Dialekte

28.07.2014

Wirklich haudig beinandr

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten kränkelt nicht, erklärt aber Worte dafür

Wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht, dann ist er mundartlich ausgedrückt „haud/tig beinand(r)“. Nun mag man glauben, dass die Herkunft eindeutig ist, man denkt an Haut, an dünnhäutig, durchscheinend, bleich und blass, alles Anzeichen für ein schlechtes Befinden – klingt gut, nur sagen uns die Fachleute, dass das nicht stimmt. Der Duden kennt zwar das Wort „hautig“, allerdings in anderer Bedeutung: mit Haut und Sehnen durchsetzt, von faltiger Haut umgeben.

Professor König vermutet bei „hautig“ im Sinn von schwach eine Verwandtschaft zu „maudrig“, was im Schwäbischen ebenfalls angeschlagen, kränklich bedeutet, im Bairischen dagegen weitgehend unbekannt ist.

Sowohl im bairischen als auch im schwäbischen Sprachraum kennen wir das Wort „marod(e)“, das ebenfalls kränklich, auch matt und schlaff bedeutet. Es ist ein Begriff aus dem Französischen und bedeutet eigentlich bei militärischen Truppen Nachzügler.

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Umgangssprachlich und auch mundartlich gibt es bei uns eine Reihe mehr oder weniger deftiger Ausdrücke und Redewendungen über den, dem es schlecht geht – getreu dem Motto „wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung“. Der Autor erinnert sich an einen Lehrer im Gymnasium, der seinen von einer sichtlich durchgemachten Nacht gezeichneten Oberstufenschülern attestierte, sie sähen aus wie ein „Packerl Kunsthonig“ oder auch wie das „Schweißtuch der Veronika“ – wie immer dies auch ausgesehen haben mag.

Deftiger ist da schon der eher im altbairischen Gebiet nicht unübliche Spruch, wenn man einen Freund nach längerer Zeit wieder trifft und mit einem „gut schaust aus“ begrüßt, um nach einer kurzen Pause „hast gspiem?“ nachzulegen. Das rechts des Lechs übliche Dialektwort für sich übergeben heißt „spei(b)en und „spotzen“, auch „spoazn“ – Letzteres kann auch schnäuzen bedeuten.

Im Schwäbischen sagt man für spucken dagegen eher „spuoderz(l)en“, und das kann auch mal „schimpfen“ bedeuten. Die Herkunft dieser Wörter scheint klar zu sein. Ob nun „Spucke, Speichel speien“ oder „spurzen“, alle sind sie mit dem lateinischen Wort „spuere“ für „spucken“ verwandt.

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