1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wo Frauen eine Zuflucht finden

Landkreis Augsburg

14.03.2019

Wo Frauen eine Zuflucht finden

Viele Frauenhäuser sind überbelegt. Bayernweit werden daher sogar die Hälfte aller suchenden Frauen abgewiesen. 
Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Viele Frauen warten jahrelang, bis sie den Schritt aus einer gewalttätigen Beziehung wagen. Eine Anlaufstelle ist das Frauenhaus, doch reichen die Plätze aus?

Es ist ein Ort der Zuflucht: das Frauenhaus in Augsburg. Das große und recht zentral gelegene Haus bietet Platz für 21 Frauen und 21 Kinder – nicht nur aus der Stadt Augsburg, sondern auch aus den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg sowie Landsberg.

Hierher kommen Frauen, die sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühlen, die vor einem gewalttätigen Partner geflohen sind. Und das sind nicht wenige: Das Frauenhaus war im vergangenen Jahr zu 101 Prozent ausgelastet, sagt die Fachbereichsleiterin Frauen bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Augsburg, Birgit Gaile. Die AWO betreibt das Frauenhaus. Knapp 27 Prozent der Frauen kamen dabei aus dem Landkreis. Nach der Statistik zu urteilen sei die Gewalt gegen Frauen in der häuslichen Umgebung seit Jahren gleichbleibend – „allerdings gibt es da wohl auch ein großes Dunkelfeld“, vermutet Birgit Gaile.

Einige Frauen bleiben fast ein Jahr lang

In fast der Hälfte all dieser Fälle vergehen im Schnitt fünf Jahre, bis sich die Frau zu einem Schritt aus der Gewaltbeziehung entscheidet, sagt Birgit Gaile. Zehn bis zwölf Wochen bleiben die Frauen im Durchschnitt. Einige sind aber auch fast ein Jahr lang dort – andere gehen nach wenigen Tagen zu ihren gewalttätigen Partnern zurück. Warum? „Im Grunde wünschen sie sich ja ein sicheres Zuhause“, erklärt Birgit Gaile. „Andere machen sich Sorgen um ihre Zukunft.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Dabei geht es vor allem ums finanzielle Auskommen: In Deutschland können laut Statistischem Bundesamt nur gut 72 Prozent aller Frauen zwischen 24 und 55 Jahren von ihrem eigenen Einkommen leben. Doch die AWO versucht, auch jene Frauen nicht aus den Augen zu verlieren, die das Frauenhaus rasch wieder verlassen. Im vergangenen Jahr hat die Beratungsstelle „Via – Wege aus der Gewalt“ 490 Frauen und Männer bei Fällen von häuslicher oder sexualisierter Gewalt beraten. Auch hier kamen 27 Prozent aus dem Landkreis. Seit einigen Jahren arbeitet die Beratungsstelle auch proaktiv, das bedeutet, wenn die Frau das will, melden sich die Mitarbeiterinnen nach einem Polizeieinsatz direkt bei ihr. „Wir erreichen so auch Frauen, die sich sonst vielleicht nicht in die Beratungsstelle trauen würden“, erläutert Birgit Gaile.

Die Hälfte aller suchenden Frauen wird abgewiesen

An der Finanzierung von Frauenhaus und Beratungsstelle ist auch der Landkreis Augsburg beteiligt. Angesichts der Fallzahlen und der Auslastung des Augsburger Frauenhauses hat die Grünen-Kreisrätin Silvia Daßler nun im Rahmen der Haushaltsberatungen im Landkreis laut überlegt, ob nicht ein eigenes Frauenhaus sinnvoll wäre. „Frauen müssen manchmal bei drei oder vier Häusern nachfragen, bevor sie einen freien Platz finden“, weiß Daßler. Bayernweit würden sogar die Hälfte aller suchenden Frauen abgewiesen. Was Silvia Daßler auch sagt: Für Frauen, die sich eine eigene Existenz aufbauen wollen, sei es manchmal gar nicht so leicht, wieder aus dem Frauenhaus auszuziehen. Es gebe einfach zu wenig passende Wohnungen.

Ja und Nein, sagt dazu Birgit Gaile. Das Frauenhaus sei gut vernetzt, Wohnungen ließen sich so noch finden. Was sie zu bedenken gibt: Während das Frauenhaus in der Großstadt Augsburg seine Anonymität gut erhalten könne, dürfte das in den kleineren Städten des Landkreises nicht so gut klappen. Der Vorteil der gemeinsamen, größeren Einrichtung sei zudem, dass unter anderem auch die Rufbereitschaft rund um die Uhr gesichert sei. „Dazu benötigt man aber viele Mitarbeiter“, sagt sie.

Viele Frauen kommen mit Kindern

Viele Frauen kommen nicht allein ins Frauenhaus, sondern mit ihren Kindern. Die Statistik des Präsidiums Schwaben-Nord sagt, dass in 40 Prozent der Fälle, in denen die Polizei zu Fällen von häuslicher Gewalt gerufen wird, Kinder die Vorfälle miterleben. Ein traumatisches Ereignis, auch wenn die Kinder nicht selbst geschlagen werden. Die stellvertretende Fachbereichsleiterin im Jugendamt des Landkreises Augsburg, Carolin Vöst, erklärt: Wenn Kinder mitbekommen, dass ihrer Mutter Gewalt angetan wird, dann sei das fast so schlimm wie ein Angriff gegen den eigenen Körper – und die eigene Seele. „Schließlich ist die Mutter in den meisten Fällen die engste Bezugsperson.“ Das Frauenhaus biete da die Möglichkeit für Mutter und Kinder, erst einmal zur Ruhe zu kommen. Dann könne eventuell auch ein begleiteter Umgang des Vaters mit seinen Kindern umgesetzt werden.

In solch einem Fall ist bei den Treffen geschultes pädagogisches Personal dabei, erklärt Carolin Vöst.

Allerdings: Für das Jugendamt steht das Wohl der Kinder immer an erster Stelle. Sollten derartige Treffen zu belastend für das Kind sein, könnten sie auch ausgesetzt werden.

So geht es weiter: Wie sicher fühlen sich Frauen eigentlich selbst?

Bisher erschienen in unserer Serie:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren