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Kulturtage

15.10.2019

„Wildes Leben“ trotz Behinderung

Ausstellung mit dem Bild „Wildes Leben“ (links), daneben Johann Acher, Franziska Ottlik und Marina Lötschert, die ihr die Stimme leiht.
Bild: Tobias Karrer

Franziska Ottlik, Johann Acher und Marina Löschert präsentieren eine Kombination aus Malerei und Poesie

Der wilde Blick des Mannes auf dem Bild lässt einen an Freiheit denken, sein gelocktes Haar scheint im Wind zu fliegen, das bärtige Gesicht ist wettergegerbt, seine Augen leuchten. Das Gemälde strahlt regelrecht vor Farben, wirkt dynamisch und inspiriert zu eigenen Freiheitsgedanken.

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Es ist kein Wunder, dass „Wildes Leben“ eines der Werke des Malers Johann Acher ist, das Franziska Ottlik am besten gefallen hat. Sie sieht in dem Bild ein „Loblied auf Mutter Natur“. Schon seit ihrer Geburt hat die junge Frau eine Behinderung und spricht nur einzelne Laute. Was sie aber kann, ist Schreiben, vor allem Gedichte, die zeigen, dass hinter der Fassade eine Poetin und Autorin steckt. Kürzlich hat sie ihr erstes Buch „Überraschungsei – Reise einer Seele in einem behinderten Körper“ veröffentlicht.

Für die Kulturtage in Diedorf hat sich Franziska Ottlik mit Acher zusammengetan. Der Anstoß kam von Bürgermeister Peter Högg, der die Autorin schon länger kennt und ihre Kunst in die Kulturtage integrieren wollte.

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Den Kunstmaler hat „Franzi“   – wie sie von allen genannt wird – über seine Frau Martina Acher kennengelernt. Sie arbeitet seit über neun Jahren als ihre Assistentin. Die Idee der Poetin: Sie wollte Gedichte zu Johann Achers Bildern schreiben. Nur drei Stichworte sollte Acher ihr geben. Das Ergebnis begeistert einen voll besetzten Theatersaal im Diedorfer Eukitea.

Franziska Ottlik kann ihre Gedichte nicht selbst vortragen, deshalb leiht ihr die Schauspielerin Marina Lötschert die Stimme. Die beiden kennen sich seit etwa eineinhalb Jahren. Eine Lesung aus dem Buch der jungen Frau im Märchenzelt Augsburg hat sie zusammengebracht. Spontan entschied Lötschert, einen von Franzis Texten vorzutragen – die Chemie habe sofort gestimmt. „Sie schreibt sehr direkt und das passt gut zu mir. Die Gedichte machen mir eine unglaubliche Freude“, sagt Lötschert. Während der Veranstaltung spürt das auch das Publikum. Ihre Stimme verleiht Ottliks Gedichten die Lebendigkeit, die sie verdienen.

Zu insgesamt 16 Bildern hat Franziska Ottlik Gedichte geschrieben. Alle Werke haben eines gemeinsam: Sie strotzen vor Farbe und sind nie statisch. „Ich brauche eine gewisse Energie in meiner Malerei“, erklärt Kunstmaler Acher. Außerdem liebe er Farbe, auch das wird bei der Veranstaltung deutlich: Egal welches Szene er malt, die Bilder leuchten bunt. Besonders gern male er Augen, betont Acher: „Sie sind unsere Verbindung zur Außenwelt, ein Fenster zur Seele.“

Die Themen des Abends sind breit gefächert. Es gibt Bilder und Gedichte mit Titeln wie „Worte eines weißen Indianers“ oder „Black Panther“, aber auch Augsburg und New York kommen vor, ebenso wie ein Breakdancer und ein verliebtes Tanzpaar.

Eines ist am Ende des Abends klar: Die Kombination aus Wort und Bild funktioniert und berührt. Als die Veranstaltung vorbei ist, haben die Zuschauer die Möglichkeit, der jungen Poetin Fragen zu stellen. Mithilfe ihrer Assistentin und einer Buchstabentafel antwortet Franziska Ottlik ohne Probleme. Auch nach der Veranstaltung kommen noch Besucher zu ihr. „Ich wollte nur sagen, wie fantastisch das war“, sagt ein Mann. Andere sprechen voller Lob mit Johann Acher oder Marina Lötschert.

Franziska Ottlik ist sichtlich glücklich über die Resonanz. Auf die Frage, wie es für sie sei, ihre Texte in Diedorf zu präsentieren, antwortet sie: „Das hier ist meine Heimat, ich kann sagen, ich fühle mich geehrt von so vielen Gästen.“

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