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Emersacker

19.08.2020

Wieder muss eine kleine Familie in Emersacker im Container leben

Diese drei Container wurden von der Gemeinde Emersacker als Notunterkunft für eine Familie aufgestellt, die beinahe obdachlos wurde.
Bild: Marcus Merk

Plus Erneut ist jemand in die Notunterkunft in Emersacker eingezogen. Werden die Container in der Gemeinde zum Dauerzustand?

„Ein bisschen ist es wie Camping“, sagt die alleinerziehende Mutter. Vor den Containern in Emersacker hat sie Salat und Kräuter gepflanzt. Doch das Leben in der Obdachlosenunterkunft ist alles andere als idyllisch. Wenn die Sonne auf das weiße Blech der Container knallt, wird es unerträglich heiß, erzählt die 44-Jährige. Dennoch ist sie dankbar, überhaupt wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Beinahe stand sie mit ihren Kindern auf der Straße. Aus Sicht der Gemeinde gebe es keine andere Möglichkeit. Werden die Container in Emersacker zum Dauerzustand?

Die weißen Blechkästen stehen nun auf einem gemeindlichen Grundstück und nicht mehr im Baugebiet am Ortsausgang. Dort können sie erst einmal stehen bleiben, erklärt Bürgermeister Karl-Heinz Mengele. Bereits seit Anfang Juli lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren neun und 17 Jahre alten Söhnen in den drei Containern. Angeschafft hatte die Gemeinde Emersacker diese im vergangenen Jahr, als eine andere alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn kurz vor der Obdachlosigkeit stand.

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Mutter lebt mit zwei Söhnen auf 54 Quadratmetern im Container in Emersacker

Eine kleine Küchenzeile, eine Dusche, Betten – für mehr ist auf den 54 Quadratmetern kein Platz. Gedämmt seien die Container nicht, berichtet die 44-Jährige. Doch sie sind alles, was der kleinen Familie bleibt. Hinter den drei weißen Blechkasten steckt eine tragische Geschichte. Ursprünglich komme die Frau aus der Gegend, erzählt sie. Einen Job habe sie zur Zeit nicht. Zuletzt habe sie jahrelang in Ostdeutschland gelebt. Um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, kam die 44-Jährige mit ihren beiden Söhnen zurück in die Heimat. Doch es gab Streit. Letztlich warf die Mutter die kleine Familie aus ihrer Wohnung, erzählt die Frau im Container. Zwischenzeitlich sei sie bei einem anderen Teil ihrer Familie untergekommen. „Wir waren dort zu acht in einer Wohnung, das geht auf Dauer einfach nicht“, sagt die 44-Jährige heute. Was folgt, sind unzählige Telefonate mit Wohnungsamt, Jugendamt, Diakonie oder Caritas. Niemand habe der kleinen Familie wirklich helfen können, sagt die Frau. Immer wieder sei sie auf die Gemeinde Emersacker verwiesen worden, die in diesem Fall zuständig sei. Mit einer E-Mail habe sich die Alleinerziehende schließlich an Bürgermeister Mengele gewandt.

Es ist nicht der erste Fall von Obdachlosigkeit in der Gemeinde Emersacker

Bereits unter Mengeles Amtsvorgänger Michael Müller hatte sich die Gemeinde entschlossen, Container anzuschaffen, um eine andere kleine Familie dort unterzubringen. Wird ein Mensch obdachlos, ist es Aufgabe der Kommune, sich um eine Unterkunft zu kümmern. Einige andere Gemeinden haben für diesen Zweck Wohnungen angemietet oder gekauft. In Emersacker ist das aus Sicht von Bürgermeister Mengele nicht möglich. Deshalb habe sich die Kommune auch im aktuellen Fall für die Container entschieden. Den Beschluss dazu fasste der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sitzung, sagt Mengele. Eine große Diskussion über diesen Entschluss habe es nicht gegeben. Die Miete für die Container werde im aktuellen Fall vom Jobcenter übernommen. Mengele: „Das ist sicher keine Dauerlösung, aber wir haben im Moment keine Alternativen.“

Alleinerziehende Mutter sucht dringend nach neuer Wohnung und Job

Auch für die Alleinerziehende und ihre beiden Söhne ist der Zustand keine Lösung. Sie sucht derzeit nach einem Job. „Ich mache alles, bei dem ich nicht den ganzen Tag stehen muss“, sagt die Frau, die an einer chronischem Schmerzerkrankung leidet. Auch ihr 17-jähriger Sohn ist auf Arbeitssuche. Ein Ausbildungsplatz, möglichst im kaufmännischen Bereich, wäre optimal. Auch nach einer neuen Wohnung sucht die kleine Familie händeringend. Dabei wird sie von der Gemeinde unterstützt. Bislang seien die Wohnungen allerdings allesamt zu teuer gewesen, oder die Vermieter seien wegen der aktuellen Wohnsituation abgeschreckt worden, meint die 44-Jährige. „Toll wäre eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Nähe“, sagt sie. Dann könnte ihr kleiner Sohn weiterhin in seine Schule gehen. Die Mutter hofft, dass sich durch die Veröffentlichung ihrer Geschichte neue Möglichkeiten auftun. Vermittelnd könnte die Gemeinde Emersacker unterstützen.

Große Hilfsbereitschaft unserer Leser gab es auch, als die Geschichte der ersten Bewohnerin der Container in Emersacker bekannt wurde. Zwischenzeitlich konnte sie zusammen mit ihrem Kind in einem Hotel untergebracht werden. Mittlerweile lebt die Frau nicht mehr in Emersacker.

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