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Ustersbach

20.05.2018

Wo ist hier noch Platz für neues Gewerbe?

Ein Experte ermittelte in Ustersbach drei mögliche Standorte für Gewerbegebiete. Die Studie favorisierte die Fläche 3 nördlich der B300.
Bild: S. P. Rupprecht/Büro Heider

Gemeinderat favorisiert eine Fläche nördlich der B300. Aber benötigt die Gemeinde überhaupt neue Flächen?

Wie soll die Gemeinde Ustersbach beim Thema Gewerbegebietsstandort weitermachen? Ist eine Ausweisung von Flächen überhaupt möglich? Und wenn ja, soll die Kommune dieses Risiko eingehen? Auf diese und viele andere Fragen erhofften sich Bürgermeister Maximilian Stumböck und der Gemeinderat mit der in Auftrag gegebenen Analyse zum Gewerbeflächenbedarf Antworten. Die Ergebnisse der Studie stellte bei der letzten Gemeinderatssitzung Manfred Heider vom gleichnamigen Augsburger Büro für Standort-, Markt- und Regionalanalyse vor.

Dabei sah der Fachmann bis 2026 grundsätzlich eine Nachfrage an Gewerbeflächen im westlichen Landkreis und damit auch in Ustersbach. Doch der Bedarf in den einzelnen Gemeinden sei in erster Linie abhängig von Lagegunst und Wirtschaftsstruktur. Durch die B300 liege Ustersbach bei der Unternehmensakzeptanz im „guten Mittelfeld“, resümierte Manfred Heider.

Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass bei der Ausweisung von Gewerbegebieten eine Reihe von Risiken zu berücksichtigen sei. „Ungünstige topografische Gegebenheiten können hohe Investitionskosten verursachen“, nannte er als Beispiel. Durch die Ansiedlung weiterer Betriebe werde zusätzlicher Verkehr generiert. „Die dadurch entstehende Verkehrsbelastung muss bei der Situierung des Standorts und der Erschließung berücksichtigt werden.“ Immer wieder komme es vor, dass neu ausgewiesene Gewerbeflächen oft viele Jahre keinen Käufer finden, die Gemeinde aber finanziell mit hohen Beträgen in Vorleistung getreten sei.

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Heider ging auch auf die Anforderungen aus Unternehmenssicht ein. Der Quadratmeterpreis müsse passen, ebenso die technische Ausstattung der Infrastruktur wie Breitbandgeschwindigkeit, die Erreichbarkeit des Standorts und die Anbindung an das regionale Verkehrsnetz.

Für Ustersbach hatte der Experte drei Standorte ermittelt. Bei diesen Flächen stellte er Plus und Minus gegenüber.

UstersbachNordwest Beim Standort an der Dinkelscherber Straße vermerkte er positiv, dass hier keine direkt angrenzende Wohnbebauung vorhanden und das Ortsbild bereits durch das Logistikzentrum der Brauerei geprägt sei. Parallel dazu monierte er die schlechte Verkehrsanbindung und die eingeschränkte Sichtbarkeit der Gewerbebetriebe. „Die Erschließung über die Dinkelscherber Straße ist nur schwer darstellbar, da zusätzlicher Verkehr im Ortskern zu erwarten wäre“, meinte Heider. Zudem sei der Kreuzungsbereich Dinkelscherber Straße/B300 schon jetzt überlastet und ein Unfallschwerpunkt.

UstersbachSüdwest Hier sei die Lage an und die Erschließung über die B300 vorstellbar, verdeutlichte der Fachmann. Hinzu würde eine gute Sichtbarkeit der Gewerbebetriebe kommen. Als schlecht bewertete er die dortige Topografie in Kombination mit der Ortseinfahrtssituation und der Verkehrserschließung als nicht ideal. Ein Minus erhielt auch die angrenzende Wohnbebauung und die Beeinträchtigung des Ortsbildes bei der Ortseinfahrt von Westen.

UstersbachOst nördlich der B300: Diese Fläche punkte mit der Lage an der B300 und dem Zubringer zur Autobahn (Bahnhofstraße/Richtung Mödishofen), mit der Erschließung über die Kreisstraße A2 und den Kreisverkehr oder mit der direkten Anbindung an die B300. Positiv würde dort auch die gute Sichtbarkeit der Gewerbebetriebe ausfallen. Abschläge musste dieser Standort wegen der angrenzenden Wohnbebauung im Westen und der Beeinträchtigung des Ortsbildes bei der Einfahrt von Osten hinnehmen.

Dennoch eignen sich hier nach Meinung des Experten Erschließung, Anbindung und Lage im Ortsgefüge am besten für die Ausweisung eines Gewerbegebietes. Voraussetzung seien jedoch die Erfüllbarkeit der bauleitplanerischen Vorgaben, insbesondere die Belange des Umweltschutzes und der Verfügbarkeit der Flächen.

Doch auch hier schränkte Heider ein: „Selbst bei einem funktionierenden Gewerbegebiet und günstiger Entwicklung ist die Rentabilität für die Gemeinde noch nicht gesichert.“ Wichtig sei im vorliegenden Fall das Entscheidungsziel der Gemeinde: „Will sie eine eigene Gewerbegebietsentwicklung mit all den Risiken und den zu erwartenden Kosten?“ Im Gesamten sehe er das Thema eher bedenklich, äußerte Heider. Aufgrund der Analyse dränge sich eine Gewerbegebietsausweisung in Ustersbach nicht gerade auf, zumal beim einzig favorisierten Standort noch die Wasserschutz- und Umweltthematik gelöst werden müsse. Bürgermeister Maximilian Stumböck entgegnete, dass dies eventuell durch eine Einschränkung der Gewerbegebietsnutzung möglich wäre. „Wichtiger Entscheidungsfaktor sowohl für die Entwicklungsziele der Gemeinde als auch das Funktionieren des Gewerbegebiets ist die lokale Nachfrage“, bilanzierte Heider. Doch sei die auf breiter Front vorhanden?, fragte bei der anschließenden Diskussionsrunde ein Sitzungsteilnehmer. Gemeinderätin Anja Völk brachte bei Gewerbegebieten noch die Möglichkeit einer interkommunalen Zusammenarbeit ein. Doch diese war in die Studie nicht einbezogen.

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