doppelhaushälften wird zusätzlich mit Holz geheizt. In Mehrfamilienhäusern ist der Trend zum Holzofen weniger ausgeprägt. Dort erwärmen sich nur 9,4 Prozent dafür.

Die Wissenschaftler wollten auch wissen, welche Sanierungsmaßnahmen in Häusern, die älter als 15 Jahre sind, durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich, dass knapp bei der Hälfte (45 Prozent) schon die Heizungsanlage und bei 38 Prozent die Fenster ausgetauscht worden waren. Auch die Dämmung der Geschossdecken steht noch hoch im Kurs. Weniger beliebt sind dagegen der Einbau neuer Wohnungstüren oder die Dämmung der Außenwände oder der Kellerdecke.

Die Meitinger sind am Thema „Energiewende“ sehr interessiert. 48 Prozent der Befragten beschäftigten sich „viel“ oder sogar „sehr viel“ mit dem Thema. Die Bürger hoffen unter anderem darauf, dass eine Energieversorgung aus der Region möglich wird und dass weniger fossile Brennstoffe nötig sind.

Doch welche erneuerbaren Energieformen sollen dabei in Meitingen zum Zug kommen? Laut der Umfrage wird vor allem die Lösung auf dem eigenen Dach mit einer Photovoltaik-Anlage favorisiert. Hoch im Kurs stehen auch die Wärmepumpen und die Solarthermie.

Diese Art, sein Haus zu heizen, überzeugt viele Meitinger. 61 Prozent könnten sich vorstellen, Fernwärme zu nutzen. Dabei wünscht sich die eindeutige Mehrheit, dass hierfür Abwärme genutzt wird. „Das liegt in Meitingen nahe, da es zwei große Betriebe gibt, die dafür infrage kommen“, meinte Schneider mit Blick auf die SGL und die Lech-Stahlwerke.

Nach der Auswertung der Fragebögen und der Angaben wurde der statistische Wärmebedarf für jedes Haus errechnet und auf einer Karte eingezeichnet. Aus diesem Kataster ist nun ersichtlich, wie viel Energie in den verschiedenen Gebieten und Straßenzügen verbraucht wird. Diese Karte wird auch dann zum Einsatz kommen, wenn es um ein mögliches Fernwärmenetz rund um die SGL in Meitingen geht.

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