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Stadtbergen

21.03.2014

Wirtin will Therapiezentrum für kranke Kinder verhindern

Der Bunte Kreis baut gerade auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei ein Therapiezentrum für chronisch kranke Kinder. Die Wirtin der Gaststätte „Ziegelstadel“ klagt dagegen.
Bild: Marcus Merk

Am Stadtberger Ziegelstadel entsteht eine Einrichtung, in der kranke Kinder behandelt werden sollen. Eine Gastwirtin möchte das verhindern - und klagt vor dem Verwaltungsgericht.

Es ist ein Modellprojekt, das derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in Stadtbergen entsteht: Für knapp fünf Millionen Euro baut der Bunte Kreis eine Anlage. Dort soll chronisch kranken Kindern mit einer Tier-Therapie geholfen werden, mit ihrem schweren Schicksal etwas leichter umzugehen. Ende Juli, schätzen die Organisatoren der Stiftung, sollen die ersten Pferde, Ponys, Alpakas und Esel in das sechs Hektar große Gelände einziehen, die Eröffnung ist für Frühjahr 2015 geplant. Wenn es nach dem Willen von Anita Strohmayr geht, deren Gastwirtschaft „Ziegelstadel“ in der Nachbarschaft des Therapiezentrums liegt, soll daraus aber nichts werden: Um den Bau zu verhindern, klagte sie vor dem Verwaltungsgericht.

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Wirtin: "Bau schreckt potenzielle Gäste ab"

Strohmayrs Begründung: Der Bau und der Betrieb des Therapiezentrums verletzen ihre Rechte als Nachbarin. Denn durch den Bau des Zentrums würden potenzielle Gäste des Ziegelstadels abgeschreckt. Außerdem werde durch die Baumaßnahme  zu  stark in die Natur eingegriffen: „Hier sind reihenweise Bäume abgeholzt worden. Und die Lärmbelästigung durch die Straße kommt dadurch direkt bei mir an.“ Die Verkehrsbelastung empfindet sie schon jetzt als enorm: „Die Leute parken reihenweise auf meinem Grundstück und laufen dann zur Baustelle.“

Ihre Befürchtung: Wenn das Kinder-Therapiezentrum erst einmal in Betrieb ist, werde sich dieses Problem noch weiter verstärken.

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Um den Durchgangsverkehr auf der Privatstraße zu verhindern, hatte Strohmayr die Zufahrt dazu bereits vor einigen Jahren mit Findlingen blockiert. Schon jetzt bemerke sie die Belastungen durch den Baustellenverkehr und die Eingriffe in die Natur in ihrem Gewerbe: „Die Gastwirtschaft lohnt sich nicht mehr, nur noch das Hotel.“ Folglich werde sie zur Sommersaison den Biergarten und die Gastwirtschaft auch nicht mehr eröffnen.

Stefan Wagner, der Anwalt des Bunten Kreises, hielt dagegen: Das Therapiezentrum sei von einer anderen Seite, über den Golfplatz, erschlossen. Dabei handele es sich um eine öffentliche Straße. Ein frei zugängliches Naherholungsgebiet, wie von Strohmayr behauptet, sei das Gelände auch schon vorher nicht gewesen. Schließlich diente es jahrelang als Übungsplatz für einen Bogenschützenverein.

Richter wies die Klage ab

Baujuristin Birgit Brunner vom Landratsamt fügte hinzu: Dadurch, dass der Weg, der direkt an dem Zentrum vorbeiführt, nicht der Klägerin gehört, sei es ohnehin fraglich, ob hier Nachbarschaftsrecht verletzt sein könne. „Außerdem möchte ich in Zweifel stellen, ob der Bau für ihre Gaststätte so nachteilig ist.“

Der Geschäftsführer des Bunten Kreises, Horst Erhardt, betonte, dass bei dem Bau der Therapieeinrichtung keine Bäume gefällt wurden: „Der Sturm im vergangenen Juni hat den Wald ruiniert, nicht wir. Wir haben dann den Auftrag des Forstamtes erhalten, dass wir das umgemähte Holz wegschaffen müssen.“ Dass Strohmayr nun klagt, sei zwar ihr gutes Recht, so Erhardt: „Uns wäre es aber lieber gewesen, man setzt sich einfach mal zusammen an einen Tisch. Das hat Frau Strohmayr aber immer abgelehnt.“

Zumindest aus juristischer Sicht dürfte es künftig wenig Klärungsbedarf geben: Das Verwaltungsgericht unter Vorsitz von Richter Andreas Endres lehnte die Klage letztlich ab.

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